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18. Oktober 2010 09:52 Uhr

Herbst

Naturschützer: Rechen und Besen statt Laubbläser

Es ist Herbst, das Laub fällt im Sekundentakt von den Bäumen – und einige Gartengeräte blasen wieder gegen die Blätterberge zum Angriff. Naturschützer kritisieren solche Laubbläser, die mit bis zu 100 Dezibel eine Lautstärke wie Presslufthammer erreichen können.

  1. Ein Schrecken für Kleintiere: der Laubbläser Foto: ddp

Der allherbstliche Motorenradau der Laubbläser sorgt vielerorts im Land für Unmut. Die lauten Geräte verursachen nicht nur klingelnde Ohren bei Gärtnern, Straßenreinigern und Anwohnern. Vor allem Kleintiere leiden unter den künstlichen Windstößen.

Gegen die Käfer-Killer sprechen sich Naturschutzverbände wie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) aus. Ihre Mitglieder werben für die klassischen Werkzeuge: Besen, Sack und Rechen. Schließlich sind die Geräte, die von vielen Privatleuten recht sorglos angewendet würden, nicht nur Energiefresser, kritisierte etwa Hannes Huber, Pressesprecher des NABU-Landesverbandes Baden-Württemberg. Sie produzieren auch jede Menge Abgase.

Besen sind keine Alternative

Für Werner Knon, Abteilungsleiter bei der Abfallwirtschaft der Stadt Mannheim, sind die dröhnenden Helfer im professionellen Einsatz aber wichtig: "Dank der Geräte schaffen wir die dreifache Menge an Laub und sind dreimal schneller." Angesichts der rund 1000 Tonnen, die jedes Jahr in den Säcken der Straßenreiniger landen, wüsste Knon nicht, wie die Herbstarbeit in Mannheim sonst zu bewerkstelligen sei.

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"Es besteht eine Verkehrssicherungspflicht. Die können wir nur unter dem Einsatz von zehn Mitarbeitern mit Laubbläsern und zwei großen Sauggeräten einhalten", erläutert der Abteilungsleiter. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten würden die elektrischen Laub-Bekämpfer der Abfallwirtschaft Mannheim aber nur mit Lärmdämpfern arbeiten und umweltschonenden Ökosprit schlucken.

Nabu-Sprecher Huber warnt aber: "Der Druck der Laubbläser wirbelt Kleintiere auf, die sich gegen den Kälteeinbruch einen Unterschlupf unter den Blättern suchen. Igel und Kröten können ganz einfach von Laubsaugern gehäckselt werden." Dass immer mehr Hobby-Gärtner aus Bequemlichkeit zum Staubsauger greifen, ist auch für Werner Knon ein Problem.

"Viele vereinzelte Hausmeister, die draußen aufräumen, arbeiten überwiegend mit alten und lauten Geräten", sagt er. NABU-Sprecher Huber fügt hinzu: "Wer mit Laubsaugern arbeitet, ist schneller mit dem Aufräumen des eigenen Gehwegs und der Hofeinfahrt fertig. Jedoch führt das zu einer extremen Verführung, alles wegzublasen, was nicht in das Idealbild von Thuja-Hecke und Golfrasen passt.".

Falsch sei außerdem, so Naturschützer Huber weiter, das Laub an anderer Stelle zum Kompostieren zu verwenden. Das würde den gesamten Stoffkreislauf stören. Sein Tipp für Aufräumarbeiten und Gesundheit im Herbst: "Bei der traditionellen Gartenarbeit mit Rechen und Besen könnte auch die ein oder andere Kalorie an Körperenergie verbrannt werden, das würde vielen Leuten ganz gut tun."

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Autor: David Fischer, dpa