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07. Juli 2012
In der Scheune wohnen
Ortskernentwicklung auf dem Land (Teil 1/2): Projekt Melap plus zieht junge Menschen nach Achkarren.
Landflucht. Aussterbende Dörfer. Dass Politik solchen Zukunftsszenarien entgegenwirken kann, zeigt sich in einer Gemeinde am Kaiserstuhl. Achkarren ist Teil eines "Modellprojekts zur Eindämmung des Landschaftsverbrauchs durch Aktivierung innerörtlicher Potenziale". Melap plus heißt das Projekt des baden-württembergischen Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz kurz. Und es soll neue Perspektiven bei der Ortskernentwicklung aufzeigen. Im Klartext heißt das: Kein neues Bauland soll ausgeschrieben, sondern Leerstände sollen genutzt und Baulücken geschlossen werden. Bauherren bekommen dafür Fördergelder vom Land. Dass dadurch junge Leute ins Dorf ziehen, ist erwünscht.
Wie Angelina Ott. Ihre Mutter ist im Dorf aufgewachsen, sie selbst in Burkheim, ihre Großeltern wohnen noch heute in Achkarren. Mit ihrem Mann Matthias hat die junge Frau eine Scheune neben dem Haus der Großeltern umgebaut. Entstanden ist ein zweigeschossiges Holzhaus mit 280 Quadratmeter Wohnfläche, großen Fensterfronten und Blick auf die Weinberge. Es markiert den hinteren Teil des gepflasterten Hofgrundstücks. Die Großeltern, die bald Urgroßeltern werden, wohnen im vorderen Haus, das direkt an der Schlossstraße steht.
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Achkarren hat als einer von 14 Modellorten vom Ministerium den Zuschlag für Melap plus bekommen. Die zu Vogtsburg gehörende Gemeinde möchte ihr innerörtliches Potenzial nutzen und damit für die Zukunft als Wohnort attraktiv bleiben. Durch die topografische Lage – eingebettet zwischen Weinbergen stehen die Häuser eng an eng –, sind der Außenentwicklung des Ortes natürliche Grenzen gesetzt. Hinzu kommt ein Strukturwandel, erklärt Gabriel Schweizer, Bürgermeister von Vogtsburg: "Wir sind die Gemeinde mit momentan mehr als 600 landwirtschaftlichen Betrieben." Doch die bewirtschafteten Betriebe werden weniger, die Bevölkerung altert. "Nun werden im innerörtlichen Bereich Kapazitäten frei, zum Beispiel Schopfanlagen, aber durchaus auch Wohngebäude."
Mit den Geldern aus dem Melap-plus-Programm werden Bauvorhaben realisiert, die ohne die Förderung womöglich nicht entstanden wären. So etwa der Anbau an das Wohnhaus von Familie Fischer. Das Paar hat sich mit ihrem siebenjährigen Sohn im Ort gut eingelebt. "Wir haben in Breisach gewohnt. Dort hatten wir Blick auf die Schallschutzmauer, hier auf grenzenlose Natur", schwärmt Nicole Fischer. Die Familie genießt das nachbarschaftliche Miteinander in Achkarren. Seit zwei Jahren wohnen sie im Hauptgebäude eines ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens im Ortskern. Das nördlich angebaute Nebengebäude soll nun umgenutzt werden. "Das Nebengebäude war baufällig, sogar ein Baum wuchs aus dem Dach", erinnert sich Nicole Fischer.
Die Umbaumaßnahmen, die 90 Quadratmeter mehr Wohnfläche bringen, waren nicht einfach: "Wir mussten bis auf die Grundmauern alles abreißen. Das Erdgeschoss haben wir aufgesetzt, das hat uns Mehrarbeit und dem Statiker graue Haare gemacht", sagt Christian Fischer.
Bereits in den Jahren 2003 bis 2008 wurden Modellgemeinden vom Land gefördert, um die Ortskerne zu stärken und Ausschreibungen von Baugebiet am Ortsrand zu verhindern. Melap plus will nun innovative Überlegungen bei den teilnehmenden Gemeinden weiter voranbringen. Die Förderung erfolgt in zwei Tranchen. Die Anlauffinanzierung über 500 000 Euro ist bereits erfolgt. "Es geht in diesem Jahr darum, um welchen Betrag die Förderung erhöht wird, das hängt vom jeweiligen Konzept ab. Wir sind im Moment in der Abstimmungsphase", erklärt Planer Thomas Thiele.
Gefördert werden in Achkarren Baulückenschlüsse und Leerstandsbeseitigungen, die durch Neubauten, Umnutzungen und Modernisierungen realisiert werden, mit Fördersummen zwischen 20 000 und 40 000 Euro pro Bauprojekt. Thieles Zwischenergebnis: "Innerhalb eines Jahres wurden durch das Programm sieben Maßnahmen losgetreten – das hat schon einen sehr intensiven Effekt."
Autor: Anita Fertl





