Lesetipp

Hanns-Josef Ortheil: Was ich liebe und was nicht

mins

Von mins

Mo, 27. März 2017

Liebe & Familie

Ein feiner Beobachter seiner selbst

Kleider machen bekanntlich Leute. Diese Erfahrung machte auch Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil ("Die Berlinreise") nach einem Besuch bei einem exquisiten Amsterdamer Herrenausstatter. In seiner modischen Aufmachung wirkte er plötzlich besonders anziehend auf Frauen, was sich in beifälligen Blicken und Annäherungsversuchen zeigte. Doch Ortheil kapitulierte vor der neuen Rolle, er fühlte sich ihr nicht gewachsen. In seinem Buch "Was ich liebe und was nicht" schildert er mit lässiger Selbstironie solche kleinen Alltagsszenen. Er lässt uns teilhaben an seinen Leidenschaften und Abneigungen. Wir erfahren von seiner Liebe zur italienischen Küche und seiner Aversion gegen Frühstücksbüfetts ("die grausamste Mahlzeit"), von seiner Hingabe zu allem Gedruckten und seiner unüberwindlichen Abneigung gegen endlose Live-Übertragungen im Fernsehen. Ortheil ist ein feiner Beobachter nicht nur seiner selbst, sondern auch unserer Gesellschaft.

Hanns-Josef Ortheil: Was ich liebe und was nicht. Luchterhand Verlag, München, 2017, 368 Seiten, 23 Euro.