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27. Dezember 2011

Verbraucherschützer warnen

Gefährlicher Goldrausch

Gold hat Hochkonjunktur und das zieht zwielichtige Gestalten an. Professionelle Händler ziehen von Stadt zu Stadt und machen teures Gold zu kleiner Münze. Der Ankaufspreis liegt oft unter dem realen Wert des Edelmetallanteils.

  1. Krisengewinner: güldene Münzen und Barren Foto: dpa

So wurden in einem norddeutschen Ort einem Kunden für einen Eagle, eine US-amerikanische Goldmünze im Nennwert von zehn Dollar, nur 90 Euro geboten. Zu seinem Glück ging der Verbraucher nicht darauf ein. Ein seriöser ortsansässiger Händler, der anschließend aufgesucht wurde, bot 430 Euro. Inzwischen dürfte der Marktpreis mindestens das Doppelte oder Dreifache betragen. Vorsicht sei besonders bei fliegenden Händlern geboten, die nur für kurze Zeit Räume anmieten und zeitlich begrenzt ihr Angebot anpreisen, mahnen Verbraucherschützer. "Wir können nur dringend davor warnen, unüberlegt und das heißt auch uninformiert Geschäfte zu tätigen", sagt Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale in Kiel. Dies gelte bei Käufen wie bei Verkäufen.

Goldverkäufe haben noch einen zweiten Haken. Der goldene Ehering oder die goldene Uhr des Großvaters ist unwiederbringlich verloren. Der Zentralverband der Deutschen Pfandkreditbetriebe in Stuttgart rät deshalb: "Wer einen kurzfristigen Kredit braucht, ist im Leihhaus viel besser aufgehoben." Der Kredit von einer Bank dauere oft zu lange; das Pfand könne später wieder ausgelöst werden, und obendrein gebe es mehr Geld als bei unseriösen Händlern. "Pfandkreditunternehmen haben kein Interesse daran, Wertgegenstände möglichst gering zu taxieren", erklärt Verbandschef Joachim Struck. "Unser Verdienst hängt von der Höhe der gewährten Darlehen ab." Dazu schätzen Pfandleiher den Marktpreis der angebotenen Gegenstände und ziehen eine Sicherheitsmarge von mindestens 20 Prozent ab. Die verbleibenden etwa 80 Prozent können an den Kunden als Kredit ausgezahlt werden. Wenn der Kunde später wieder bei Kasse ist, kann er den verpfändeten Gegenstand abholen. Mehr als neun von zehn Pfändern werden von ihren Eigentümern ausgelöst, berichtet Struck, in der Regel nach drei Monaten.

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Doch auch die Pfandleihe hat ihren Preis. Bei der Wiederabholung der goldenen Uhr zahlt der Verpfänder pro Monat Kreditlaufzeit einen Zins von einem Prozent. Umgerechnet auf ein Jahr ergibt dies einen stattlichen Zinssatz von zwölf Prozent. Damit kostet der Pfandkredit allein an Zinsen doppelt so viel wie ein üblicher Konsumentenkredit und so viel wie ein Überziehungskredit vom Girokonto.

Unter dem Strich ist der Dispo sogar preiswerter als die Pfandleihe, denn der Verpfänder muss auch für die Kosten des Geschäftsbetriebes zahlen. Die Vergütung richtet sich nach der Höhe des Darlehens. Bei einer goldenen Uhr, für die der Pfandleiher ein Darlehen von 300 Euro vergibt, werden monatlich 6,50 Euro fällig. Aufs Jahr gerechnet entspricht diese Gebühr einem Zinssatz von 26 Prozent. Zusammen mit dem regulären Zinssatz kostet eine Pfandleihe dann unterm Strich 38 Prozent pro Jahr. Zudem darf der Pfandleiher noch die Kosten für die Verwertung, etwa auf einer Auktion, in Rechnung stellen. Der Pfandkredit kommt damit drei Mal so teuer wie das Überziehen des Girokontos. Die Bedingungen für die Pfandleihe, für Zinsen und Gebühren sind vom Gesetzgeber 1961 in der "Verordnung über den Geschäftsbetrieb der gewerblichen Pfandleiher" geregelt worden und gelten bis heute. Interessierte Verbraucher sollten sich die Bedingungen des Pfandhauses genau ansehen, bevor sie einen Wertgegenstand verleihen.

Die Branche erfreue sich seit Jahren an einem kontinuierlichen Wachstum, sagt Verbandschef Struck. Mehr als eine Million Kunden wurden 2011 begrüßt, der Umsatz wird auf etwa 550 Millionen Euro geschätzt – Tendenz steigend.

Die Angstwährung Gold

Die Finanzkrise hat den Goldpreis in luftige Höhen getrieben. Erst beim Rekordwert von fast 2000 Dollar für die Feinunze schwächte sich der Trend ab. Zurzeit kostet sie etwa 1600 Dollar und damit weiter sehr viel. Bis zur Krise waren 600 Dollar üblich. Norman Rudschuck, Goldexperte bei der Nord-LB, geht von einem langfristigen Hoch aus. "Seit vier Jahren haben wir Finanzmarktkrise." Dazu komme die noch größere Angst, dass "uns die ganze Ökonomie um die Ohren fliegt". Zudem traten die Zentralbanken früher immer als Nettoverkäufer auf. Das heißt, alle Notenbanken haben unterm Strich mehr Gold ver- als gekauft. Nun investierten viele Notenbanken wie die russische, chinesische und mexikanische wieder in Gold. Dabei geht es immer gleich um Hunderte Tonnen. Das treibt den Preis. Die Nachfrage steigt auch deshalb, weil in China und Indien der Mittelstand wächst. Dort sei es üblich, Gold an Festtagen zu verschenken. "Egal, wie hoch der Preis ist." Gold ist zudem physisch sehr knapp. Das Goldvorkommen auf der Erde passt in einen Würfel mit einer Kantenlänge von nur 20 Metern. Es besteht laut Analysten daher keine Notwendigkeit, sich übereilt von seinem Goldschatz zu trennen.  

Autor: hape

Autor: Hermannus Pfeiffer