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Kostenlose Waschmittelproben im Briefkasten sind für Verbraucher nicht zumutbar

Christiane Manthey

Von Christiane Manthey

So, 09. September 2018 um 00:00 Uhr

Geld & Finanzen

Als Frau B. in ihrem Briefkasten Probepackungen eines Flüssigwaschmittels fand, war sie damit nicht einverstanden. Verärgert über diese unerwünschte Werbung wandte sie sich an die Verbraucherzentrale.

Im Herbst 2017 ließ die Firma Procter & Gamble "Ariel 3 in 1 Pods" über Hausbriefkästen verteilen. Das Besondere an dieser Gratisprobe: Flüssigwaschmittel ist mit Warnhinweisen versehen. Es verursacht Hautreizungen sowie schwere Augenschäden und ist unbedingt außer der Reichweite von Kindern aufzubewahren.

Entsprechend gekennzeichnet war auch die Probe, die Frau B. in ihrem Briefkasten fand. Außerdem problematisch: Flüssigwaschmittel gelten in einigen Städten und Gemeinden als Sondermüll und müssen entsprechend entsorgt werden.

B. beschwerte sich bei der Verbraucherzentrale und fragte nach, ob diese Werbung überhaupt zulässig sei. Die Verbraucherzentrale bewertet diese Art von Werbung eindeutig als unzumutbare Belästigung.

Schließlich ist für Verbraucher, die die Probe nicht nutzen möchten, die Entsorgung unter Umständen mit einem hohen Aufwand verbunden. Procter & Gamble zumindest verweigerte auf Nachfrage von Frau B. die Rücknahme der Ware. Außerdem gehören Produkte, die nicht in die Hände von Kinder gelangen sollen, nicht in Hausbriefkästen. Denn diese sind häufig für Kinder zugänglich – sei es, weil sie nach der Post schauen sollen, oder weil die Post direkt im Wohnungsflur landet.

Da der Konzern nach Abmahnung der Verbraucherzentrale keine Unterlassungserklärung abgab, landete der Fall vor Gericht. Das Landgericht Frankfurt am Main bestätigte die Auffassung der Verbraucherzentrale (Urteil vom 14.8., Aktenzeichen AZ 3-06 O 8/18, nicht rechtskräftig) und untersagte der Firma Procter & Gamble diese Form der Verbraucherbelästigung.

Christiane Manthey ist Spezialistin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Verbraucherzentrale berät unabhängig zu Fragen des privaten Konsums.
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