Wohnen

Sollte man kurz vor der Rente noch bauen oder eine Wohnung kaufen?

Katja Fischer

Von Katja Fischer (dpa)

Do, 09. August 2018 um 08:59 Uhr

Haus & Garten

Kurz vor der Rente noch bauen oder eine Eigentumswohnung kaufen: Eigentlich spricht nichts dagegeb. Was bei der Finanzierung aber zu beachten ist:

Ein Haus kaufen mit 50? Oder eine Eigentumswohnung mit 60? Warum nicht? Alter ist jedenfalls kein Argument, das grundsätzlich dagegen spricht. "Allerdings sollte man sich beim Immobilienkauf immer vor Augen führen, dass das Geld fest gebunden ist", sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. "Man setzt also einen Teil seiner Flexibilität aufs Spiel."

Gerade für ältere Kunden kann das ein wichtiger Punkt sein: "Wenn die Rente später gerade mal ausreicht, um den Belastungsvorgaben der Banken zu entsprechen, ist es vielleicht vernünftiger, das Geld stattdessen gut anzulegen und es für ein entspanntes Rentnerleben zu verwenden", erklärt Herbst.

Bei den Banken bestehen in der Regel keine Bedenken bei älteren Kunden. "Das Alter spielt bei Verhandlungen über eine Baufinanzierung keine Rolle", sagt zum Beispiel Sven Schüler von der Westdeutschen Landesbausparkasse. Im Vordergrund stünden die Art des Bauvorhabens und die Bonität des Kunden. "Bank und Kunde müssen sicher sein, dass der monatliche Aufwand für den Kredit dauerhaft leistbar ist. Aber das betrifft alle Kunden, nicht nur die älteren."

Aus Sicht von Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen haben Kunden im höheren Alter sogar Vorteile gegenüber Jüngeren. In den letzten Arbeitsjahren seien die Gehälter meist höher als zu Beginn des Arbeitslebens. Da könne einiges angespart werden. Oft erhalten sie noch Geld aus Lebensversicherungen, anderen Kapitalanlagen oder aus dem Verkauf ihres alten Familienhauses.

"Dafür fehlt ihnen im Vergleich zu jüngeren Kunden Zeit", schränkt Schwarz ein. "Bis zum Renteneintritt sollte der Kredit bezahlt oder nur noch eine überschaubare Restschuld vorhanden sein."

Auch nach dem Renteneintritt ist ein Haus im Prinzip noch zu finanzieren, die Bedingungen hierfür legen die Finanzinstitute fest. "Einige Banken haben ein Höchstalter festgelegt, zum Beispiel 65 bis 75 Jahre", erklärt Schwarz. "Andere finanzieren nur einen Teil des Wertes der Immobilie oder bestehen auf einer höheren Tilgung. Das sei aber auch im Interesse älterer Kunden, die möglichst niedrige Kredite aufnehmen und sie schnell tilgen wollen. Er empfiehlt Bauherren, im Vertrag flexible Optionen zu vereinbaren wie Tilgungssatzwechsel oder Sondertilgungen. "Später lässt sich das nicht mehr nachholen." Auch die Stiftung Warentest rät zu flexiblen Krediten, bei denen die anfangs vereinbarte Rate nachträglich noch geändert werden kann.

Manchmal verlangen Banken jedoch, dass Kinder der Bauherren mit in den Vertrag eintreten. "Das sollte man nicht akzeptieren und sich lieber ein anderes Institut suchen", so Schwarz. Er rät auch von Bankangeboten ab, die eine Restschuldversicherung als Voraussetzung für die Kreditvergabe verlangen. "Das ist heute nicht mehr Standard." Wer als Bauherr meint, eine Restschuldversicherung zu benötigen, könne sie sich günstiger auf dem freien Markt besorgen.

Bauherren, bei denen die Finanzierung bis ins Rentenalter hinein läuft, müssen der Bank ihren Rentenbescheid oder die -prognose vorlegen. Die Banken sind verpflichtet, den Kunden detailliert darüber zu informieren, welche Kosten monatlich fällig sind und wann die Laufzeit des Kredits endet.

In der Wohnimmobilienkreditrichtlinie, die seit 2016 gilt, wurden die Anforderungen noch mal konkretisiert. Um Finanzierungen sicherer zu machen, sind Bank und Kunde gehalten, sehr vorsichtig zu rechnen. "Das Augenmerk liegt darauf, wie sich die Einnahmen der Kreditnehmer in Zukunft entwickeln und ob auch nach Renteneintritt genug Spielraum bleibt", erklärt Schüler.
Thomas Hammer: "Die Baufinanzierung – Der beste Weg zu Haus oder Eigentumswohnung", VBZ NRW 2015, 192 S., 19,90 Euro; Karl-Gerhard Hass u. a.: "Unser Bauherren-Handbuch: In sieben Schritten ins eigene Haus", Stift. Warentest 2017, 384 S., 34,90 Euro