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16. Januar 2010 00:06 Uhr
Atommülllager
Asse soll jetzt geräumt werden
Rund 126 000 Fässer mit radioaktivem Abfall sollen aus dem einsturzgefährdeten Atommülllager Asse herausgeholt werden. Ein Projekt dieser Dimension habe es noch nicht gegeben, berichtete das Bundesamt für Strahlenschutz
HANNOVER. Die Behörde hatte drei Wege zur endgültigen Stilllegung des Atommülllagers bei Wolfenbüttel (Niedersachsen) geprüft. Der Rücktransport der Abfälle sei die beste Variante, sagte BfS-Präsident Wolfram König. Zunächst werden Experten einige Kammern in dem maroden ehemaligen Salzbergwerk öffnen und den Zustand von 1000 bis 3000 der dort gelagerten Fässer überprüfen. Die Zeit für die Stilllegung der Asse drängt, da die Grube nach einem Gutachten nur noch bis zum Jahr 2020 standsicher ist. "Wir sind gefordert, sofort loszulegen", sagte König.
Ein Abtransport des Abfalls – größtenteils demolierte Fässer mit schwach und mittelradioaktiven Stoffen – wird nach Einschätzung der Behörde zehn Jahre dauern. Zudem besteht jederzeit die Gefahr, dass der Wasserpegel in die Grube steigt und sich die Sicherheitslage dadurch verschlechtert. Derzeit dringen täglich 12 000 Liter Wasser von außen ein.
Das Bundesumweltministerium hält den Transport des Atommülls aus der Asse in den Schacht Konrad nach bisherigen Erkenntnissen für die beste Variante. Voraussetzung sei aber, dass die Fracht nach entsprechenden Kontrollen und die Stabilität des Endlagers dies zuließen, hieß es am Freitag im Ministerium. "Die Planungen sollen so ausgerichtet werden, dass der Atommüll in Konrad gelagert werden kann", sagte eine Sprecherin in Berlin.
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Die teils stark zerdrückten Fässer sollen mit Hilfe von ferngesteuerten Geräten geborgen werden. Die Strahlenbelastung für die Mitarbeiter bleibe weit niedriger als der Grenzwert für eine medizinische Computertomografieaufnahme, versicherte König. Wo die Abfälle entsorgt werden können, ist laut BfS unklar. Das ehemalige Eisenerzbergwerk Schacht Konrad in Salzgitter ist als Endlager für schwach und mittelradioaktiven Müll genehmigt. Möglicherweise reicht dort die Kapazität aber nicht aus.
Neben der Bergung hatten Experten auch die Umlagerung der Fässer in andere Teile der Grube oder das Verfüllen der Schachtanlage mit den Abfällen geprüft. Sie kamen allerdings zum Ergebnis, dass bei diesen beiden Varianten fraglich sei, ob die notwendige Sicherheit für die Bevölkerung auf lange Sicht gewährleistet werden könne. Denn nach wie vor ist nicht ganz klar, was in den Fässern steckt. Deshalb muss verhindert werden, dass Arsen, Blei und andere wassergefährdende Stoffe ins Grundwasser gelangen.
Die Untersuchungen in einigen Kammern der Schachtanlage könnten den Weg der Bergung allerdings noch verbauen. Wenn der Zustand der Abfälle deutlich schlechter sei als erwartet, will das BfS die "Präferenz der Rückholung neu bewerten". "Wir werden immer wieder prüfen: Sind wir auf dem richtigen Weg?", sagte König. Zu den Kosten für die Schließung von Asse machte er keine Angaben. Es sei einst von zwei Milliarden Euro die Rede gewesen, sagte er.
Die Vorbereitungen für die Räumung müssen nach Ansicht der SPD-Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel unverzüglich beginnen. Unter anderem müsse geprüft werden, wie die radioaktiven Abfälle für den Transport und die Lagerung im Schacht Konrad aufbereitet werden sollen, sagte Gabriel in Wolfenbüttel. Auch komme es darauf an, dass die Atomwirtschaft und nicht die Steuerzahler die mehrere Milliarden Euro teure Auslagerung bezahle.
Autor: dpa


