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21. Januar 2012

Visionen fürs Wohnen im Alter

Hightech-Hilfen im Haus sollen älteren Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

  1. „Jetzt das Fleisch von beiden Seiten kurz anbraten“: Die intelligente Küche spricht mit dem Koch. Foto: dpa

Der elektronische Kochassistent, spezialisiert auf Diabetiker, empfiehlt heute Zitronenhühnchen mit Paprika und Zucchini. Das Rezept erscheint in großen Lettern auf dem Display am Küchenschrank. Der Assistent prüft den Inhalt des Kühlschranks und schickt die Einkaufsliste mit Zutaten aufs Handy. Vor dem Braten sagt die elektronische Stimme später: "Fetten Sie die Pfanne ein." Das ist ein Ratschlag, über den sich Senioren im DAI-Labor der Technischen Universität Berlin regelmäßig empören. "Für wie blöd hält mich dieser Computer?", fragen sie dann.

Das DAI-Labor ist ein Informatikinstitut, das an intelligenten Systemen für die Zukunft tüftelt – auch für das Wohnen im Alter. Es geht um den Zeitraum 2020 plus. Ob die Küche der Zukunft wirklich so aussehen wird, ist dabei nicht entscheidend. Die Frage lautet vielmehr: Was ist technisch möglich und so interessant, dass es später einmal einen Massenmarkt finden könnte?

"Für Menschen, die im digitalen Alltag aufwachsen, wird das später nicht fremd sein", glaubt DAI-Mitarbeiter Paul Zernicke. Die heutige Seniorengeneration steht bei Tests aber oft kopfschüttelnd im Labor: Ein Gesundheitsassistent, der abends für Ernährung und Bewegung Punkte verteilt?

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Heute geht es vielen Senioren nicht um Hightech-Hilfen. Rund 95 Prozent von ihnen möchten laut Umfragen aber so lange wie möglich in ihren gewohnten vier Wänden bleiben. Nach der jüngsten Untersuchung für das Bundesbauministerium stehen die Chancen dafür schlecht: Nur fünf Prozent der elf Millionen Seniorendomizile sind altersgerecht gebaut – ohne Stufen, Schwellen und mit passenden Bädern. Das Problem wächst: 6,4 statt heute 4,1 Millionen Bundesbürger werden im Jahr 2030 mehr als 80 Jahre alt sein.

Ambient assisted living heißt der Fachbegriff, der sich etwas umständlich mit "umgebungsunterstütztes Leben" übersetzen lässt. Technik passt sich dabei im besten Fall den Bedürfnissen ihres Nutzers an. Die Rede ist schon von intelligenten Fußböden, die einen Sturz registrieren und an eine Notrufzentrale weitermelden.

In Potsdam hat die Wohnungsverwaltungsgesellschaft Gewoba eine Musterwohnung ausgebaut: seniorengerecht und energieeffizient. Hier kann sich jeder informieren, welche Möglichkeiten es gibt – und was sie kosten. Die Wohnung liegt im Erdgeschoss eines Plattenbaus. Innen ist alles schick: Helles Parkett erstreckt sich schwellenlos über fast 70 Quadratmeter, Schiebetüren geben den Räumen etwas Großzügiges. Das Bett ist höhenverstellbar, der Lichtschalter im Kopfteil knipst die Nachtbeleuchtung bis zur Toilette an. Im Bad gibt es eine ebenerdige Dusche. Die Wasserhähne sind mit Sensoren ausgestattet, die arthrosegeplagten Fingern schmerzhafte Bewegungen ersparen. Kleiderstangen klappen aus dem Schrank, die Gardinenstange lässt sich herunterkurbeln. Das Telefon hat große Tasten. Auch den Wohnungsschlüssel, Feindbild zittriger Hände, gibt es nicht mehr. Die Tür lässt sich mit einem Chip öffnen, der sich als Armband tragen lässt. Beim Eintreten geht automatisch das Licht an. Beim Verlassen der Wohnung schalten sich Herd und Bügeleisen aus – wie im Hotel. Ein Piepton warnt, wenn Fenster offenstehen.

Autor: dpa