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01. März 2010
Die Schönheit der Flechten
Die symbiotischen Gemeinschaften sind keine Pflanzen.
Für das Auge haben Flechten nur eine Statistenrolle im bunten Gartentheater des Sommers. Ihre Bedeutung als Wegbereiter für pflanzliches Leben wird gewöhnlich unterschätzt. Erst im tristen Grau des Winters wird ihre Vielfalt und farbige Schönheit deutlich.
Mit einem bunten Kleid überziehen sie Steine, Dächer, den Holzlattenzaun und die Rinde der Bäume. Überall dort, wo höhere Pflanzen nicht überleben können und daher nicht mit Flechten konkurrieren, lassen sich die anspruchslosen Lebewesen nieder. Als wahre Überlebenskünstler besitzen sie die Eigenschaft, nach schnellem Austrocknen bei einem geringen Wassergehalt von zwei bis zehn Prozent nicht abzusterben. Selbst glühende Hitze und arktische Kälte überstehen manche von ihnen schadlos.
Flechten sind eine Besonderheit in der Botanik, führt die Bayerische Gartenakademie aus. Die Lebensgemeinschaften aus Pilz-, Bakterien- und Algenarten nehmen Wasser und Nährstoffe direkt über ihre Oberfläche auf. Deshalb können Luftverunreinigungen, insbesondere Schwefeldioxid, die Entwicklung der Flechten maßgeblich schädigen. In Gebieten mit sauberer Luft ist die Wuchsfreudigkeit dieser Organismen infolgedessen ein offenkundiger Indikator. Tatsächlich kann im Zuge der Abgasentschwefelung von einer Wiederkehr der Flechten gesprochen werden.
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Flechten sind an der Bodenbildung beteiligt. Auf Gesteinen schließen Flechten mit ihren Säureausscheidungen einige Mineralien auf und machen sie dadurch für höhere Pflanzen verfügbar. Einige Flechten enthalten Bakterien, die dem Boden pflanzenverfügbaren Stickstoff zuführen. So kann man davon ausgehen, dass diese Lebensgemeinschaften in nährstoffarmen Gebieten einen wichtigen Beitrag für die Stickstoffversorgung höherer Pflanzen liefern.
Auf der Rinde von Bäumen und Sträuchern werden Flechten hingegen häufig als Schadorganismen betrachtet. An sich schädigen sie weder Pflanzen noch das Holz des Lattenzauns. Allerdings können Schädlinge, etwa an Obstgehölzen, unter einem Flechtenmantel gut überwintern. Teile aus Holz oder Rinde trocknen unter dem Flechtenbelag schlechter ab, so dass sich schädigende Pilze darunter ansiedeln könnten. Ein sehr starker Flechtenbelag könnte das Wachstum von Gehölzen durchaus beeinflussen. Starker Bewuchs lässt sich indes mit Hilfe von Bürste oder Baumkratzer recht einfach reduzieren.
Autor: BZ
