Entlastung schaffen

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Von selb

Do, 12. Juli 2018

Liebe & Familie

Pflegende Angehörige haben Recht auf Unterstützung.

Immer mehr Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig, 2017 waren es laut Statistischem Bundesamt rund 2,9 Millionen Menschen. Der größte Teil wird zu Hause betreut; immerhin 48 Prozent werden ausschließlich durch Angehörige versorgt.

Oftmals ist die Betreuung zeitintensiv und nicht selten auch eine psychische Belastung für die Pflegenden. Auszeiten vom Alltag oder gar ein Urlaub sind schwer zu planen; im Krankheitsfall benötigt man schnellen Pflegeersatz. Um Entlastung zu bieten, hat der Gesetzgeber Rahmenbedingungen für die kurzzeitige Übernahme der Pflege geschaffen. Möglichkeiten zur temporären Pflegeübernahme, zur Erstattung von Pflegekosten und nützliche Informationen zu Ansprechpartnern und Antragsstellung im Überblick:

Ob planbar zur Entlastung des pflegenden Angehörigen oder kurzfristig bei einer familiären Krisensituation: Für bis zu acht Wochen im Jahr kann ein stationärer Kurzzeitpflegeplatz in einer Pflegeeinrichtung beantragt werden. Alternativ besteht die Möglichkeit, bis zu sechs Wochen im Jahr eine Ersatz- oder auch Verhinderungspflege, meist durch einen ambulanten Pflegedienst, erstattet zu bekommen. Beide Leistungen werden von der Pflegekasse mit jeweils maximal 1612 Euro unterstützt, die Beträge können auf die jeweils andere Leistung angerechnet werden. So ergibt sich eine maximale Kostenübernahme von 3224 Euro jährlich.

Hilfe bei der Suche nach dem richtigen Pflegeangebot für die individuellen Bedürfnisse sowie Informationen zur Kostenerstattung bieten trägerunabhängige Pflegestützpunkte. Neben der Beratung im Vorfeld bieten sie die nötigen Anmeldeunterlagen und versenden auf Wunsch Anfragen für einen Pflegeplatz an die gewünschte Einrichtung. In Freiburg ist der Pflegestützpunkt an das Seniorenbüro der Stadt gekoppelt. Es veröffentlicht regelmäßig Übersichten über ambulante Pflegedienste und stationäre Kurzzeitpflegeplätze sowie Informationen zu Ansprechpersonen und Vergütung.

Die Intention des Gesetzgebers ist klar: Es soll Möglichkeiten geben, die Pflegenden zumindest kurzfristig zu entlasten. Doch gerade die Suche nach einem stationären Kurzzeitpflegeplatz kann schwierig sein: Antragsstellende benötigen mitunter einen langen Atem. Laut einer Abfrage des Seniorenbüros Freiburg bei Freiburger Pflegeeinrichtungen kamen 2017 auf neunzehn Einrichtungen zwischen 450 und 510 Anfragen pro Monat. "Eine planbare Entlastung ist mit lediglich acht regulären und maximal 130 eingestreuten Kurzzeitpflegeplätzen in Freiburg insbesondere zu Urlaubszeiten nicht möglich", sagt Almut Herrenbrück vom Seniorenbüro Freiburg.

Sucht man also kurzfristig oder planbar Unterstützung, lohnt ein Blick auf die ambulante Verhinderungspflege. Die Pflegekassen übernehmen gegebenenfalls Kosten für eine temporäre Ersatzpflege, seien es die Betreuung durch einen ambulanten Pflegedienst oder die Erstattung von Fahrtkosten für ein einspringendes Familienmitglied. Ansprüche können auch rückwirkend geltend gemacht werden, sofern entsprechende Belege vorgelegt werden. Wichtig: Anspruch hat nur, wer die zu pflegende Person mindestens sechs Monate zu Hause betreut hat. Hilfe findet man auch für dieses Thema beim Seniorenbüro: "Ambulante Versorgungsmöglichkeiten sind ebenso wie die Möglichkeit der Verhinderungspflege in unserer Beratung enthalten", versichert Herrenbrück.