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28. August 2012 19:06 Uhr

Doldenblütler

Echter Kümmel hilft bei Blähungen – und gegen Dämonen

Abergläubischen hilft er im Kampf gegen Dämonen; von Blähungen Geplagten verschafft er Erleichterung: echter Kümmel. Wie er wirkt und welche Teemischung zu empfehlen ist, erläutert BZ-Pflanzenexperte Frank Hiepe.

  1. Kümmel vertreibt Dämonen und Blähungen. Foto: marilyn barbone/Fotolia.com

ECHTER KÜMMEL (Carum carvi)

Pflanzenfamilie
Doldenblütler (Apiaceae)

Der Name Kümmel leitet sich von der botanischen Bezeichnung für den Kreuzkümmel "Cuminum cyminum" ab. Der wurde im Mittelalter als "Kümmel bezeichnet und angebaut. Kreuzkümmel gehört ebenfalls zur Familie der Doldenblütler, hat aber einen anderen Geschmack.

Der Schwarzkümmel ist nicht mit dem Kümmel verwandt. Er gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse

Volksnamen
Wiesenkümmel, Wilder Kümmel, Kummich, Karbei

Vorkommen
Er wächst in Mitteleuropa und anderen gemäßigten Zonen wild auf Wiesen und an Wegrändern

Blütezeit
Mai bis Juni

Erntezeit
Juni bis August

Geschichte und Aberglaube
Der Kümmel war schon zur Steinzeit bekannt. Schon die Pharaonen im alten Ägypten setzten ihn bei Blähungen ein. Im Altertum beschrieben Plinius der Ältere und Dioskurides seine Wirkung.

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Was den Aberglauben anbelangt, diente der Kümmel unseren Ahnen als Abwehrmittel gegen Dämonen. Stellte man einem Kind einen Topf mit gekochtem Kümmel unters Bett, sollte das böse Geister vertreiben – aus dem Grund gab man früher auch Kümmel in den Sarg. Wer allerdings Waldgeister und Dämonen nicht verärgern wollte, sollte zum Brotbacken auf Kümmel verzichten.

Am Gründonnerstag aß man Kümmelplätzchen, um das ganze Jahr nicht von Flöhen und Läusen
geplagt zu werden. Kümmel ist oft Bestandteil von Kräuterbüscheln, die zu Mariä Himmelfahrt am 15. August gesegnet werden und dem Schutz von Mensch und Hof dienen sollten. In der Klostermedizin wurde Kümmel Liköre n beigefügt.

Wirkstoffe
In den Früchten: ätherisches Öl mit Carvon und Limonen

Anwendung
Als Tee oder alkoholische Tropfen gegen Blähungen, krampfartige Verdauungsbeschwerden und
Völlegefühl.

Für einen Tee empfehle ich eine Mischung von je 30 g Kümmel, Fenchel, Anis und 40 g Pfefferminzblätter. Davon 1 Esslöffel mit 150 ml siedendem Wasser übergießen, 10 Minuten bedeckt ziehen lassen, durch ein Teesieb abgießen und den Tee bei Verdauungsbeschwerden warm trinken. Wenn die Teemischung mit einem Stößel etwas angebrochen wird,ist die Wirkung noch intensiver.

Kleinkindern wird bei Blähungen gerne ein Teelöffel Kümmeltee in die Milchflasche gegeben. Alternativ empfehle ich zwei bis drei Tropfen ätherisches Kümmelöl in heißes Wasser oder heiße Milch zu geben. Üblich ist auch das Verreiben einer zehnprozentigen Lösung von Kümmelöl in Olivenöl mit kreisenden Bewegungen in der Nabelgegend.

In der Volksmedizin wird stillenden Müttern Kümmeltee – ebenfalls gemischt mit Fenchel und Anis – zur Milchbildung empfohlen.

Als alkoholische Zubereitungen wird Kümmel auch bei Durchblutungsstörungen angewandt. Dafür wird in die Haut eingerieben.

Kulinarisch
Kümmel ist Bestandteil vieler Spezialitäten, etwa Irish Stew oder auch Münsterkäse. Er findet sich in Likören und Branntweinen wie "Kümmel", Malteser oder Aquavit

Vorsicht!
Beim Selbersammeln sollte man sich gut auskennen, da Verwechslungen mit unverträglichen Doldenblütlern möglich sind. Bei Allergie auf Sellerie oder Beifuß sollte man zurückhaltend mit Kümmel sein.

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Autor: Frank Hiepe