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08. März 2010

Ein gesundes Gewimmel im Unterleib

Per Genanalyse haben Forscher erstmals die wahre große Zahl von Darmbakterien ermittelt.

  1. Viel hilft viel: Darmbakterien Foto: Fotolia

Jeder Mensch beherbergt mindestens 160 verschiedene Bakterienarten in seinem Darm. Ein großer Teil davon gehört zur Grundausstattung der Darmflora und kommt bei den meisten Menschen vor, berichtet ein internationales Forscherteam nach eingehender Analyse der Darmbakterien bei 124 Versuchspersonen. Die Untersuchung des bakteriellen Erbguts sei eine wichtige Voraussetzung, um den Einfluss der Darmflora auf die Gesundheit des Menschen besser zu verstehen, schreiben die Wissenschaftler im britischen Fachblatt Nature.

Jun Wang von der Universität Kopenhagen (Dänemark) und seine Mitarbeiter hatten aus den Stuhlproben von teils gesunden, teils übergewichtigen oder fettleibigen Probanden sowie von Menschen mit chronischer Darmerkrankung das Bakterienerbgut isoliert. Insgesamt identifizierten die Wissenschaftler 3,3 Millionen verschiedene Gene – 150 Mal mehr als der Mensch besitzt. Mehr als 99 Prozent der Gene ließen sich der Gruppe der Bakterien zuordnen, ein kleiner Rest entfiel auf andere Mikroorganismen sowie Viren.

Die weitere Analyse zeigte, dass sich jeder Proband etwa 40 Prozent "seiner" Bakteriengene mit mindestens der Hälfte der übrigen Versuchsteilnehmer teilte. Einige der identifizierten Gene konnten die Forscher einzelnen Bakterienarten zuordnen, deren Gensequenz bereits bekannt ist. Erneut zeigte sich, dass ein Großteil der bakteriellen Lebensgemeinschaft im Darm scheinbar bei den meisten Menschen ähnlich ist: 75 Bakterienarten fanden die Forscher bei mehr als der Hälfte der Probanden, immerhin noch 57 Arten bei mehr als 90 Prozent.

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Einen ersten Hinweis auf die Bedeutung solcher Untersuchungen fanden die Forscher beim Vergleich der Daten von Gesunden mit denen, die unter einer chronischen Darmerkrankung litten. Bei letzteren registrierten die Wissenschaftler 25 Prozent weniger Gene als bei den gesunden Probanden. Dies decke sich mit der Beobachtung, dass chronisch Darmkranke eine geringere Vielfalt an Darmbakterien besitzen.

Darmbakterien helfen dabei, die Nahrung aufzuspalten und so dem Körper die einzelnen Nährstoffe zur Verfügung zu stellen. Sie fördern den Aufbau und den Erhalt der Darmschleimhaut und sind darüber hinaus an der Abwehr von Viren, Pilzen oder krankmachenden Bakterien beteiligt. Wird das Gleichgewicht der Darmflora zum Beispiel durch falsche Ernährung oder Medikamente durcheinandergebracht, kann dies die Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Schätzungen zufolge leben an und im menschlichen Körper etwa zehnmal so viele Bakterien wie der Mensch Körperzellen besitzt.

Autor: dpa