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19. September 2011

Zu früh gibt es nicht

BZ-Interview: Mundhygiene beginnt noch vor dem Durchbruch des ersten Zahns.

Milchzähne müssen nicht gepflegt werden, sie fallen ja eh wieder aus! So ist die Meinung vieler Eltern. Doch nur weil die Milchzähne den dauerhaften Zähnen weichen, sind sie nicht überflüssig – ganz im Gegenteil. Wie wichtig die Pflege des Milchgebisses ist, erklärt Dr. Rodica Capetian-Grottke von der Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit im Stadtkreis Freiburg und Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald unserer Mitarbeiterin Maria Bidian.

BZ: Warum ist die Pflege der Milchzähne wichtig, obwohl sie ausfallen?
Capetian-Grottke: Milchzähne sind Platzhalter für die bleibenden Zähne. Dass alle Milchzähne vorhanden sind, ist sehr wichtig für die Entwicklung des Kiefers. Gehen etwa die Frontzähne frühzeitig verloren, kann das zu Schwierigkeiten bei der Aussprache führen, fallen die Backenzähne zu früh aus, können die nachfolgenden Zähne an den falschen Stellen durchbrechen.

BZ: Ab wann sollten die Zähne gepflegt werden?
Capetian-Grottke: Bereits bevor die Zähne da sind, sollten die Kieferkämme des Babys mit einem sogenannten Fingerling massiert werden. Er hat weiche Borsten und wird auf den Finger genommen, so wird für das Baby die Reinigung schnell selbstverständlich. Bei den Kindern sollte die Schönheit angesprochen werden. Sie reagieren sehr empfindlich, wenn man ihnen beispielsweise sagt, dass Karius und Baktus, zwei kleine Zahnmonster, kommen, sich in den Zähnen ei nisten und diese dann zerstören. Alle Kinder wollen schön sein. Wichtig ist zudem, dass die Eltern konsequent und vorbildlich handeln.

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BZ: Inwieweit wirkt sich die Ernährung auf die Zähne aus?
Capetian-Grottke: Schon in der Schwangerschaft ist es wichtig, sich gesund zu ernähren und eine sehr gute Mundhygiene zu haben. Wenn möglich, sollten bereits vor der Schwangerschaft die Zähne der werdenden Mutter saniert werden. Während der Schwangerschaft ist es nicht gut, zu spritzen, es können keine Röntgenbilder gemacht werden, und so ist es schwer, jemanden zu behandeln. Natürlich muss auch bei den Kindern von Anfang an auf gute Ernährung geachtet werden. Die Flasche sollte zum Beispiel nicht ständig in die Hand gegeben werden. Saure Tees oder Obstsäfte sollten vermieden werden, die Säuren greifen die Zähne an.

BZ: Können Kariesbakterien der Eltern an die Kinder weitergegeben werden?
Capetian-Grottke: Durch das Ablecken des Schnullers oder des Löffels können Bakterien weitergegeben werden. Keiner weiß, wie viele Bakterien er im Mund hat. Beim Zahnarzt kann festgestellt werden, ob man ein sogenannter Bakterienmillionär ist und eine sehr hohe Anzahl von Bakterien im Mund hat. Durch eine sehr gute Mundhygiene, das Sanieren der Zähne und regelmäßige professionelle Zahnreinigung kann die Bakterienzahl reduziert werden. Es ist also sehr wichtig, dass die ganze Familie, die um das Kind lebt, gesunde Zähne hat.

BZ: Hilft ein Süßigkeitenverbot?
Capetian-Grottke: Süßigkeiten sollten Kindern nicht verboten werden, verboten sind sie besonders reizvoll. Von der Erziehung her sollte es so organisiert sein, das Süßigkeiten erlaubt sind, aber die Kinder lernen, dass nach den Süßigkeiten die Zähne geputzt werden. Schlecht ist es, wenn die Kinder den ganzen Tag etwas Süßes im Mund haben.

BZ: Wie putze ich richtig?
Capetian-Grottke: Mindestens zweimal am Tag müssen die Zähne geputzt werden; wenn die Kinder gern nach dem Mittagessen etwas Süßes essen, dann dreimal. Die Kinder müssen lernen, die Zähne richtig zu putzen. So wie sie anfangs nicht schreiben können, sind sie motorisch auch nicht fähig, sich richtig die Zähne zu putzen. Es ist gut, wenn die Kinder erst allein putzen dürfen. Aber ebenso wichtig ist es, dass die Eltern im Nachhinein nachputzen. Geputzt wird nach der K-A-I-Methode, also Kaufläche, Außenfläche, Innenfläche – und das kreisförmig. Für jede Altersklasse gibt es spezielle Zahnbürsten und Zahnpasta. Bei Kinderzahnpasta ist der Fluoridgehalt reduziert, und sie ist im Geschmack nicht so scharf wie Zahnpasta für Erwachsene. Die Zahnpasta runterzuschlucken ist nicht gefährlich, aber man soll sie den Kindern nicht in die Hand geben, damit sie nicht tubenweise Zahnpasta essen.

BZ: Was können die Eltern tun, wenn sich ihr Kind weigert, die Zähne zu putzen?
Capetian-Grottke: Es gibt etliche Bücher, die das Thema Zähneputzen den Kindern näher bringen, zum Beispiel "Die Prinzessin, die nicht die Zähne putzen will". Der Vorbildcharakter ist wichtig, zu zeigen, dass die Freundin und die Eltern auch putzen. Aber es dürfen keine erschreckenden Märchen erzählt oder mit dem Zahnarzt gedroht werden. Das bleibt im Unterbewusstsein der Kinder, und sie haben Angst vor dem Zahnarzt.

Autor: bex