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02. Januar 2012
Von und mit den Ziegen leben
BZ-Serie Stadt, Land, Fluss, Berg: Menzenschwand, das zwischen Wiesen und Berghängen liegt, ist Luftkurort und gehört zum Skiliftverbund Feldberg. In dem Dorf bei St. Blasien ist Benno Kaiser aufgewachsen. Und er nutzt die Berge.
Auf dem Nachbarhof betreiben seine Eltern und sein Bruder Landwirtschaft. Hinter seinem Haus liegt der Hang, an dem er, wie viele Kinder in dem Schwarzwalddorf, das Skifahren lernte. Als Erwachsener begann er jugendliche Skispringer zu trainieren, machte diese Leidenschaft im Jahr 2002 schließlich zum Beruf. Die ersten Ziegen schaffte er an, um eine Sprungschanze frei von Bewuchs zu halten. Anderen die eigene Begeisterung zu vermitteln, ihnen zum Erfolg zu verhelfen, trieb ihn an.
Aus ähnlichen Beweggründen verschrieb er sich nun ganz seiner Heimat: mit dem Ziegenhof, dem Gasthaus "Zum Kuckuck" und dem Geschäft "Heimatsinn" mit Produkten aus dem Schwarzwald. Kaiser will die Kur- und Feriengäste begeistern, er will die heimische Wirtschaft fördern und mit seinen Tieren die Berglandschaft pflegen. "Die Region blüht auf, wenn besondere Aktivitäten stattfinden", sagt er.
Sigrid Meineke, Biologin und Leiterin des Naturschutzgroßprojekts Feldberg, Belchen, Oberes Wiesental, hat Kaiser ermutigt, seine Ziegenherde zu vergrößern. Sie will, dass bis zu 100 Ziegen und 40 Mutterkühe von ihm und zwei anderen Landwirten das Tal von Menzenschwand beweiden. Durch Eiszeitgletscher und Jahrhunderte lange Beweidung ist dort eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt entstanden. Man findet die gelb blühende Arnika, wilde Apfelbäume, kleine Moorflächen. Diese Vielfalt droht in der gesamten Region zu verschwinden, weil immer weniger viehhaltende Landwirte die Weiden offen halten. Die Stadt St. Blasien will die Landschaft mit dem reizvollen Wechsel von Wäldern und offenen Wiesen für den Tourismus erhalten. Daher baut sie für 500 000 Euro zwei Ställe, die Kaiser und seine beiden Kollegen pachten werden.
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Kaiser besucht seine Ziegen täglich auf der Weide, die mit Gras, Heidekraut und niedrigem Gestrüpp bewachsen ist. Neugierig laufen die Tiere ihm entgegen, fressen die Körner, die er ihnen hinstreut. Es sind Burenziegen, kräftige Fleischziegen mit braun-weißem Fell, die neben Gras auch Buschwerk fressen. Ideal für die Landschaftspflege. Bis Oktober stehen sie auf der Weide. Den Winter verbringen sie im Stall, wo sie auch ihre Lämmer bekommen. Schön, aufregend, intensiv sei die Lammzeit, sagt Andrea Steiner. Sie ist Kaisers Lebensgefährtin und Mutter der beiden Töchter. Wenn sie merkt, dass bei einer Ziege die Geburt losgeht, bleibt sie in der Nähe des Stalls. Die Landwirtschaft ist Steiner nicht unbekannt. Sie ist auf einem Hof an der Saale aufgewachsen.
Menzenschwand befindet sich im Wandel: Zwei Kurkliniken, mehrere Gasthäuser, sogar der kleine Bäckerladen im Dorf haben nach und nach geschlossen. Seit den 1990er Jahren kamen immer weniger Kurgäste, der gesamte Schwarzwald verbuchte abnehmende Übernachtungszahlen. Doch in Menzenschwand ist auch Neues entstanden wie das Radon-Revitalbad und ein Dorfladen. Im Mai 2010 eröffnete Kaiser mit Anja Keller und Stefanie Ganter das Geschäft "Heimatsinn". Dort gibt es ausschließlich Waren aus dem Südschwarzwald: Grundnahrungsmittel wie Brot, Käse und Eier, aber auch edle Brände, Brennnesselnudeln, Schinken von Kaisers Ziegen, Keramik und anderes. Angesichts der vielen Leerstände im Dorf wolle man mit diesem Geschäft ein positives Signal setzen, sagt Anja Keller, während sie einer Kundin eine Tasse Kaffee serviert.
Obwohl Gäste wie Einheimische gerne im "Heimatsinn" einkaufen oder auf eine Tasse Kaffee vorbeischauen, kommen bisher nicht genügend Kunden, um den drei Inhabern den Lebensunterhalt zu sichern: Daher betreiben sie das Geschäft im Nebenerwerb. Auch Kaisers Ziegenhof reicht nur für den Nebenerwerb, wie bei vielen Landwirten im Südschwarzwald. Doch der umtriebige Mann sieht Perspektiven: Als weiteres Standbein hat er im Dezember das Gasthaus "Zum Kuckuck" eröffnet. Wenn der geplante Stall fertig ist, will er seine Herde aufstocken. Auch für seine Lebensgefährtin, die bisher noch halbtags in einer Jugendherberge arbeitet, steht fest: "Allein von und mit den Tieren zu leben, ist mein großes Ziel."
Autor: Regine Ounas-Kräusel


