US-Studie

Heiße Nächte vermindern das Denkvermögen

dpa

Von dpa

Mi, 11. Juli 2018 um 15:37 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Eine heftige Hitzewelle macht nicht nur Älteren und Kranken zu schaffen, sondern auch den Gehirnen von Jungen und Gesunden, wie Forscher herausgefunden haben.

Hohe Temperaturen im Schlafzimmer vermindern das Denkvermögen. Das geht aus einer US-Studie hervor, die die morgendliche Reaktionsschnelligkeit von Studenten während einer Hitzewelle in Boston untersuchte. Umweltmediziner der Harvard Chan School verglichen dazu zwölf Tage lang die kognitiven Leistungen von 44 Studenten vor, während und nach einer Hitzewelle. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt im Journal Plos Medicine.

24 der jungen Leute lebten in einem Studentenwohnheim mit Klimaanlage, wo es bei einer Spannweite von 17,5 bis 25 Grad Celsius im Durchschnitt 21,4 Grad warm wurde. Die 20 anderen wohnten in einem Gebäude ohne Kühlung. Dort lag die Durchschnittstemperatur bei 26,3 Grad Celsius – und reichte von 19,6 bis 30,4 Grad. Neben den Temperaturen berücksichtigten die Forscher während der zwölf Tage auch die Lärm- und Feuchtigkeitsbelastung in den Räumen sowie die Schlaf-, Trink- und Aktivitätsmuster der Studenten. Diese mussten jeden Morgen gleich nach dem Aufwachen auf ihren Smartphones zwei kurze Tests machen: die Farbe von Wörtern schnell und richtig erkennen und einfache Rechenaufgaben lösen.

Während der fünftägigen Hitzewelle, die auf fünf Tage sommerliche Normaltemperaturen gefolgt war, stieg die Reaktionszeit der Studenten ohne Klimaanlage deutlich an: Für ihre Antworten in dem Wörtertest brauchten sie 13 Prozent länger als ihre Studienkollegen, die kühlere Nächte hinter sich hatten. Um einen ähnlichen Prozentsatz sanken ihre bei dem Rechentest erzielten Punkte. Da nur morgens Tests durchgeführt wurden, konnten die Autoren keine Aussagen zur Denkfähigkeit später am Tag machen. Bemerkenswert: In den ungekühlten Gebäuden stiegen die Temperaturen in den letzten zwei Studientagen sogar weiter an, als die Hitzewelle wieder abklang. Seniorautor Joseph Allen vom Zentrum für Klima, Gesundheit und globale Umwelt der Harvard Chan School ergänzt: "In Regionen der Welt mit vor allem kühleren Klima sind Gebäude so gebaut, dass sie die Wärme erhalten. Diese Gebäude haben es schwer, die Hitze von Sommertagen loszuwerden."

"Die meiste Forschung zu Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit wurde an Risikogruppen, etwa Älteren, gemacht. So entstand der Eindruck, dass die Allgemeinbevölkerung durch Hitzewellen nicht beeinträchtigt wird", sagte Mitautor Jose Guillermo Cedeno Laurent. Diesen blinden Punkt habe man angehen wollen, denn in Städten wie das im Norden der USA gelegene Boston werde die Zahl der Hitzewellen durch den Klimawandel voraussichtlich ansteigen.

Auf Deutschland seien die Ergebnisse durchaus übertragbar, sagte Alexandra Schneider, Epidemiologin am Helmholtz Zentrum in München. "Das Design der Studie ist insgesamt gut, aber die Ergebnisse sind nicht wirklich überraschend."