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31. Juli 2012 15:53 Uhr

Freiburg / Konstanz

Bluttest auf Down-Syndrom kommt auf den Markt

Der umstrittene Bluttest auf das Down-Syndrom kann auf den Markt kommen. Wie das Regierungspräsidium Freiburg mitteilte, sind alle notwendigen Unterlagen der Herstellerfirma vollständig. Eine eigene Prüfkompetenz hat das RP nicht.

  1. Für Kritiker geht es bei dem Test um die Selektion von Menschen mit Down-Syndrom. Foto: dpa

"Dem Inverkehrbringen steht nichts mehr im Wege", sagte ein Sprecher des Regierungspräsidiums Freiburg am Dienstag. "Wir werden heute die Anzeige und das Einstellen der Produktdaten in das medizinische Dokumentationssystem DIMDI bestätigen, nachdem alle notwendigen Unterlagen vorliegen." Eine Prüfung des Produkts durch die Behörde sei damit nicht verbunden – anders als im Arzneimittelrecht gebe es für die Einführung von Medizinprodukten kein besonderes Zulassungsverfahren.

"Wir haben jetzt alle rechtlichen Fragen erschöpfend beantwortet", teilte der Vorstand des Konstanzer Herstellers LifeCodexx, Michael Lutz, am Dienstag mit. Darüber hinaus sei mit Hilfe eines Gutachtens überzeugend dargelegt worden, dass der Bluttest verfassungskonform ist.

"Uns ist bewusst, dass die Einführung des Bluttests menschlich äußerst schwierige Fragestellungen berührt. Wir nehmen die damit verbundenen Ängste und Sorgen sehr ernst und sind überzeugt, die Bedenken nun ausgeräumt zu haben." Der Test solle nun bald in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und in der Schweiz eingeführt werden - einen genauen Termin nannte die Firma nicht.

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Der Bluttests auf den Chromosomen-Fehler Trisomie 21 sollte ursprünglich im Juli auf den Markt kommen. Die Freigabe hatte sich nach Angaben des Unternehmens aber verzögert, da nachträglich Fragen aufkamen, die das Medizinprodukterecht betrafen. Trisomie 21 führt zu geistigen Behinderungen und körperlichen Auffälligkeiten.

Das Diagnoseverfahren ist umstritten. Vertreter von Behindertenverbänden und Kirchen kritisieren, der Test diene allein dazu, behinderte Kinder abzutreiben. Ein Rechtsgutachten sieht in dem Test eine Verletzung des Embryonenschutzgesetzes.

Die Herstellerfirma argumentiert dagegen, durch den Bluttest könnten für das ungeborene Kind gefährliche Eingriffe wie Fruchtwasseruntersuchungen vermieden werden. Bundesweit komme es jedes Jahr zu mehreren hundert Fehlgeburten nach einem solchen Eingriff. Beim neuen Test genügt eine Blutprobe der Mutter.

Abtreibungsgegner hatten sich in den vergangenen Tagen verstärkt an das Präsidium gewandt, mit der Forderung den umstrittenen Bluttest zu stoppen.

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Autor: dpa, kna