Betrug

Kriminelle geben sich bei Lockanrufen als Polizisten aus

Dirk Averesch

Von Dirk Averesch

Sa, 25. November 2017 um 00:00 Uhr

Wirtschaft

Mit Lockanrufen unter falscher Nummer verführen Betrüger zu teuren Rückrufen. Manche Menschen wurden so schon um ihre gesamten Ersparnisse gebracht. Wie Verbraucher sich dagegen wehren können.

Festnetztelefone und Smartphones sind für zwielichtige Unternehmen ein Türöffner: Sie setzen Lockanrufe ab, die teure Rückrufe provozieren sollen. Im Display werden Rufnummern angezeigt, die ihnen gar nicht gehören. Kriminelle geben sich als Polizisten oder Computertechniker aus, um an Geld und sensible Daten zu gelangen. Skepsis und gesunder Menschenverstand sind der beste Schutz davor. Aber auch technisch und rechtlich können sich Verbraucher gegen Rufnummernmissbrauch und Betrug wehren.

Ein großes Problem sind verbotene Lockanrufe (sogenannte Ping-Calls), also von Computern gesteuerte Anrufe, bei denen es nur so kurz läutet, dass der Angerufene keine Chance hat dranzugehen. Das Kalkül dahinter: Der Angerufene ist neugierig, ruft zurück und wundert sich über nebulöse Bandansagen oder Rauschen in der Leitung. Die Hintermänner der Ping-Calls aber streichen als Nummerninhaber einen Teil der Gebühren ein, die der Rückrufer zahlt. Die Nummern bekommen sie von Adresshändlern oder Zufallsgeneratoren.

Verbraucher können der Belästigung einen Riegel vorschieben

Bislang handelte es sich bisher meist um teure deutsche Premiumnummern mit Vorwahlen wie 0180, 0137 oder 0900. Nun kommt eine neue Entwicklung dazu. "Wir stellen fest, dass etwa seit Mitte letzten Jahres im Bereich Ping-Anrufe vermehrt ausländische Rufnummern genutzt werden", sagt Michael Reifenberg von der Bundesnetzagentur. Ob Burundi, die Seychellen oder Satellitentelefon-Netze – ein Rückruf wird teuer. Aber: "Die Rufnummer, die angezeigt wird, und die Rufnummer, von der der Anruf initiiert wird, müssen nicht identisch sein", sagt Reifenberg. Technisch ist es gerade im Festnetz kein Problem, dass Angerufenen eine beliebige Nummer angezeigt wird. Natürlich ist es verboten, eine Rufnummer zu übermitteln, an der man kein Nutzungsrecht hat. Experten nennen das Vortäuschen anderer Identitäten per Nummer "Call-ID-Spoofing".

Bleibt es nicht bei wenigen Anrufen oder Kurznachrichten, können Verbraucher der Belästigung schnell einen Riegel vorschieben: In der Telefon-App des Smartphones lassen sich Nummern meist direkt blockieren. Und im Menü vieler Router ist es möglich, etwa alle Nummern mit bestimmten Vorwahlen zu sperren. Aber es ist auch wichtig, der Bundesnetzagentur den Missbrauch zu melden. "Wir können nur tätig werden, wenn wir Hinweise bekommen, sind insofern auf die Meldungen der Betroffenen angewiesen", sagt Reifenberg.

Die Bonner Behörde hat unter Umständen nicht nur die Befugnis, Geschäftsmodelle zu untersagen. Sie kann auch (inländische) Rufnummern abschalten, in Zusammenarbeit mit den Telefonanbietern Vermittlungsverbote für Rufnummern verhängen und für jede Rufnummer ein sogenanntes Verbot der Rechnungslegung und Inkassierung aussprechen. Das bedeutet, dass mit der jeweiligen Nummer verbundene Rechnungen nicht mehr bezahlt werden müssen und der Anbieter sie auch nicht eintreiben darf.

Täter missbrauchen das Vertrauen ihrer Opfer

Der falsche Nummernzauber spielt auch bei anderen Betrugsmaschen eine Rolle. "Betrüger nutzen das Call-ID-Spoofing, um mit der Rufnummer seriöser Personen oder Organisationen das Vertrauen von Bürgerinnen und Bürgern zu gewinnen", weiß Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Gerne geben sich die Anrufer als Staatsanwälte, Verbraucherschützer oder Mitarbeiter bekannter Unternehmen aus.

"Derzeit ist beispielsweise die Betrugsmasche falscher Polizeibeamter sehr verbreitet", sagt Schmidt. Dabei erscheint die Notrufnummer 110 im Display des Angerufenen, oder die Nummer einer örtlichen Polizeidienststelle oder die des Bundeskriminalamts. "So missbrauchen die Täter auf perfide Weise das Vertrauen ihrer zumeist älteren Opfer in staatliche Organe", erklärt Schmidt. Manche Menschen wurden so schon um ihre gesamten Ersparnisse gebracht. Den Opfern wird etwa vorgegaukelt, dass ihr Geld wegen drohender Einbrüche daheim nicht mehr sicher sei. Oder dass sie angeblich Falschgeld unterschoben bekommen hätten. Manche Betrüger spielen ihre Rolle so überzeugend, dass deren Opfer an der Haustür Wertsachen an Komplizen, die sich auch als Polizisten ausgeben, übergeben haben.

Wer nach einem verdächtigen Anruf unsicher ist, sollte sich an den örtlichen Polizeiposten wenden oder die 110 wählen – dabei aber keine Rückruffunktion des Telefons nutzen, um nicht wieder bei den Betrügern zu landen. Die Nummer 110 erscheint bei einem Anruf der echten Polizei nie im Display. Grundsätzlich gilt: "Geben Sie am Telefon keine Auskunft über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse oder andere sensible Daten, zum Beispiel die Kontonummer", rät Schmidt. "Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, legen Sie einfach auf, insbesondere, wenn Ihr Gesprächspartner Geld von Ihnen fordert." Wer Betrugsopfer geworden ist, sollte bei der Polizei Anzeige erstatten.

Rufnummernmissbrauch bei der Bundesnetzagentur melden: Tel. 0291/9955206 (Montag bis Mittwoch 9 bis 17 Uhr, Donnerstag 9 bis 18 Uhr, Freitag 9 bis 16 Uhr) oder rund um die Uhr online unter mehr.bz/ping