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15. März 2010
Das Risiko surft mit
Die Universität Erfurt erforscht den Einfluss von Patienteninformationen aus dem Internet und gibt Ratschläge, worauf beim Surfen zu achten ist.
Ob Schnupfen, Magenprobleme oder Läusebefall: Viele Menschen schauen zuerst ins Internet, bevor sie zum Arzt gehen. Dr. med. Google spuckt in Sekundenschnelle Informationen aus, ohne Praxisgebühr und volles Wartezimmer. Doch der Schein trügt: Die abrufbare Wissensfülle hilft oft nicht weiter, viele Angebote sind nicht unabhängig, manche Informationen schlicht falsch. "Suchende werden mit tausenden von Seiten konfrontiert, es lässt sich jedoch nur schwer feststellen, welche davon zuverlässig oder aktuell sind", kritisierte schon 2006 die Europäische Kommission.
Besonders heikel ist die Internetrecherche bei umstrittenen Gesundheitsthemen. Wenn Eltern zum Beispiel das Wort "Impfen" eingeben, erhalten sie bei Google 812 000 Treffer. Ganz oben steht die kritische und sich oft nicht auf sicherem wissenschaftlichen Boden bewegende Seite "www.impfschaden.info" des niedergelassenen Naturheilpraktikers Andreas Bachmair, kurz darunter folgt die Seite "www.impfen.de", eine nur scheinbar unabhängige Quelle. Ein Blick ins Impressum zeigt: Anbieter ist das Pharmaunternehmen Novartis.
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Welche Folgen das hat, untersucht auch die Wissenschaft. "Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Surfen auf impfkritischen Internetseiten und sinkenden Impfintentionen", sagt Cornelia Betsch, Diplom-Psychologin an der Universität Erfurt, deren Studienprojekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Vor allem Einzelschicksale, die die Eltern emotional ansprechen, aber ohne Vergleich mit größeren Patientenzahlen keinerlei Aussagekraft haben, spielen laut Betsch "eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung", ob Eltern ihre Kinder impfen lassen oder nicht.
Mehr Internet-Medienkompetenz sei nötig, fordert der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Gesundheit, Dr. Peter Müller. Sein Rat: "Schauen Sie ins Impressum!" Die unabhängige Hamburger Stiftung will Transparenz im Gesundheitswesen fördern und "praktische Orientierungshilfe bieten". Deshalb bewertet sie deutschsprachige Gesundheitsportale und vergibt eines der Gütesiegel, an denen Internetnutzer sich für einen ersten groben Qualitätscheck orientieren können ("Geprüfte Homepage" unter blauer Äskulapschlange). Ein weiteres Gütesiegel ist das Logo der Schweizer Stiftung Health on the Net, kurz HON, ("HON-Code" in rot-blauem Viereck). Ein anerkanntes Qualitätslogo vergibt zudem das Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem, kurz "afgis". Auch die Stiftung Warentest hat 2009 Gesundheitsportale bewertet. Wichtig, so die Tester, sei eine "klare Trennung von Inhalt und Werbung", zudem müsse die Information verständlich und vollständig sein. Zugang zu qualitativ hochwertigen Informationen zu ermöglichen, ist auch das Ziel der Patientenuniversität der Medizinischen Hochschule Hannover. Diese empfiehlt, die Interessen des Autors einer Internetseite zu überprüfen und die Aktualität. Zudem solle man sich nicht nur auf eine einzige Homepage verlassen.
Autor: Tanja Wolf



