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23. Januar 2012
MOMENT MAL!: Nichts als die reine Wahrheit
Von Maikka Kost.
100 bis 200 mal pro Tag lügt der Mensch: Das hat mir mein Gegenüber am Frühstückstisch neulich aus einer Studie vorgelesen. Mir kommt das viel vor. Denn wenn ich von uns ausgehe, habe ich den Eindruck, dass wir uns öfter als nötig die Wahrheit sagen. Ich koche zum Beispiel ein neues Gericht und erwarte sein Lob. Doch er sagt nach drei Bissen unverblümt: "Schmeckt grusig!" Umgekehrt nehme ich kein Blatt vor den Mund, wenn er sich komische Klamotten kauft: "Ab mit dir, in den Club der Spießer!" Jenseits des partnerschaftlichen Zusammenlebens aber verhalten wir uns anders: Da belügen wir andere nach Kräften. Wir sagen: "Mensch, Du hast Mut!", wenn die Freundin stolz ihr neues Permanent-Make-Up vorführt - und denken: "Wie Sch… sieht das aus!" Das Endlos-Telefonat mit dem Studienfreund würgen wir ab mit: "Du, ich muss auflegen, da ist wer an der Tür". Und die Freunde im Umzugsstress hören: "Wir hätten Euch gern geholfen, aber wir sind schon verplant." Tröstlich ist: Die wenigsten Lügen sind echt gemein. Aber glaubt man den Experten, bräche ohne sie unser soziales System zusammen: Kleine Lügen erhalten die Freundschaft. Nun könnte ich wohl ins Grübeln kommen ob der Komplimente, die mir Freunde und Kollegen jüngst nach dem Urlaub entgegen brachten: "Du siehst toll aus?", "So schlank!", "So jung!" Aber ich sage mir: Wenn Sie partout lügen wollen — sollen sie doch!
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Autor: ko
