Was heißt hier altersgerecht?

Simone Mayer

Von Simone Mayer

Sa, 12. August 2017

Haus & Garten

Aspekte bei der Wohnungssuche mit 50 plus.

Irgendwann im Alter stellt sich die Frage, wie lange man im Zuhause wohnen kann. Wer mit 50 plus auf Wohnungssuche geht, sollte sich daher Details des Gebäudes anschauen – etwa wie tief der Siphon unter dem Waschbecken sitzt. Expertenorganisationen geben Tipps, worauf bei der Besichtigung geachtet werden sollte.

Treppe: Treppenlifte im Eigenheim lassen sich problemlos bei vielen Treppenformen nachträglich einbauen. Ausnahmen sind Wendeltreppen, wie der Verband Privater Bauherren (VPB) erklärt. Laut Anbietern ist eine Mindestbreite von 70 Zentimetern nötig. Gut sind auch für das Treppensteigen ausreichend breite und bündig abschließende Stufen. Das Bundesfamilienministerium rät, bei Treppenhäusern darauf zu achten, dass es Handläufe auf beiden Seiten gibt.

Türen: Damit Gehhilfe, Rollstühle und auch eine Notarzttrage in die Wohnung gelangen, sollte man Türen mit mindestens 80 Zentimeter Breite einplanen, wie die Aktion Barrierefreies Bad erklärt. Der VPB rät sogar zu 101 Zentimetern für Innentüren im Rohbau, was 90 Zentimeter nach fertigem Einbau bedeutet. Vor den Türen braucht es zudem Raum zum Rangieren und Wenden: im besten Fall eine Fläche zwischen 1,20 mal 1,20 Meter oder 1,50 mal 1,50 Metern. Nachträgliche Durchbrüche sind zwar möglich, aber aufwendig.

Fenster: Wichtig ist auch die Gängigkeit der Fenstertüren: Viel Kraft erfordern etwa Hebeschiebetüren an Terrasse oder Balkon. Außerdem sind die Fenster einen Blick wert: Sie sollten so niedrig sein, dass man im Sitzen gut nach draußen schauen kann, rät die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO). Das Bundesfamilienministerium empfiehlt daher Brüstungen, die ab einer Höhe von 60 Zentimetern durchsichtig sind.

Badezimmer: Hier kommt es auf Details an: Sind die Wände stabil genug, so dass sie Haltegriffe tragen? Man sollte nach Griffen bei der Besichtigung bewusst fragen – auch wenn keine zu sehen sind. Ein System könnte in neueren Bauten oder Bädern bereits vorinstalliert und noch hinter Putz und Fliesen verborgen sein. Beim Bau von altersgerechten Badezimmern wird dies inzwischen häufig so gemacht. Aber auch die Aufteilung des Raums kann später eine Rolle spielen: Gibt es vor dem Waschtisch ausreichend Raum zum Sitzen, wenn man die Morgentoilette nicht mehr im Stehen schafft? Und kann ich mich dann immer noch im Spiegel sehen?

Würde man ein barrierefreies Bad extra bauen, sieht eine DIN-Norm für einen unterfahrbaren Waschtisch eine Höhe von maximal 80 Zentimetern vor. Problematisch können hier natürlich auch unter dem Becken angebrachte Durchlauferhitzer sein. Gut sind zum Beispiel Unterputzsiphons sowie ein Bodenbelag, der rutschsicher ist. Die Aktion Barrierefreies Bad rät zur Rutschfestigkeitsklasse R10. Die Dusche sollte bodengleich sein sowie Platz für einen Klappsitz oder Hocker haben. Auch die Badewanne hat am besten eine möglichst niedrige Einstiegshöhe und eine rutschsichere Oberfläche.

Toilette: In vielen altersgerechten Badezimmern gibt es höhenverstellbare Toiletten. Ist dies nicht der Fall, kann man sich auch hier an der DIN-Norm für barrierefreie Badezimmer orientieren: Die Montagehöhe des WCs sollte 46 bis 48 Zentimeter betragen. Stützgriffe an Wänden sollen 28 Zentimeter über der Sitzhöhe angebracht werden können.

Elektroinstallationen: Häufig benutzte Steckdosen sollten auf einer Höhe von 70 Zentimetern liegen, teils raten die Experten sogar zu 85 Zentimetern. Sinnvoll sind sicherlich elektrische Rollladenheber, gerade wenn im Alter die Kraft in den Armen nachlässt, sowie automatische Fensteröffner. Die Griffe für Fenster und Heizung sowie Lichtschalter sollten in bedienfreundlicher Höhe sein, rät die BAGSO.