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25. Oktober 2008
Kabel BW auf der langen Leitung
Wie Möchtegern-Kunden vergeblich versuchten, einen Kabelanschluss zu bekommen und warum sie jetzt doch Satelliten vorziehen
Bis vor gut einem Monat war die Fernsehwelt im Freiburger Stadtteil Landwasser-Süd noch in Ordnung. Rund 75 Bewohner in der Auwaldstraße, dem Eulenweg, dem Häherweg und dem Spechtweg teilten sich eine Gemeinschaftsantenne, die 1972 in Betrieb genommen wurde und von der Hausverwaltung verwaltet wird. Im Mai dieses Jahres wurden bei einer Begutachtung der Anlage die Sanierungskosten auf rund 200 000 Euro beziffert, das wären für jeden Teilnehmer rund 2500 bis 3000 Euro. Man war sich einig: Das ist zu viel. Deshalb beschloss die Mitgliederversammlung Anfang Juni, dass die Gemeinschaftsantenne zum 30. September abgeschaltet werden sollte.
Viele Anlieger wandten sich daraufhin umgehend an den baden-württembergischen Kabelnetzbetreiber Kabel BW. So auch Gabriele Preiser*. "Der hiesige Vertriebspartner der Kabel BW versicherte mir, dass überall Kabelanschlüsse liegen. So habe ich also für den 1. Oktober einen Kabelanschluss beantragt", erzählt Preiser. Kurz nach Vertragsabschluss kommt am 3. Juli Post von der Kabel BW: Alle Kabelanschlüsse in Gabriele Preisers Bungalow würden bereits über die Hausverwaltung bezahlt.
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Dass dem ab Oktober eben nicht mehr so sein würde, stellte Preiser schriftlich und mündlich richtig. Genützt hat’s nichts, wieder kam ein Schreiben mit der Bitte, sich an die Hausverwaltung zu wenden. In der Folge versuchten sowohl der Kabel-BW-Vertriebsparter und Gabriele Preiser als auch die Hausverwaltung, bei irgendjemandem in der Zentrale des Unternehmens Gehör zu finden – vergeblich. Zwar reagierten die Mitarbeiter unter der 0800-Servicenummer stets mit Verständnis und dem Versprechen sich zu kümmern, doch es tat sich nichts.
Es wurde August, es wurde September. "Da war mir mittlerweile schon ziemlich klar, dass es mit dem Anschluss zum 1. Oktober nicht klappen wird", sagt Preiser. Pünktlich zum 30. September wurde der bisherige Anschluss gekappt, seither sind zahlreiche Anlieger aus dem Eulen- und Häherweg ohne Fernsehen. Wieder telefonierten und schrieben die Beteiligten an die Kabel BW – mit zunehmender Wut. Wieder rief die Kabel BW kein einziges Mal zurück, auf E-Mails kamen standardisierte Antworten zurück. Am 17. Oktober schließlich tauchte plötzlich ein Techniker auf und schaute sich die Situation vor Ort an. "Ich werde von ihm hören, hat er gesagt, bevor er ging", erzählt Preiser. Und? Nichts.
Am 21. Oktober wechselt die Kabel BW gänzlich ins Fach der Komischen Oper: Gabriele Preiser erhält ein Schreiben, in dem ihr der Kabelanschluss rückwirkend zum Aktivierungsdatum, dem 1. Oktober, gekündigt wird. Dumm nur, dass überhaupt nie etwas aktiviert wurde und die Familie seit über drei Wochen ohne Fernsehen dasitzt.
Als die BZ bei Kabel BW nachhakt, sieht es zunächst nach einer weiteren Odyssee aus – am Telefon und per Mail wird versprochen, der Sache schnellstens nachzugehen. Nichts passiert. Auf erneute Nachfrage nach einer Woche erklärt der Pressesprecher Martin Herkommer per Mail: "Leider ist der Fall sehr kompliziert und es sind diverse Abteilungen in unserem Haus eingeschaltet." Denen gelingt es nach weiteren drei Tagen schließlich, die Ursache für all das Theater ausfindig zu machen. Und die ist ganz banal: In Gabriele Preisers Haus liegt überhaupt kein Kabel der Kabel BW. "Für unseren Vertriebspartner sah es im System aber so aus, als ob da ein Kabel liegt, deshalb hat er den Vertrag auch abgeschlossen", erklärt Herkommer. Wieso sich aber im System von Kabel BW falsche beziehungsweise unaktuelle Daten befinden, kann er nicht erklären. "Das war vielleicht ein Fehler von uns. Dieser Vertrag hätte nie geschlossen werden dürfen."
Fakt ist, dass auch nach Feststellung dieser Tatsache durch den Techniker die betroffenen Familien bis heute nicht informiert worden sind. Stattdessen bekamen sie die Kündigung ihres Vertrages, die sie eigentlich nicht wollten, weil sie ja gerne über die Kabel BW ihr Fernsehprogramm bekommen hätten.
Jetzt bleibt ihnen nur die Alternative, sich eine Satellitenschüssel zu kaufen, wenn sie nicht mehrere tausend Euro für das Legen eines eigenen Anschlusses bezahlen wollen. Kulanz diesbezüglich kennt die Kabel BW nicht. Im Gegenteil, Herkommer weist die eigentliche Schuld den Anwohnern selbst zu: "Der größte Fehler war, dass die Antennengemeinschaft beschlossen hat, sich aufzulösen, ohne über die Konsequenzen nachzudenken." Vielleicht auch deshalb erachtet das Unternehmen es nicht für nötig, sich bei den potenziellen Kunden für den entstandenen Ärger zu entschuldigen. Die haben jetzt die Nase voll und kaufen Satellitenschüsseln.
* Name von der Redaktion geändert
Autor: Claudia Füßler
