Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

29. April 2012 19:55 Uhr

Geldanlage

Unternehmensanleihen: Lahrer Bankenexperte mahnt Anleger zur Vorsicht

Hochverzinst und äußerst riskant: Vielen Privatleuten werden derzeit Unternehmensanleihen angeprisen. Doch der Lahrer Experte Stephan Schöning warnt: "Finger weg, machen Sie sich nicht unglücklich!"

  1. Sollten Privatleute ihr Geld in hochverzinste Unternehmensanleihen stecken? Foto: dpa

LAHR. Der Lahrer Bankenexperte Stephan Schöning rät Privatleuten, in der derzeitigen Phase niedriger Zinsen besonders vorsichtig zu sein, wenn ihnen hochverzinste Geldanlagen wie Unternehmensanleihen angepriesen werden. "Wenn heute bei solchen Papieren sieben bis neun Prozent Zinsen geboten werden, sollte jedem klar sein, dass das Verlustrisiko entsprechend hoch ist", sagte der Wirtschaftsprofessor der WHL Wissenschaftlichen Hochschule Lahr am Rande des Bankenforums des Center for Finance, Accounting, Controlling and Taxation (FACT).

Derzeit zapfen mittelständische Unternehmen verstärkt mit Anleihen den Kapitalmarkt an, statt sich bei einer Bank einen Kredit zu beschaffen. Seit zwei Jahren gibt es an der Stuttgarter Börse unter dem Namen Bondm ein eigenes Marktsegment für solche Papiere. "Selbst meine Putzfrau hat mich schon gefragt, ob sie zugreifen soll, weil es auf der Bank doch so geringe Zinsen gibt. Ich konnte nur antworten: Finger weg, machen Sie sich nicht unglücklich! Das ist nur etwas für Profis, weil es gewöhnlichen Anlegern kaum gelingen wird, die Solidität der Unternehmen zu beurteilen, denen sie Geld leihen. Zudem muss der Anleger genügend Geld haben, um einen möglichen Totalverlust mit diesen Papieren wegstecken zu können", sagte Schöning. Geht die Firma pleite, ist die Anlage wertlos.

Werbung


Gefahr durch zu schnelle Regulierung der Banken

Bei der Fachveranstaltung am Freitag ging es ums Firmenkundengeschäft. Schöning sieht die Gefahr, dass eine zu schnelle Regulierung der Banken dazu führt, dass Unternehmen künftig schwerer an Kredit kommen und wenn es ihnen gelingt, sie mehr dafür bezahlen müssen. "Es ist grundsätzlich völlig in Ordnung, dass Banken künftig mehr Eigenkapital für ihre Geschäfte verwenden sollen und größere Risikopuffer aufbauen müssen. Das geht aber nicht über Nacht", sagte er. "Mit dem Regelwerk Basel III hätten sie dafür ausreichend Zeit bekommen, nun aber sollen die Großbanken in der Eurozone auf Basis übereilter, politisch motivierter Beschlüsse die strengeren Anforderungen schon bis Mitte 2012 erfüllen."

Die Banken müssten sich entweder frisches Geld beschaffen, was nicht so einfach sei, oder Risikopositionen abbauen. In der Folge würden Risiken nur verlagert – unter anderem mit Unternehmensanleihen an den Kapitalmarkt. "Ob das volkswirtschaftlich sinnvoll ist, wage ich sehr zu bezweifeln", sagte Schöning. "Eine sinnvolle Regulierung sollte das Finanzsystem stabiler machen und Stress abbauen. Derzeit schafft sie neuen Stress."

Mehr zum Thema:

Autor: Ronny Gert Bürckholdt


3 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Die veröffentlichten Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

Michael Bär

Registriert seit: 05.09.2009

Kommentare: 9

30. April 2012 - 01:42 Uhr

Ich lach mich weg.
Ein Banker der vor riskanten Anlagen warnt.

Verstoß gegen Netiquette melden

Bodo Weis  

Bodo Weis

Registriert seit: 26.05.2009

Kommentare: 892

30. April 2012 - 11:06 Uhr

Ich bitte sie, Leute die nur das EURO Zeichen im Auge haben und somit den Menschenverstand ausschalten, mit denn habe ich kein Mitleid wenn die ihr Geld verlieren.

Verstoß gegen Netiquette melden

Johannes Wirk  

Johannes Wirk

Registriert seit: 08.06.2012

Kommentare: 21

12. Juni 2012 - 11:28 Uhr

"Gefahr durch zu schnelle Regulierung der Banken" - Wie kann man so eine Botschaft in deregulierten Zeiten, um nicht zu sagen, in der Zeit von Bankenanarchie, nur unters volk bringen wollen!

Im ersten Teil tut Schöning auf "freundlicher Berater", im zweiten ist er ganz der Lobbyist der Banken, scheint es, der uns erzählt, dass Banken geschont werden müssten. (Natürlich kommt die Botschaft im Deckmantel des Mittelstandschutzes)

Bin mit seiner Einschätzung nur bedingt einverstanden.

Verstoß gegen Netiquette melden



Weitere Artikel: Geld & Finanzen