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Wie ein 70-Jähriger von einem Versicherungsvertreter in die Irre geführt wurde

Niels Nauhauser

Von Niels Nauhauser

Mo, 28. Januar 2019 um 12:57 Uhr

Geld & Finanzen

Rechnerisch hätte der 70-jährige Mann mindestens 102 Jahre alt werden müssen, bis er seine eingezahlten Beiträge zurückerhalten hätte. Trotzdem vertraute er seinem Berater und unterschrieb.

Im August 2016 wurde Herr K., damals 70 Jahre alt, von seiner Sparkasse zu einem Gespräch mit einem Versicherungsvertreter eingeladen. Dieser riet ihm, eine neue Lebensversicherung mit einem Monatsbeitrag von 150 Euro abzuschließen, welche im Jahr 2030 fällig würde. Zu diesem Zeitpunkt wäre Herr K. 84 Jahre alt, hätte rund 26 000 Euro eingezahlt und würde eine Rente in Höhe von garantiert mindestens 118 Euro erhalten. Herr K. vertraute seinem Berater und unterschrieb.

Zwei Jahre später bemerkt er bei der Sichtung seiner Unterlagen jedoch, dass er schlecht beraten worden war. Da die Sparkasse nicht einlenkt, informiert Herr K. die Verbraucherzentrale. Diese unterstützt und ermuntert ihn, auf sein Recht zu pochen.

Denn die Beratung durch den Versicherungsvertreter war ganz offensichtlich nicht in seinem Interesse gewesen. Rechnerisch müsste Herr K. über 102 Jahre alt werden, bis er über die garantierte Rente seine eingezahlten Beiträge zurückerhalten würde. Oder anders gerechnet: Würde er mit 84 Jahren statt der Rente die in Aussicht gestellte Einmalauszahlung nehmen und der Versicherer bis dahin keine Überschüsse erzielen, läge die Rendite bei minus 1,48 Prozent pro Jahr.

Es kommt noch schlimmer: Der Versicherungsvertreter hatte einen bestehenden Vertrag aus dem Jahr 1986 beitragsfrei gestellt. Damals lag der Garantiezins bei 3,5 Prozent. Herr K. wollte die alte Versicherung nie beitragsfrei stellen. Er beschwert sich mehrmals. Nachdem er androht, die Öffentlichkeit einzuschalten, lenkt die Versicherungsgesellschaft schließlich ein. Herr K. erhält seine Beiträge zurück, sein Altvertrag wird rückwirkend wiederhergestellt.

Niels Nauhauser leitet die Abteilung Altersvorsorge, Banken, Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Verbraucherzentrale berät unabhängig zu Fragen des privaten Konsums.
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