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02. November 2009
Nicht auf den Notfall warten
BZ-Interview mit Tilman Steinmann über das Wohnen im Alter.
In den eigenen vier Wänden alt zu werden, das ist der Wunsch vieler Menschen. Auch Tilman Steinmann möchte das für sich in Anspruch nehmen. Doch ist das nicht immer möglich. Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig über das Wohnen im Alter nachzudenken. Das betont der Diplomsozialarbeiter und Hausleiter von Gevita Residenz und Senioren-Service-Zentrum in Lörrach im Gespräch mit BZ-Mitarbeiterin Barbara Ruda.
BZ: Wann sollte man anfangen, sich Gedanken zu machen, wie man im Alter wohnen will?
Steinmann: Ich empfehle jedem, sich rechtzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen. Rechtzeitig ist sicher eine individuelle Frage. Je früher etwa der Umzug in eine Residenz angedacht wurde, desto eher kann er gelingen. Schwierig ist ein solcher Schritt nach unserer Erfahrung, wenn er aus der Not heraus geschieht, wenn also in der vertrauten Umgebung eine Situation eintritt, in der es nicht mehr geht. Dann kann der Betroffene oft selbst nicht mehr entscheiden und es sind Dritte gefragt.
BZ: Also sollte man auf jeden Fall die Familie in seine Überlegungen mit einbeziehen?
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BZ: Also ist die Pflege in der Familie nicht immer die ideale Lösung?
Steinmann: Ich warne vor dem dauernden Ruf nach familiärer Pflege. Natürlich gibt es Familien, in denen das funktioniert. Aber wir haben, bedingt durch den medizinischen Fortschritt, eine Pflegesituation, die mehrere Jahre andauern kann. Das muss sich eine Familie gut überlegen und Faktoren wie körperliche Anstrengung oder persönliche Betroffenheit berücksichtigen – auch mit den heutigen Unterstützungsmöglichkeiten. Zudem gehen beide Ehepartner oftmals arbeiten. Man darf auf keinen Fall glorifizieren und sagen: Früher wur- den die Alten zu Hause gepflegt. Die waren dort oftmals einsam. Ich warne überhaupt davor zu sagen, es gibt nur einen richtigen Weg. So vielfältig die Menschen sind, müssen auch die Wohnformen im Alter sein. So ist das Thema Wohngemeinschaften zwar wichtig, aber nicht jeder kann sich das vorstellen.
BZ: Wie soll man bei der Vorbereitung des eigenen Alters vorgehen?
Steinmann: Als erstes sollte man überlegen, wie man es sich für sich persönlich vorstellt und dann schauen, wie die Infrastruktur um einen herum ausschaut. Ist Familie da, die bereit wäre zur Pflege? Dann muss man Erkundigungen einziehen und kann etwa direkt auf die Einrichtungen zugehen, um den Umgangston, die Atmosphäre und die Räumlichkeiten dort kennen zu lernen. Bei solchen Gesprächen erleben wir oft einen großen Informationsbedarf. Heute weiß zwar jeder, dass es die Pflegeversicherung gibt. Aber eine Vielzahl von Fragen wie was bezahlt wird, bleiben offen.
BZ: Man muss sich nicht gleich auf eine einzige Lösung festlegen?
Steinmann: Nein, dieser Weg kann durchaus mehrere Stufen haben – beginnend mit einem Hausnotrufdienst, der es allein lebenden älteren Menschen ermöglicht, in ihrer Wohnung zu bleiben und sich komplett selbst zu versorgen. Der nächste Schritt könnte eine Haushaltshilfe sein und dann eine Schwester vom Pflegedienst, die bei täglichen Verrichtungen wie dem Duschen hilft. Wenn jemand von der Vereinsamung bedroht ist, weil er sich nicht mehr aus der Wohnung bewegen kann, kann eine betreute Wohnanlage in Frage kommen, in der er noch soziale Kontakte halten kann.
Autor: bex
