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12. Dezember 2011

"In konkreten Dingen zeigt sich der Glaube"

BZ-INTERVIEW über Glaube und Erziehung mit dem Familienberater und Buchautor Jan-Uwe Rogge.

  1. Jan-Uwe Rogge Foto: privat

Als Erziehungsberater ist Jan-Uwe Rogge in ganz Deutschland unterwegs. Seine Bücher füllen die Ratgeberregale. Jetzt hat er ein neues geschrieben – zusammen mit dem Mönch Anselm Grün. Es heißt "Kinder fragen nach Gott" (erschienen bei Rowohlt). Manuela Müller sprach mit Rogge über Spiritualität in der Erziehung und das Christkind.

BZ: Herr Rogge, wie unterscheiden sich Spiritualität und Religionsausübung?
Rogge: Spiritualität ist der weitere Begriff. Er ist nicht gebunden an Institutionen. Spiritualität spielt in vielen Religionen eine große Rolle.

BZ: Spielt Achtsamkeit die größte Rolle in der spirituellen Erziehung?
Rogge: Sie ist etwas sehr Wichtiges. Für mich ist daneben der Begriff Verbundenheit auch ein zentraler Aspekt. Verbundenheit mit sich selber, mit anderen, mit der Welt, mit dem höheren Ganzen. Daraus entwickelt sich Achtsamkeit: achtsam mit sich selbst und mit anderen umgehen, achtsam mit der Welt umgehen.
BZ: Wie kann sich das im Erziehungsalltag gestalten?

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Rogge: Beispielsweise das Kind in seiner Ganzheit zu sehen, auch die Anteile, die einem nicht so gut gefallen: Wenn ein Kind wütet, wenn es zornt, wenn es ängstlich oder unglücklich ist. Zudem sind für mich Rituale wichtig. Nicht nur Rituale des Betens, sondern auch die gemeinsame Mahlzeit, der gemeinsame Spaziergang, das gemeinsame Sich-aufeinander-einlassen.

BZ: Sie schreiben, dass Eltern Spiritualität von ihren Kindern lernen können.
Rogge: Ja. Eltern können das Phantasievolle von Kindern lernen, das Hinter-die-Dinge-schauen, das Sich-nicht-zufrieden-geben, das Intuitive, das Fragende, das Neugierige, das Nicht-immer-nur-an-der-Oberfläche-bleiben, die Freude an den kleinen Dingen. Denken Sie beispielsweise daran, wie Kinder einen Käfer ganz genau beobachten können und dabei versuchen, mit ihm in Kontakt zu treten. Man nennt das Allverbundenheit. Das kann man von Kindern lernen.
BZ: Sollte Kindern Ihrer Meinung nach Religion vermittelt werden?
Rogge: Ich denke schon. Aber nicht durch gute Worte, sondern durch Vorleben. Beispiel Adventszeit: Man kann dem Kommerz nicht entkommen, aber man kann sich eine Kerze am Adventskranz anzünden, Plätzchen backen oder basteln. In konkreten Dingen zeigt sich der Glaube. Es genügt nicht, nur an Heiligabend in den Gottesdienst zu gehen. Wenn Eltern den Glauben vorleben und den Ritualen einen Sinn geben, erfahren Kinder deren Gültigkeit. Wobei es auch Phasen gibt, in denen Heranwachsende mit all dem brechen, weil sie Heiligabend ätzend finden. Aber es kommt auch wieder die Zeit nach der Revolte.

BZ: Die Geschichte vom Christkind bringt Eltern in einen Zwiespalt: Realität oder Lüge?
Rogge: Kinder träumen sich das Christkind herbei. Das ist eine selbstbestimmte Handlung. Wenn sie erkennen, dass es das Christkind nicht gibt, finden sie es trotzdem toll, weil sie wissen, dass es für die Erfüllung von Sehnsüchten steht. Die Kinder gehen mit dem Prinzip von Realität und Phantasie viel selbstbewusster um, als Erwachsene. Da können Eltern lernen, nicht immer im pädagogischen Nirwana zu wandeln oder alles zu verkopfen.

Autor: manu