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19. Juli 2012

Unterm Strich

Marx, Murks, Mastercard

Eine Chemnitzer Bank verteilt Kreditkarten mit Kommunismus-Appeal / Von Patrik Müller.

Witze über den Kommunismus gibt es wie Sand am Strand: Marx ist die Theorie, Murks die Praxis und beim Langholzlaster kommt erst das dicke Ende und dann die rote Fahne. Haha. Gähn. Kennen Sie eigentlich den schon? Es gibt jetzt Kreditkarten mit Karl Marx drauf. Das ist nur kein Witz. Das ist das Jahr 2012.

Altkommunisten könnten jetzt sagen, dass Marx im Grabe rotieren würde, wenn er das sehen müsste. Sie haben keine Ahnung. Dass Gegensätze sich eines Tages alle aufheben, wusste schon der olle Hegel, bei dem Marx sich die ganze Sache mit der Dialektik (These, Antithese, Synthese) abgeguckt hat. Bei den Details gingen die Meinungen dann aber auseinander. Für Hegel war der preußische Staat das höchste aller Gefühle, Marx träumte von der klassenlosen Gesellschaft. Die Geschichte war anderer Meinung.

Auch die DDR war kein Erfolgsmodell. Karl-Marx-Stadt heißt wieder Chemnitz. Ganz vergessen hat man den Rauschebart aus Trier dort aber nicht: Die dortige Sparkasse war es, die ihren Kunden die Möglichkeit eingeräumt hat, mit der Marx-Kreditkarte einzukaufen. Auf der schwarzen Plastikkarte ist das 40 Tonnen schwere Denkmal des Denkers abgebildet, ein Wahrzeichen der Stadt.

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Von 500 Chemnitzern, die eine neue Kreditkarte beantragt haben, wählten 250 die Marx-Mastercard. Wahrzeichen ziehen. Viele Freiburger hätten sich für ihr Münster entschieden. Auch Nichtkatholiken.

Menschen, die Bänker für Ausbeuter, halten, dürfen es schlimm finden, dass der Vordenker einer gerechteren Gesellschaft fürs Konsumieren nach US-Vorbild wirbt. Ihnen sei gesagt: Auch in der DDR konnte man mit Marx shoppen – er verschönerte den Hundertmarkschein.

Geschichte folgt Gesetzen, auch das hat Marx bei Hegel gelernt. Manchmal wiederholt sie sich sogar. Heute kann man mit Marx zwar immer noch keinen Staat machen, aber immerhin eine rote Fahne kaufen – dank der Sparkasse Chemnitz sogar auf Pump.

Autor: pam