BZ-Telefonaktion

Experten antworten auf BZ-Leserfragen zum Thema Fondssparen

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Sa, 18. November 2017 um 00:00 Uhr

Wirtschaft

Zum Jahreswechsel folgt eine Reform der Besteuerung der Investmentfonds. Drei Experten vom Fondsverband BVI erklären BZ-Lesern, welche Folgen die Gesetzesänderungen haben.

Leserfrage: Wir besitzen verschiedene Investmentfonds und haben von neuen Steuerregeln für Fondsanleger gehört, die ab dem nächsten Jahr gelten sollen. Müssen wir mit Steuermehrbelastungen rechnen? Sollen wir lieber unsere Fondsanteile vor Jahresende verkaufen?
Experte: Keine Sorge. Wegen der Investmentsteuerreform müssen Sie Ihre Fonds jetzt nicht verkaufen. Unter dem Strich steigt für Privatanleger die Steuerbelastung nicht.

Leserfrage: Wir sparen mit Fonds. Müssen wir etwas tun wegen der Steuerreform für Investmentfonds-Sparer?
Experte: Nein, Sie müssen nichts tun. Die Fondsgesellschaften müssen ab 2018 aber auf bestimmte Erträge 15 Prozent Steuern zahlen. Das ist neu. Um dies auszugleichen, erhalten Fondsanleger ab 2018 eine teilweise steuerliche Freistellung für Ausschüttungen und Veräußerungsgewinne aus ihren Fonds. Eine Steuererhöhung für Sparer ist damit in der Regel nicht verbunden.

Leserfrage: Künftig sollen Kursgewinne von Aktienfonds generell steuerpflichtig werden. Wir haben noch Altbestände, also Aktienfonds, die vor Einführung der Abgeltungsteuer 2009 gekauft wurden. Sollen wir diese Fonds vor dem Jahresende verkaufen, um die Kursgewinne noch steuerfrei realisieren zu können?
Experte: Wegen der Investmentsteuerreform müssen Sie die Aktienfonds jetzt nicht verkaufen. Denn bis Ende 2017 erzielte Kursgewinne von vor 2009 erworbenen Fonds bleiben über 2017 hinaus steuerfrei. Nur die Kursgewinne, die ab dem 1. Januar 2018 entstehen, unterliegen künftig grundsätzlich der Steuerpflicht. Und dafür hat der Gesetzgeber auch noch einen steuerlichen Freibetrag von 100 000 Euro pro Person vorgesehen, sodass für die meisten Fondssparer Veräußerungsgewinne aus "Altbeständen", also vor 2009 erworbenen Fonds, weiterhin steuerfrei bleiben.

Leserfrage: Vor sechs Monaten haben wir Aktienfonds zu 127 Euro gekauft. Nun ist der Wert auf 122 Euro gefallen. Sollen wir die Fonds besser wieder verkaufen?
Experte: Verkaufen Sie nicht vorschnell. Schwankungen bei Aktienfonds sind ganz normal. Anleger benötigen für Aktienfonds Geduld und einen längerfristigen Anlagehorizont.

Leserfrage: Für wie lange sollte man sein Geld denn anlegen können, um von Aktienfonds zu profitieren?
Experte: Der Anlagehorizont sollte mindestens fünf, besser zehn Jahre oder länger sein. Die Erfahrung zeigt: Je länger der Anlagehorizont ist, desto geringer wird das Risiko von Verlusten.

Leserfrage: Soll man Fonds besser noch in diesem Jahr kaufen, wegen der neuen Steuerregeln ab 2018 für Fonds?

Experte: Ob Sie noch in diesem Jahr oder im nächsten Jahr Fonds kaufen, macht steuerlich keinen Unterschied. Wichtig ist, dass Sie ein Anlagekonzept haben, das Ihren Vorstellungen entspricht und auf Ihre persönlichen Verhältnisse zugeschnitten ist. Besprechen Sie das mit Ihrem Berater.

Leserfrage: Wir haben eine Nichtveranlagungsbescheinigung vom Finanzamt. Besteht da Handlungsbedarf wegen der Investmentsteuerreform ab nächstem Jahr?
Experte: Nein, bestehende Nichtveranlagungsbescheinigungen bleiben weiterhin gültig.

Leserfrage: Ich habe seit vier Jahren einen Garantiefonds auf Aktien. Was kann ich damit tun?
Experte: Mittlerweile sollte durch die gestiegenen Aktienkurse der Fonds an Wert gewonnen haben und deutlich über dem Garantieniveau liegen. Eventuell kann man in einen neuen Garantiefonds tauschen, um die Gewinne abzusichern und zugleich das Garantieniveau anzuheben.

Leserfrage: Ich spare in einen Riestervertrag mit Fonds. Ändert sich für mich steuerlich etwas?
Experte: Nein, für Anleger von staatlich geförderten Riesterverträgen mit Fonds ändert sich durch die Investmentsteuerreform 2018 nichts. Für Riesterverträge gelten Sonderregeln bei der Besteuerung.

Leserfrage: Ich möchte monatlich 100 Euro für eine zusätzliche Altersvorsorge sparen. Ich bin 40 Jahre alt und suche eine flexible und zugleich renditestarke Anlage. Was schlagen Sie vor?
Experte: Die höchsten Renditechancen auf 20 bis 30 Jahre boten in der Vergangenheit Sparpläne mit Aktienfonds. Hier waren Renditen von etwa vier bis sieben Prozent im Schnitt jährlich zu erzielen. Zudem sind Fondssparpläne sehr flexibel. Sie können die Sparrate nach Belieben reduzieren, erhöhen oder vorübergehend aussetzen. Auch Sondereinzahlungen sind möglich. Das angesparte Vermögen bleibt stets frei verfügbar, das heißt, Sie müssen sich auf keine Laufzeit festlegen.
Info:

Auf der Verbandswebsite www.bvi.definden sich umfangreiche Statistiken zur Wertentwicklung zahlreicher einzelner Investmentfonds und auch verschiedener Fondskategorien. Zudem steht dort unter Publikationen eine Infobroschüre zu den aktuellen Steueränderungen zum kostenlosen Download bereit (Investmentsteuerreform kompakt).