Altersvorsorge

Verbraucherschützer: Viele Riester-Renten kosten zu viel

Friederike Marx

Von Friederike Marx (dpa)

Mi, 03. Januar 2018 um 22:00 Uhr

Geld & Finanzen

Die Riester-Rente soll die Lücke bei der gesetzlichen Rente stopfen. Doch es gibt Kritik - insbesondere an den Kosten. Verbraucherschützer fordern neue Wege in der privaten Altersvorsorge.

Verbraucherschützer halten die Kosten für die Riester-Rente in den meisten Fällen zu hoch. Von wenigen Ausnahmen abgesehen würden Produkte angeboten, "die die Erwartungen der Politik an kosteneffiziente Angebote zur kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht erfüllen", kritisiert der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBZ).

Die Experten untersuchten 18 Produkte, klassische Rentenversicherungen und fondsgebundene Modelle, mit unterschiedlichen Laufzeiten. Das Ergebnis: Die Effektivkosten (Wertminderung durch Kosten) waren meist höher als Wert, der sich aus den Annahmen des Alterssicherungsberichts der Bundesregierung ergibt. "Im Extremfall sind die Kosten um das Fünffacher höher", so der VZBZ. Günstiger waren je nach Laufzeit nur bis zu maximal zwei Angebote. "Wir sind bei der Vielzahl der Produkte angesichts der Kosten weit davon entfernt, ausreichend Kapital für die private Absicherung neben der gesetzlichen aufzubauen", so die Leiterin des VZBV-Finanzmarktteams, Dorothea Mohn. Insbesondere wegen der Vertriebskosten sei es offenbar nicht möglich, kosteneffiziente Produkte anzubieten.

Das Bundesarbeitsministerium wies darauf hin, dass es sich im Alterssicherungsbericht um modellhafte Berechnungen handele. In dem Modell wird von einer Verzinsung der eingezahlten Beiträge (Eigenbeiträge plus Zulagen) von 4,0 Prozent ausgegangen. Als Verwaltungskosten werden zehn Prozent der eingezahlten Beiträge angesetzt. Daraus leiteten die Verbraucherschützer die Effektivkosten ab und verglichen sie mit den Angaben in den Produktinformationsblättern der Anbieter (Stand: April 2017).

Mohn schlägt vor, einen Vorsorgefonds einzuführen, der sich am schwedischen Modell orientiert. Dort gibt es einen staatlich organisierten Aktienfonds und einen Rentenfonds für die private Altersvorsorge. Die Anlage der Gelder übernehmen nach Ausschreibungen private Investoren. Beschäftigte zahlen automatisch ein, es sei denn, sie widersprechen. So ist der Aufwand für den Vertrieb geringer.

Die Stiftung Warentest hatte kürzlich nur zwei klassischen Riester-Renten beim Thema "Rentenzusagen und Kosten" die Note "gut" gegeben. Einschließlich weiterer Kriterien kam keines der neun getesteten Produkte über ein "befriedigend" hinaus. Dennoch könne sich Riestern lohnen. "Hier gibt es staatliche Zulagen und Steuerersparnisse, die alleine schon für eine gewisse Rendite sorgen", so die Tester.