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15. November 2010

Wenn Eltern älter werden

Aus Kindern werden Leute, aus Eltern manchmal hilfsbedürftige Senioren.

Über viele Jahre war die Rollenverteilung klar: Die Eltern halfen den Kindern beim Start ins Leben und begleiteten sie lange Zeit als Berater. Doch mit der Zeit ändert sich das. Wenn die Eltern älter werden, müssen die Kinder ihnen zunehmend zur Seite stehen – und die Eltern müssen lernen, sich helfen zu lassen.

Das ist für beide Seiten nicht einfach. Wenn aber Eltern und Kinder einige Dinge beachten, klappt der Rollentausch.    "Kinder haben häufig Schwierigkeiten damit, ihre Eltern altern zu sehen, weil sie dann mit ihrem eigenen Altern konfrontiert werden", sagt Walter Andritzky.

Aber auch die Eltern hätten oft Probleme mit dem Altern und den damit einhergehenden Veränderungen des Lebens. "Es ist oft schlecht für das Selbstwertgefühl, wenn sie nun auf Hilfe angewiesen sind", so der Diplompsychologe. "Viele wehren sich lange dagegen, kaschieren vielleicht auch ihre Hilfsbedürftigkeit oder reagieren aggressiv, wenn Angehörige ihnen helfen wollen."    

Ilse Biberti kennt die Schwierigkeiten, die mit dem Altern der Eltern einhergehen, aus eigener Erfahrung: "Jeder hatte bislang sein eigenes Leben – die Eltern genauso wie die Kinder", sagt die Autorin. "Nun verliert eine Seite einen Teil des gewohnten Lebens, und die andere Seite bekommt mehr Verantwortung und Fürsorge dazu."    

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Dabei sei vor allem wichtig, dass beide Seiten die neuen Lebensbedingungen akzeptierten und sich gemeinsam mit der jeweiligen Situation auseinanderzusetzen.

Wer genießt mein
Vertrauen, um Dinge in
meinem Sinne zu regeln?

"Wenn beispielsweise die Eltern nicht genug trinken, hilft es nicht, ihnen im Befehlston vorzuschreiben, mehr zu trinken", sagt Biberti. "Vielleicht haben sie ja wirklich kein Durstempfinden." Es sei besser, gemeinsam zu überlegen, wie die Eltern genug Flüssigkeit bekommen. Schwieriger wird es bei intimeren Themen wie Inkontinenz. "Da könnte es gerade für Töchter eine Hemmschwelle geben, mit ihrem Vater darüber zu reden", sagt Biberti. Auch wenn es für Eltern anfangs unangenehm ist, würden die meisten von ihnen doch Hilfe annehmen. Dabei komme es darauf an, sie weiterhin mit Respekt zu behandeln. "Man muss die Unterstützung auf Augenhöhe anbieten und darf niemanden bevormunden", erklärt die Autorin. Sie rät den Eltern, sich frühzeitig mit ihrem Altern und den damit verbundenen Veränderungen auseinanderzusetzen. Dabei sei auch die Frage wichtig: "Wer genießt mein Vertrauen, um Dinge in meinem Sinne zu regeln?", sagt Gerlinde Strunk-Richter vom Kuratorium Deutsche Altershilfe in Köln. Das könnten ganz alltägliche Dinge sein, wie "Wer darf, die Post abholen?" Es sei am besten, solche Regelungen schriftlich festzulegen – und immer mit den Angehörigen im Gespräch zu bleiben, um ihnen die eigenen Vorstellungen mitzuteilen.    

Was eventuell als Bevormundung wahrgenommen wird, kann gut gemeint sein – aber aus Unwissenheit geschehen. Das Problem sei, dass sich daraus Konflikte entwickelten, sagt Strunk-Richter. "Streit entzündet sich oft aus alltäglichen Dingen."

Daher kann es zum Beispiel wichtig sein, den Kindern klar zu machen, was sie genau einkaufen sollen. Immerhin könne eine bestimmte Kaffeesorte oder die Lieblingsschokolade für einen selbst zur Lebensqualität beitragen.  

Info: Beim Bundesjustizministerium gibt es Informationen zu Themen wie Betreuungsrecht: http://bit.ly/Betreuungsrecht Literatur: Ilse Biberti: Hilfe, meine Eltern sind alt, Südwest-Verlag, 288 Seiten, 12,95 Euro.

Autor: tmn


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