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01. März 2010 16:14 Uhr
Skandal um Hüftprothesen
Gutachten entlastetet Freiburger Loretto-Orthopäden
Wer hat im Skandal um die Hüftprothesen an der Freiburger Lorettoklinik gepfuscht? Die Operateure oder der Hersteller? Erstere entlastet jetzt ein Gutachten.
Im Skandal um hunderte fehlerhafter künstlicher Hüftgelenke sieht sich das Freiburger Loretto-Krankenhaus durch ein Gutachten entlastet. Nach der am Montag veröffentlichten Studie eines Instituts in Bayern kann der umstrittene Gelenkprothesentyp selbst unter optimalen Laborbedingungen nicht so installiert werden, dass die Verbindung fest ist und kein Metallabrieb entsteht. Die Loretto-Leitung vermutet darin einen Herstellungs- oder Konstruktionsfehler und verweist auf die Produktverantwortung der Firma Zimmer, eines internationalen Großherstellers von Orthopädietechnik mit Hauptsitz in den USA.
Diese weist allerdings eine Verantwortung bisher von sich. Die Deutschland-Zentrale in Freiburg sagte der BZ, sie könne die Resultate der Studie noch nicht bewerten, weil man sie noch nicht übermittelt bekommen habe. Sie gab sich aber erneut überzeugt, dass ihre Produkte "sicher und effektiv sind, wenn sie bestimmungsgemäß verwendet werden".
Der Metallabrieb hat bereits bei zahlreichen Patienten mit diesem Implantat zu Knochenfraß am Oberschenkelknochen geführt. Von 770 Patienten, bei denen die Prothese zwischen 2004 und 2008 im Lorettokrankenhaus eingesetzt worden, mussten sich deshalb bereits 125 erneut operieren lassen. Insgesamt gelten bisher ein Drittel aller Patienten mit diesem Gelenk als potentielle Kandidaten für eine Nachoperation.
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Deutschlandweit waren 70 Prozent dieses Modells am Loretto-Krankenhaus eingebaut worden. Man habe diese teure Prothese mit ihrem außergewöhnlich großen Gelenkkopf ursprünglich für das Nonplusultra gehalten, gerade für jüngere, mobilere Patienten, begründete der Orthopädie-Chefarzt des Loretto-Krankenhauses, Marcel Rütschi, seine frühere Präferenz für dieses Modell.
Nachdem Rütschi mit seinen Schadensbefunden im vergangenen Sommer selbst an die Öffentlichkeit gegangen war, ließ die Herstellerfirma erklären, Grund der Schäden seien unsachgemäße Handhabung und Ungenauigkeiten beim Einbau durch die Operateure. Rütschi hatte dies energisch zurückgewiesen.
Die jetzt vorliegende Studie, die der Krankenhausträger RKK (Regionalverband Kirchlicher Krankenhäuser GmbH) zu Kosten von 35.000 Euro beim Prüflabor für Medizinprodukte Endolab GmbH, Rosenheim in Auftrag gegeben hatte, erbringt laut Rütschi und dem Technischen Betriebsleiter des RKK, Thorsten Stolpe, den Nachweis, dass die Verbindung zwischen Kopf und Schaft des fraglichen Gelenks "selbst bei optimaler Schlagkraft nicht fest ist". Beide betonten auch, die Schlagkraft, mit der das Gelenk beim Einbau zusammengefügt werden könne, sei in der Praxis begrenzt durch die Haltbarkeit der Oberschenkelknochen des Patienten.
Rütschi bestätigte darüber hinaus Hinweise, wonach eine weitere kurz vor der Veröffentlichung stehende Studie ergeben hat, dass ein Teil der bisher wieder ausgebauten Gelenkköpfe unrund sei, also Gleitprobleme zwischen Kopf und Pfanne verursachen könne. Dennoch zeigten sich RKK-Geschäftsführer Helmut Schillinger und sein Rechtsberater am Montag zurückhaltend, was mögliche juristische Schritte gegen die Herstellerfirma betrifft. "Für eine Klagevorbereitung ist es noch zu früh", sagte Rechtsanwalt Christoph Fingerle von der Freiburger Kanzlei Graf von Westphalen.
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Autor: Stefan Hupka
