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12. Dezember 2011 00:01 Uhr
Senkung laufender Verzinsung
Schlussverkaufsstimmung bei Lebensversicherungen
Viele Versicherer haben eine Senkung der laufenden Verzinsung angekündigt. Sollte man jetzt eine noch schnell eine Police zu besseren Konditionen abschließen? Doch Verbraucher sollten sich das gut überlegen.
Wie funktioniert eine Kapitallebensversicherung?
Der Kunde schließt mit dem Versicherer einen Vertrag und zahlt über eine bestimmte Laufzeit hinweg regelmäßig Beiträge. Für das Ende der Laufzeit wird ihm eine bestimmte Summe garantiert. Sie basiert auf dem regelmäßig von der Bundesregierung festgelegten Garantiezins. Zudem erhält der Kunde eine sogenannte Überschussbeteiligung. Diese ist umso höher, je mehr Geld die Versicherung mit den Anlagen erwirtschaftet.
Wie entwickeln sich die Zinsen?
Der Garantiezins wird zum 1. Januar wieder sinken, von aktuell 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent. Betroffen davon ist, wer eine neue Lebensversicherung abschließt. Alte Verträge laufen mit dem bei Abschluss gültigen Zinssatz weiter. In den 90er-Jahren lag der Garantiezins noch bei vier Prozent. Weil die Institute derzeit weniger Zinsen einnehmen, sinkt neben dem Garantiezins auch die Überschussbeteiligung. Diese Kürzung betrifft alle, nicht nur Kunden mit Neuvertrag.
Welche Produkte sind betroffen?
Die Zinssenkungen haben Folgen für alle kapitalbildenden Lebensversicherungen. Das sind neben der Kapitallebensversicherung auch die private Rentenversicherung. Auch viele Angebote der Riester- und Rürup-Rente sowie die meisten Formen der betrieblichen Altersvorsorge beruhen auf Lebensversicherungen.
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Warum sinken die Zinsen
der Lebensversicherer?
Die Lebensversicherer versuchen, das Geld ihrer Kunden an den Kapitalmärkten zu vermehren. Eine zentrale Rolle in ihrer Anlagestrategie spielen sichere Papiere wie Bundesanleihen und Pfandbriefe. Auf sie setzen angesichts der Unsicherheiten am Kapitalmarkt derzeit aber auch viele andere Investoren. Das lässt die Zinsen für die Papiere und damit die Renditen sinken. Die Versicherer machen somit weniger Gewinn und zahlen weniger Überschussbeteiligung.
Was sind die Folgen
für den Verbraucher?
Der Sparer erhält am Ende seiner Vertragslaufzeit weniger Geld als prognostiziert. Kunden, die den Ertrag aus der Lebensversicherung fest eingeplant hatten, können in Finanznöte geraten. Deshalb sollten Verbraucher rechtzeitig über andere sichere Anlagen, wie etwa ein Tagesgeldkonto, eine zweite Rücklage schaffen, rät der Bund der Versicherten (BdV).
Ist es ratsam, die
Lebensversicherung
zu kündigen oder
zu verkaufen?
Wer nicht zwingend Bargeld braucht, sollte die Lebensversicherung nicht überhastet kündigen oder verkaufen. Nur wer in den vergangenen zwei Jahren eine Police abgeschlossen hat, sollte laut BdV über Alternativen nachdenken. Diese könnten den Verlust, der bei Kündigung oder Verkauf entsteht, durch andere Anlageformen langfristig ausgleichen. Wer seine Lebensversicherung vor 2005 abgeschlossen hat, sollte sie auf gar keinen Fall vorzeitig beenden. Die Auszahlungen dieser Verträge sind noch steuerfrei.
Ist es sinnvoll, noch schnell eine
Versicherung abzuschließen, bevor
2012 der Garantiezins sinkt?
Die Höhe des Garantiezinses sollten die Verbraucher nicht zur Entscheidungsgrundlage machen, rät der BdV. Schon heute lohnten sich die Policen nur noch selten, weshalb der BdV von einer reinen Kapitallebensversicherung inzwischen tendenziell abrät – unabhängig vom Zinsniveau. Besser geeignet seien eine Riester-, Rürup- oder betriebliche Altersvorsorge. Auch diese basieren oft auf dem Prinzip der Kapitallebensversicherung und sind von den sinkenden Zinsen betroffen. Jedoch profitieren Vorsorgesparer hier von der staatlichen Förderung.
Autor: AFP
