Gesundheit

Patienten haben bei der Reha-Wahl ein Mitspracherecht

Sabine Meuter & Teresa Nauber

Von Sabine Meuter & Teresa Nauber (dpa)

So, 30. Dezember 2018 um 14:00 Uhr

Geld & Finanzen

Für eine Reha gibt es viele Gründe, Patienten haben jedoch stets ein Mitspracherecht bei der Wahl der Rehabilitationseinrichtung. Tipps und Dinge, die es für die Antragsstellung zu beachten gilt.

Ein Bandscheibenschaden, Depressionen oder ein Schlaganfall – für eine Reha kann es verschiedene Gründe geben. Damit sich der Aufenthalt auch lohnt, ist es wichtig, eine passende Rehabilitationsklinik auszuwählen. Aber wie finden Versicherte die richtige Einrichtung? Und was müssen sie beachten, damit sie auch tatsächlich dort unterkommen?

Was sind die ersten Schritte?
Erste Informationen erhalten Patienten bei ihrem Haus- oder Facharzt, wie Klaus-Dieter Koch, Leiter des Produktbereichs Reha bei der Medizinischen Medien Informations GmbH in Neu-Isenburg, erklärt. Wer sich unabhängig vom Arzt über Reha-Kliniken informieren möchte, kann mit Selbsthilfegruppen Kontakt aufnehmen, etwa übers Internet.

"Die Rentenversicherungsträger sind auch ein kompetenter Ansprechpartner bei Fragen der Rehabilitation", sagt Dirk von der Heide von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Versicherte können sich bundesweit bei den Rentenversicherungsträgern kostenlos informieren und beraten lassen. Haben Patienten ihre Wunschklinik gefunden, können sie den behandelnden Arzt bitten, diese Einrichtung im ärztlichen Befundbericht ausdrücklich zu nennen. Der komplette Reha-Antrag geht entweder an die Krankenkasse, die Unfallversicherung oder an die Deutsche Rentenversicherung.

Wo beantrage ich die Reha?
Das kommt auf die Umstände an. "Die Rentenversicherung ist zuständig, wenn die Erwerbsfähigkeit eines Patienten gefährdet ist oder durch eine Reha Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit abgewendet werden können", erläutert Ann Marini vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Bei Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten wenden sich Patienten an die Unfallkasse oder Berufsgenossenschaft. "Entsprechend dieser Zuordnung sind die Krankenkassen für Kinder und Jugendliche, für nicht berufstätige Erwachsene und für Rentner zuständig", so Marini.

Wie komme ich in die Wunschklinik?
Patienten haben ein Mitspracherecht bei der Frage, wo die Reha stattfindet. Im Neunten Sozialgesetzbuch, Paragraf acht, ist geregelt, dass "bei der Entscheidung über die Leistungen und bei der Ausführung der Leistungen zur Teilhabe" berechtigten Wünschen der Leistungsberechtigten entsprochen wird. Das heißt übersetzt: Wenn es medizinisch sinnvoll ist, stehen die Chancen besser, dass der Wunsch erfüllt wird. Mit der Einweisung in die Wunschklinik klappt es daher eher, wenn die Klinik für die jeweilige Krankheit geeignet ist und es realistisch erscheint, dass der Versicherte dort die Reha-Ziele erreicht. "Zum Beispiel muss die Entfernung und Anreise mit den gesundheitlichen Voraussetzungen des Patienten, etwa Schmerzen oder Luftnot, zu vereinbaren sein", sagt von der Heide. Mit dem Reha-Antragsformular sollten Antragsteller zudem Ausdrucke von den Webseiten einer oder mehrerer Wunschkliniken zur Versicherung schicken. "Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die Sachbearbeiter bei den jeweiligen Kostenträgern diese Infos mitunter gerne aufgreifen", sagt Koch.

Welche Voraussetzungen gelten?
In der Regel kommen Patienten in Reha-Einrichtungen unter, mit denen der jeweilige Sozialversicherungsträger einen Vertrag hat. Versicherte können aber auch eine Einrichtung nutzen, mit der der Kostenträger vertraglich nicht verbunden ist. "Voraussetzung ist, dass diese Klinik von einem unabhängigen Dritten hinsichtlich ihrer Qualität zertifiziert wurde", so Marini. Eventuell entstehende Mehrkosten muss der Versicherte dann aber selbst tragen. Generell kann eine Reha entweder stationär oder ambulant erfolgen – das hängt von der Erkrankung und den Wünschen des Patienten ab. Liegt der Versicherte im Krankenhaus, kümmert sich der Sozialdienst um die Formalitäten und die richtige Rehaklinik.

