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22. September 2009 14:01 Uhr
Amerikanische Studie
Infektionsrisiko beim Duschen?
Nicht sehr appetitlich: Amerikanische Molekularbiologen haben in Duschköpfen eine sehr hohe Konzentration von potenziell krankmachenden Bakterien entdeckt. Doch kann duschen wirklich krank machen?
Das Forscherteam der Universität von Colorado untersuchte in einer Studie 45 Duschköpfe aus verschiedenen Orten des Landes. Dabei entdeckten sie eine enorme Konzentration von Mycobakterien, die Lungenerkrankungen hervorrufen können. Für Prof. Dr. Markus Dettenkofer, Leiter der Sektion Krankenhaushygiene der Uniklinik Freiburg, ist das Ergebnis der Studie eigentlich nicht sehr überraschend: "Überall, wo Wasser ist, besteht natürlich das Risiko, dass sich ein sogenannter Biofilm aus Bakterien bildet".
Dass es sich dabei wohl vor allem um Mycobakterien handelt, habe man erst jetzt entdeckt, weil diese Bakterienart schwierig zu bestimmen ist. Die amerikanischen Wissenschaftler hätten sie durch eine neue Methode mit Hilfe des genetischen Fingerabdrucks nachweisen können.
Die Mycobakterien, die schon im Leitungswasser in mehr oder weniger hoher Konzentration auftreten, sammeln sich mit der Zeit nicht nur in Duschköpfen, sondern zum Beispiel auch in den Mischdüsen von Wasserhähnen. "Das Infektionsrisiko beim Trinken von Leitungswasser ist allerdings nicht so hoch", beruhigt der Experte.
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GEFAHR VON LUNGENERKRANKUNGEN
Das Problem beim Duschen sei, dass man die Bakterien dabei leicht einatmen könne. Vor allem bei Menschen mit schwachem Immunsystem kann der Erreger Lungenerkrankungen hervorrufen. "Es gibt tatsächlich immer wieder Einzelfälle, beispielsweise bei Krebspatienten, wo durch Mycobakterien gefährlich verlaufende Lungenentzündungen hervorgerufen werden", bestätigt Dettenkofer.
Während der kritischen Phase ihrer Behandlung sollten diese Menschen allerdings auch keine normalen Duschen benutzen. "Manche Krankenhäuser haben daher auf bestimmten Hochrisikostationen Filter in ihre Duschen eingebaut, um die Bakterienbelastung im Wasser zu senken", erklärt Dettenkofer. Eigentlicher Zweck dieser Filter sei es, vor einer Infektion mit einer anderen Bakterienart, den Legionellen, zu schützen. Aber auch die Mycobakterien würden durch sie aus dem Wasser gefiltert.
DESINFIZIEREN BRINGT KEINE BESSERUNG
Aber wie kann man sich im eigenen Badezimmer vor dem Erreger schützen? Erschreckende Erkenntnis der amerikanischen Studie: durch Desinfizieren der Duschköpfe ließ sich die Keimzahl nicht längerfristig reduzieren. Bei einer Kontrolle einige Monate später enthielt der getestete Duschkopf sogar die dreifache Menge an Mycobakterien. Dies erklärt sich der Experte dadurch, dass beim Desinfizieren gar nicht alle Stellen erreicht werden können.
"Gerade moderne Duschköpfe kann man ja gar nicht so weit auseinandernehmen, ohne sie kaputt zu machen", so Dettenkofer. Auch wenn der Erreger für gesunde Menschen keine große Gefahr darstellt, empfiehlt er daher als Tipp für den Alltag, die Dusche nach dem Einschalten erst einige Minuten laufen zu lassen, bevor man sich unter den Strahl stellt. Besonders wichtig sei dies bei Duschen, die mehrere Wochen nicht benutzt wurden. Wenn die Leitung gut durchgespült werde, verringere sich die Bakterienzahl.
Hintergrund: Duschköpfe sind Brutstätten für Bakterien
Autor: Nadine Paulus
