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19. Dezember 2011

Räuchern ist wieder in Mode

Ob als Duft, als Stressmittel oder als Botschaft an den Himmel – der Geruch von Räucherkerzen ist nicht nur im Advent beliebt.

Weihrauch und Myrrhe waren zu biblischen Zeiten königliche Geschenke: wertvolle Harze, die zum Räuchern verwendet wurden. Der Duft von Räucherkerzen und Räucherkegeln zieht noch heute durch viele Häuser – nicht nur zur Weihnachtszeit.

Mit einer Adlerfeder fächelt Susanne Fischer-Rizzi die aufsteigenden Schwaden in die vier Himmelsrichtungen. Fruchtig-würzig riechender Rauch qualmt aus der Räucherschale aus Ton empor, die sie in ihrer Hand hält. Die 59-jährige Aromatherapeutin und Heilpraktikerin aus dem Oberallgäu setzt auf die Heilkunst des Räucherns mit heimischen Kräutern, Hölzern und Harzen.

Räuchern ist ein Trend, der nicht nur in der Vorweihnachtszeit in Form von Räuchermännchen, Räucherkegeln oder Räucherstäbchen eine Renaissance erlebt. Immer mehr Seminare und Fachbücher beschäftigen sich mit dem Thema. "Gerade in der heutigen Zeit ist das Räuchern wieder gefragt, weil Räuchern intensiv auf Stressbeschwerden, Schlaflosigkeit und Unsicherheit einwirken kann und dabei hilft, Rituale in unser Leben zu integrieren", sagt Fischer-Rizzi, die seit 30 Jahren Räucherseminare anbietet.

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Das Ritual des Räucherns, bei dem Harze und Pflanzenteile langsam über einer Räucherkohle verbrannt werden, gibt es seit Tausenden von Jahren. Schon in vorchristlichen Zeiten wurden Räucherzeremonien abgehalten. "Der aufsteigende Rauch galt vielen Völkern jahrtausendelang als eine Botschaft an den Himmel", sagt Fischer-Rizzi. Die Römer schickten ihre Wünsche per fumum – durch Rauch – in den Himmel. In der Pestzeit räucherten die Menschen mit Wacholder, um Wohnräume, Krankenlager und Ställe zu desinfizieren. Man räucherte, um das Träumen zu beeinflussen, die Akustik in Kirchen zu verbessern, Kleidung zu parfümieren und um Gäste mit Wohlgeruch zu empfangen.

An Allerheiligen wurde durch das Räuchern der Ahnen gedacht, an Mariä Lichtmess reinigte man sich mit dem Rauch und an Karfreitag auch Stall und Hof.

Räuchern kann auch riskant sein

"In katholischen, ländlichen Gegenden kennt man heute noch die zwölf Raunächte, zwischen Weihnachten und Dreikönige, an denen das Haus und der Stall ausgeräuchert wird", erklärt Nele Trpin, Schülerin von Fischer-Rizzi. Bei besonders festlichen Gottesdiensten wird in katholischen Kirchen traditionell Weihrauch verbrannt, das zu biblischen Zeiten als Schatz galt. Ebenso wie die Myrrhe handelt es sich um ein Harz.

Fischer-Rizzi betont vor allem den Heilwert des Räucherns: "Zimt und Anis helfen gegen Anspannung, Leistungsdruck und Stress. Bei Schlafstörungen sind Sandelholz und Myrrhe empfehlenswert." Zur Vitalisierung eigneten sich Beifuß, Tanne, Kiefer und Zeder.

"Beim Räuchern werden die Riechzellen in der Nase angeregt", erklärt auch die Medizinerin Bärbel Hornberger, Chefärztin am Caritas Klinikum Saarbrücken St. Josef Dudweiler. Der Geruchssinn sei dabei direkt mit dem Zentrum im Gehirn verknüpft, welches für die Gefühlsentstehung zuständig sei. Wie die Medizinerin warnt, berge das Räuchern jedoch ein gewisses gesundheitliches Risiko. "Bestimmte synthetische Inhaltsstoffe können Krebs hervorrufen." Beim Verbrennvorgang würden zudem Kohlenwasserstoffe freigesetzt, die ähnlich wie beim Zigarettenkonsum die Entstehung von Krebs förderten. Wie bei fast allen Genuss- und Beruhigungsmitteln sei daher die Dosis entscheidend, so Hornberger.

Autor: Hanna Spengler (epd)