Welche Kosten entstehen?
Wurde ein Reha-Antrag bewilligt, zahlt der Sozialversicherungsträger die Reise, Unterkunft, Verpflegung, ärztliche Betreuung, therapeutische Leistungen und medizinische Anwendungen. An diesen Kosten müssen sich Rehabilitanden allerdings beteiligen – zumindest, wenn die Reha stationär erfolgt. "Die Zuzahlung beträgt höchstens zehn Euro pro Tag für längstens 42 Tage, bei einer Anschlussrehabilitation nach einem Krankenhausaufenthalt für längstens 14 Tage im Kalenderjahr", erläutert von der Heide. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Zuzahlung ganz oder teilweise entfallen.

Kann ich die Klinik wechseln?
Was, wenn man in einer Reha-Klinik eingecheckt hat und sich so gar nicht wohlfühlt? Dann muss man nicht bis zum Ende der Behandlung ausharren, sie lässt sich auch in einer anderen Einrichtung fortsetzen. "Ein schneller Wechsel ist allerdings zumeist nicht möglich, da Kliniken kurzfristig fast nie freie Kapazitäten haben", sagt Koch. Er rät, mit den Ärzten zu sprechen, ob ein Abbruch sinnvoll wäre, und dann das Reha-Antragsverfahren nochmals zu starten. "Durch die standardisierten Abläufe der Kostenträger bei der Antragsbearbeitung wird jedoch mehr Aufwand für den Versicherten entstehen, um eine erneute Reha bewilligt zu bekommen", so Koch.

Gibt es auch eine Nachsorge?
Nach einer Reha können Versicherte unter Umständen an einem Nachsorgeprogramm teilnehmen. Es soll dazu beitragen, die in der Reha erworbenen Kenntnisse in den Alltag zu integrieren. Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund rät, den Reha-Arzt ungefähr nach der Hälfte der Reha zu fragen, ob ein Nachsorgeprogramm sinnvoll ist. Sieht der Arzt Bedarf dafür, können Versicherte schon aus der Reha heraus einen Anbieter suchen und Termine ausmachen. Die Deutsche Rentenversicherung bietet mehrere Nachsorgeprogramme an, darunter T-Rena für Versicherte mit Problemen im Bewegungsapparat, Psy-Rena als psychosomatische Nachsorge und Irena, eine intensivierte Nachsorge, die bei allen Erkrankungen geeignet ist. Irena beispielsweise umfasst je nach Erkrankung 24 bis 36 Behandlungseinheiten, die in der Regel in Gruppen einmal in der Woche stattfinden. Die intensivierte Nachsorge muss binnen drei Monaten nach Ende der Reha beginnen und spätestens nach einem Jahr abgeschlossen sein.
Formulare

und weitere Informationen und gibt es im Internet unter http://www.deutsche-rentenversicherung.de oder über das kostenlose Servicetelefon 0800/1000 4800.

Tipps für Eltern minderjähriger Kinder

Kinder betreuen lassen
Gehen Mutter oder Vater zur Reha in die Klinik, müssen viele Familien den Alltag während dieser Zeit neu organisieren. Unter bestimmten Bedingungen übernimmt die Deutsche Rentenversicherung die Kosten für eine Haushaltshilfe. Die Hilfe betreut die Kinder, bereitet Mahlzeiten zu und kümmert sich um die Wohnung. Möglich ist eine Kostenübernahme für Kinder, die bei Beginn der Rehabilitation jünger als zwölf Jahre oder wegen einer Behinderung auf Hilfe angewiesen sind.

Voraussetzung für eine Kostenübernahme ist, dass keine weitere im Haushalt lebende Person die Betreuung der Kinder übernehmen kann. Für ältere Kinder können Betreuungskosten bis 160 Euro je Kind und Monat übernommen werden. Unter Umständen kann die Rentenversicherung auch die Kosten für eine Unterbringung des Kindes in der Rehabilitationsklinik übernehmen. Entsprechende Anträge sollten am besten möglichst schon mit dem Reha-Antrag gestellt werden.

Kinder in die Klinik begleiten

Soll ein Kind zur Reha, darf ein Angehöriger es auf Kosten der Rentenversicherung begleiten. Bisher war dies bis zum zehnten Lebensjahr möglich, nun zahlt die Kasse eine Begleitung bis zum Ende des zwölften Lebensjahres, wie die Deutsche Rentenversicherung Bund informiert. Dabei spielt keine Rolle, wie schwer das Kind erkrankt ist. Auch eine ambulante Reha in der gewohnten Umgebung ist möglich.

Nach Abschluss einer Reha mussten Kinder bislang vier Jahre warten, um erneut an einer Rehabilitation teilnehmen zu können. Diese Frist wurde aufgehoben, so dass eine erneute Reha nun schon nach kürzerer Zeit möglich ist. Eine Reha bei Kindern und Jugendlichen soll dazu beitragen, dass eine Erkrankung nicht bis ins Erwachsenenalter fortbesteht. Sie kommt zum Beispiel bei einem Herz-Kreislauf-Leiden sowie Erkrankungen der inneren Organe, der Haut oder des Bewegungsapparates infrage. Auch bei neurologischen und psychischen Problemen oder starkem Übergewicht ist eine Reha möglich.