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01. Februar 2012 15:31 Uhr

private Vorsorge

Die Riester-Rente: Besser als der Ruf

Seit gut zehn Jahren gibt es die Riester-Rente. Doch noch immer hat die staatlich geförderte private Vorsorge den Durchbruch nicht geschafft. 15 Millionen Verträge wurden abgeschlossen.

  1. Für viele Bundesbürger lohnt sich die private Vorsorge – wenn sie das richtige Produkt wählen Foto: dpa

Ursprünglich hatten die Erfinder darauf gebaut, dass alle Förderberechtigten, das sind mehr als 30 Millionen Erwerbstätige oder Lebenspartner, die Einbußen bei der gesetzlichen Rente durch diese Police ausgleichen.

Zögerlich sind viele Arbeitnehmer nicht zuletzt wegen der anhaltenden Kritik an der Riester-Rente. Im Dezember erst gab das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ein vernichtendes Urteil ab. "Für viele Riestersparer ist die Rendite nicht höher, als wenn sie ihr Geld in einen Sparstrumpf gesteckt hätten", stellte die Verbraucherexpertin des DIW, Kornelia Hagen fest. Ihre Rechnung besagt, dass sich riestern nur lohnt, wenn man sehr alt wird.

Doch diese These stimmt nicht überall. Es gibt viele Bevölkerungsgruppen, die von der Förderung stark profitieren. Allen voran lohnt sich der Vertragsabschluss für Familien und Alleinerziehende. Denn die staatlichen Zulagen helfen stark beim Aufbau eines Kapitalstocks, wie eine Beispielrechnung der HUK Coburg zeigt. Eine Familie mit zwei Kindern und einem Jahresbruttoeinkommen von 25 000 Euro zahlt im Jahr 1000 Euro an seine Fondsgesellschaft, die Bank oder Versicherung. Damit ist die Forderung erfüllt, vier Prozent des Bruttoeinkommens in die private Vorsorge zu stecken.

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Vom Gesamtbeitrag muss die Familie aber nur 322 Euro selbst aufbringen. Den Rest legt der Steuerzahler drauf. Bei 30-jährigen Eltern summiert sich die Förderung bis zum Rentenalter auf 20 000 Euro. Ähnlich gut fährt die Alleinerziehende mit einem mäßigen Jahresgehalt von 18 000 Euro. Sie kann auf eine hohe Förderquote von 63 Prozent bauen.

Zu den 266 Euro Eigenbeitrag kommen 454 Euro an Zulagen. Mit dieser Rechnung wehrt sich der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) gegen den Pauschalvorwurf, riestern lohne sich nicht.

Gerne unterschlagen wird in den Darstellungen ein gesellschaftlich weniger erwünschter Effekt. Die großen Profiteure der Förderrente sind Beschäftigte mit hohen Gehältern. Ein Paar mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 100 000 Euro bekommt nach Angaben des Steuerberaters Alexander Fuchs bei einem Sparbeitrag von 2000 Euro praktisch 1325 Euro vom Staat. Denn bei solch hohen Einkommen greift die Steuerersparnis, die über die reinen Zulagen deutlich hinausgeht.

Es verwundert daher wenig, dass die Riester-Rente bei Gutverdienern, Familien und Frauen am ehesten Anklang findet. Dagegen stößt die private Vorsorge bei vielen Geringverdienern auf wenig Resonanz, obschon dies für die Politiker bei der Einführung die wichtigste Zielgruppe war.

Die richtige Auswahl ist für Kunden sehr mühsam

Hier zeigt sich ein Systemfehler. Wenn die gesetzlichen Rentenansprüche minimal auszufallen drohen, hilft auch die Riester-Rente nicht zu einem akzeptablen Alterseinkommen. Denn die Betroffenen sind auf die Grundsicherung angewiesen, bei der die sämtliche Formen der privaten Altersvorsorge angerechnet werden. Da fehlt der Anreiz zum Sparen.

Wie gut oder schlecht ein Sparer beim Riestern fährt, hängt maßgeblich von der Art ab, wie das Geld angelegt wird. Es gibt Bank- und Fondssparpläne, fondsgebundene Rentenversicherungen oder auch den Wohnriester, bei dem das Kapital ins Eigenheim gesteckt wird. Die Qualität der Angebote ist sehr unterschiedlich und für den Verbraucher kaum zu durchschauen. Das ist einer der Hauptkritikpunkte von Verbraucherschützern. Die Auswahl bestimmt über die Rendite am Ende der Vertragslaufzeit erheblich mit. Das belegen die regelmäßigen Untersuchungen der Stiftung Warentest. Bei gleicher Sparleistung wollte ein Versicherungsanbieter eine monatliche Rente von 166 Euro garantieren, ein anderer bot 199 Euro.

Die richtige Auswahl ist für Kunden aber sehr mühsam. Die Riester-Produkte müssen zwar zertifiziert sein, doch das Siegel sagt nichts über deren Ertragsstärke. Die Kosten werden häufig nicht transparent dargestellt und die Aufbereitung der Informationen überfordert viele Verbraucher. So landet mehr Geld in den Taschen der Anbieter als nötig. Deshalb mahnen die Kritiker Korrekturen an. Damit ist die Förderrente aber nicht pauschal eine schlechte Anlage. Wie bei jeder Form der Geldanlage bleibt es niemandem erspart, sich intensiv mit der Materie zu befassen. Nur so kann man feststellen, ob sich ein Vertragsabschluss lohnt.

Autor: Wolfgang Mulke