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02. Januar 2010
Eine Gemeinde blickt in die Zukunft
Mit der vom Land geförderten "Zukunftswerkstatt familienfreundliche Kommune" entwickelt Riegel ein neues Selbstverständnis.
Wie wollen wir in Zukunft leben? Eine Frage, die immer mehr Gemeinden und Kommunen beschäftigt. "Jugend- und familienfreundlich zu sein ist heute ein zentraler Standortfaktor", bekräftigt Markus Jablonski, Bürgermeister von Riegel. Die Gemeinde habe freie Grundstücke für Familien zu attraktiven Preisen zu bieten, doch auch die soziale Infrastruktur sei ausschlaggebend, und genau daran arbeite Riegel schon seit Jahren intensiv. Bereits 2002/ 2003 entwickelte sie ein Ortsentwicklungskonzept für 2012, laut dem Riegel unter anderem als lebenswerter Ort der Begegnung gestaltet werden soll. In den nächsten Jahren wollen sich die Generationen hier noch mehr begegnen.
Als das Angebot einer "Zukunftswerkstatt familienfreundliche Kommune" der Familienforschung Baden-Württemberg in Jablonskis Postfach flatterte, dauerte es nur ein paar Stunden, bis seine Antwort in Stuttgart vorlag: Ja, unbedingt! Riegel sollte eine der Pilotkommunen in Baden-Württemberg sein, die ihre Familienfreundlichkeit verbessern. Fachleute der Familienforschung und des Kommunalverbands Jugend und Soziales Baden-Württemberg begleiten sie nun dabei.
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Wie familienfreundliches Zusammenleben erreicht werden kann, darüber dachten 50 Bürger und Gemeinderäte in der Zukunftswerkstatt "Familienfreundliche Gemeinde Riegel" nach. Herausgekommen sind nicht nur eine Vision für das Jahr 2020, sondern auch Ideen, die schon ab Januar in die Tat umgesetzt werden sollen: von der Einrichtung eines Hauses der Begegnung bis hin zu Patenschaften zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen.
Riegel ist eine von landesweit 41 Städten und Kommunen, die das Angebot angenommen haben. Die Kosten für die Zukunftswerkstatt trägt das Ministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen der Initiative "Kinderland Baden-Württemberg". Das Geld für die eigentlichen Maßnahmen will die Gemeinde den Rücklagen entnehmen.
Am lebendigsten greifbar wird die Zukunftsvision am "Haus der Begegnung", das die Riegeler in der "alten Schule" in der Ortsmitte einrichten wollen. Hier soll in Zukunft der Jugendliche auf den Senior treffen, die türkische auf die deutsche Familie, der Boxclub auf die Bogensport-Gemeinschaft. Im Innenhof, wo jetzt noch Autos geparkt werden, werden sich die Menschen in einem gläsernen Foyer treffen und zu Konzerten, Bastelnachmittagen und Festen zusammen kommen.
Dass alte Menschen nicht vereinsamen, liegt den Riegelern am Herzen, deshalb soll eine Nachbarschaftshilfe unter dem Motto "Bürger helfen Bürgern" aufgebaut werden. Ebenso wenig sollen Migranten aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. "Die Grundakzeptanz in der Bevölkerung ist da, aber beim direkten Austausch gibt es noch Potenzial", gibt Jablonski zu bedenken. Interkulturelle Patenschaften zwischen Familien ist nur eine der zahlreichen Ideen aus der Zukunftswerkstatt, die die Menschen zusammenführen sollen. Alle Generationen und Kulturen sollen sich in der Gemeinde wohl fühlen – auch wenn vielleicht eines Tages Rollatoren Kinderwägen den Rang ablaufen werden.
Autor: Friederike Marx
