Streit um Globuli

Gesundheitspolitiker kritisieren Kostenübernahme von Homöopathie

Norbert Wallet

Von Norbert Wallet

Mi, 12. September 2018 um 20:12 Uhr

Deutschland

Spitzenvertreter des Gesundheitswesens und Gesundheitspolitiker der Koalition nehmen die Homöopathie kritisch ins Visier. Sie sehen die Kostenübernahme durch Krankenkassen kritisch.

Im Zentrum der Kritik stehen dabei die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen, die Apothekenpflicht für homöopathische Medikamente und die angeblich mangelnde Qualifikation von Heilpraktikern und Homöopathen.

Josef Hecken, Chef des Spitzengremiums der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, sagte der Badischen Zeitung: "Versicherte müssen sich verlassen können, dass die Kassen nur bezahlen, was einen Wirkungsnachweis erbracht hat." Er fordert "die Streichung der Homöopathie aus den Satzungsleistungen der Kassen", also den freiwilligen Leistungen. Hecken sieht auch keinen Grund für die Apothekenpflicht. Sie suggeriere, "dass es sich um Produkte mit erwiesener Wirksamkeit handelt, die einer Beratung bedürften". Tatsächlich aber läge die medizinische Evidenz homöopathischer Produkte "auf dem Niveau von Brausetabletten und Nahrungsergänzungsmitteln".



"Die Apothekenpflicht kann abgeschafft werden", sagt dazu Mechthild Heil, die Verbraucherschutzbeauftragte der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag der BZ. Auch die CDU-Gesundheitspolitikerin Claudia Schmittke sagte: "Wenn die Krankenkassen einen wissenschaftlichen Nutzen nachweisen können, darf es eine Erstattung geben. Sonst nicht." Karls Lauterbach, Vize-Vorsitzender der SPD-Fraktion, sagte der Badischen Zeitung: "Als Arzt halte ich die Homöopathie für völlig wirkungslos. Ich wünsche den Kollegen der Union bei diesem Waffengang viel Erfolg."

Die Kostenübernahme für Verschreibungen homöopathischer Medikamente ist kein Bestandteil der Regelleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Kassen können dies aber freiwillig als sogenannte Satzungsleistungen ermöglichen. Viele gehen diesen Weg, weil offenkundig Nachfrage besteht und der Kundenkreis für Kassen durchaus attraktiv ist.

Video: Homoöpathie-Skeptiker nehmen Überdosis Globuli (23. Oktober 2014)Hinweis zum Video: Bei dem zweiten Interviewpartner handelt es sich nicht um Johannes Güntert, sondern um Wolfgang Bronner von der GWUP.

Eine Abschaffung der Satzungsleistung Homöopathie greife zu kurz, sagt indes der Arzt und Gesundheitspolitiker der Union, Rudolf Henke. Er verweist darauf, dass Patienten "solche Leistungen wünschen und Ärzte solche Verfahren anwenden". Diesen Wunsch wolle er nicht schlecht reden. Die eigentliche Herausforderung bei alternativmedizinischen Verfahren sei es, "Gefährdungen von Patienten abzuwenden".

Gefährlich werde es nämlich, "wenn Heilpraktiker, die ja gar keine geordnete Qualifikation haben, sich zu invasiven Maßnahmen oder gar zur Behandlung von Krebserkrankungen versteigen". Auch der CDU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger schlägt eine eigene Ausbildungsverordnung für Homöopathen und Heilpraktiker vor.