Bahnfahren

Wie eine Zugbegleiterin meine Heldin des Alltags wurde

Frauke Wolter

Von Frauke Wolter

Mo, 07. Januar 2019 um 19:29 Uhr

Liebe & Familie

Es sind nicht nur die Kunden, die unter Verspätungen und Ausfällen bei der Deutschen Bahn leiden. Auch die Mitarbeiter haben kein leichtes Leben. Eine Geschichte aus dem ICE nach Frankfurt.

Verspätungen, umgekehrte Wagenreihung, Totalausfall – wer Bahn fährt, hat leider viel Negatives zu berichten. Doch es sind nicht nur wir, die Kunden, die leiden, auch die Bahnmitarbeiter haben kein leichtes Leben. Neulich, auf der Fahrt zum Frankfurter Flughafen: Schon in Freiburg sind alle Waggons voll, denn der zweite Zugteil fehlt. Einfach so. Alle Sitzplätze sind besetzt, das Restaurant quillt über, in den Gängen stapeln sich Menschen und Koffer, eine Frauengruppe feiert lautstark den Beginn der Fasnacht, Piccolos kreisen morgens um halb acht.

Betteln um einen zweiten Zugteil

Sie aber behält die Nerven. Die Zugbegleiterin, selbst rheinische Frohnatur, quetscht sich durch die Menschenmassen, hat für jeden ein gutes Wort, "Durchhalten!" lautet ihre Parole. Auch, dass sie ab Karlsruhe eine "Teilräumung" des Zuges androht, bewegt daher niemanden zum Aussteigen. "Einfach bleiben, der Zug fährt schon irgendwann weiter", sagt eine Mitreisende und bietet lässig einen Schluck Sekt an.

Währenddessen telefoniert die Zugbegleiterin gegen den Lärm unermüdlich mit der Zentrale, schildert das Chaos, bettelt um einen zweiten Zugteil. In Frankfurt hat sie es endlich geschafft: Mit einem lauten Pfiff verschafft sie sich Ruhe, damit ihre Lautsprecheransage überhaupt durchdringt: "Wir kriegen einen zweiten Zug, Leute!", kündigt sie an. Und die Menge johlt und klatscht. Eindeutig – (m)eine Heldin des Alltags.