Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

28. April 2012 14:29 Uhr

Einlenken

Maikäferbekämpfung: Hubschrauber darf doch abheben

Das Tauziehen ist beendet, die Maikäfer am Kaiserstuhl dürfen erneut aus der Luft bekämpft werden. Dafür wurde nun doch eine Ausnahme erteilt. Den brummenden Kahlfressern wird am Mittwoch und Donnerstag zu Leibe gerückt.

  1. Darf jetzt doch abheben: Der Hubschrauber zur Bekämpfung der Maikäferplage. Foto: Siegfried Gollrad

  2. Brummende Kahlfresser. Foto: dpa

Michael Glas, stellvertretender Direktor des Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) in Augustenberg und Abteilungsleiter für Pflanzengesundheit und Produktqualität, zeigt sich im Gespräch mit der Badischen Zeitung erleichtert über das Einlenken des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Dort hatte man die Genehmigung noch Ende letzter Woche überraschend abgelehnt nach zunächst positiven Signalen. Das Problem: Nach dem im Februar geänderten Pflanzenschutzgesetz ist der Einsatz von Luftfahrzeugen grundsätzlich verboten. Deshalb muss eine Sondergenehmigung sein.

Bereits am Mittwochabend zeichnete sich ab, dass dank vielfältiger Anstrengungen aller Beteiligten der Einsatz wohl stattfinden könnte. Doch es bedurfte offenbar noch weiterer intensiver Debatten, bis das Umweltbundesamt dem BVL das Einvernehmen erteilte, wie der Bundestagsabgeordnete Peter Weiß am Freitag mitteilt. Friederike Maass vom Regierungspräsidium bestätigt am Freitag, dass die Genehmigung nun schriftlich vorliege. Damit steht fest, dass auch im Hauptflugjahr 2012 das Insektizid Neem Azal TS zur Eindämmung der Maikäferplage eingesetzt werden kann.

Werbung


Massiv verstärkter Käferflug

Dass die Zeit drängt, war bereits am Mittwoch am Kaiserstuhl deutlich zu spüren. Der abendliche Käferflug verstärkte sich gegenüber den Tagen zuvor massiv. Laut Glas war es der erste stärkere Flug der Käfer in diesem Frühjahr. Er setzte ein bis zwei Tage früher ein, als die Experten erwartet hatten, doch überraschend kam er nicht. "Die Käfer sitzen schon seit zwei bis drei Wochen ganz oben im Boden und warten auf Wärme", beschreibt Glas die Situation. Die steigenden Temperaturen werden den Käferflug zum Wochenende hin noch weiter ansteigen lassen. An eine Bekämpfung am Wochenende ist dennoch nicht zu denken. Die Waldränder ausgerechnet zum Auftakt der Natur-Erlebnis-Woche und rund um den 1. Mai zu sperren, sei undenkbar, betont Glas. Das Wissen um den optimalen Einsatzzeitpunkt sei eben nicht alles, die Termine müssten auch machbar sein.

Der für Mitte nächster Woche angepeilte Zeitplan passt laut Glas aber dennoch, denn der Käferflug werde einige Tage anhalten, zumal die Temperaturen wieder zurückgehen sollen. Geflogen werden soll am Mittwoch, 2. Mai, so lange es die Lichtverhältnisse zulassen. Abschluss des Hubschraubereinsatzes soll dann am Donnerstag, 3. Mai, sein. Beflogen wird laut Glas das gleiche Gebiet wie in den vergangenen Jahren: am westlichen Kaiserstuhl von Bischoffingen zum Haberberg und über den Langenberg am nördlichen Kaiserstuhl entlang. Am östlichen Kaiserstuhl ist der Insektizideinsatz im Süden bis Bötzingen geplant. Der innere Kaiserstuhl bleibt weitgehend tabu. Einzig am Kunzenbuck bei Oberrotweil und an der Mondhalde wird geflogen. In der Ebene Richtung Wyhl, Forchheim und Weisweil werden die Flächen mit starkem Engerlingsbefall mit herkömmlichen Geräten am Boden behandelt.

Zahl der Engerlinge steigt

Dass die Engerlings- und Käferplage trotz der Bekämpfung nach wie vor besteht, heißt laut Glas nicht, dass die Maßnahmen nichts bringen. Dort, wo in den 90er-Jahren begonnen wurde, gehe die Zahl der gefräßigen Schädlinge im Boden inzwischen zurück. Anlass zu Entwarnung bestehe allerdings nicht. Dagegen steige die Zahl der Engerlinge etwa am östlichen Kaiserstuhl, wo die Bekämpfung erst im Jahr 2000 begann, noch an.

Überrascht waren die Experten bei ihren Grabungen von den vielen Engerlingen im dritten Larvenstadium, die es in dieser Menge nach dem Flug im Vorjahr eigentlich noch gar nicht geben dürfte. Möglicherweise seien die Bedingungen in der langen Fraßperiode im Herbst 2011 so günstig gewesen, dass sich die Entwicklung der Engerlinge beschleunigte. Gesicherte Erkenntnisse gebe es darüber aber noch nicht, schränkt Glas ein.
Maikäfer und Engerlinge
Maikäfer und ihre Larven, die Engerlinge, sind als Schädlinge gefürchtet. Die Käfer verursachen Blattfraß an Bäumen und Sträuchern, in starken "Maikäferjahren"kann es zu Kahlfraß und Ertragsverlust kommen. Bedeutsamer ist der Schaden durch Wurzelfraß der Engerlinge. Für Baumschulen, Obstbau und Reben gelten schon zwei Engerlinge pro Quadratmeter als kritische Größe, die zu wirtschaftlichen Schäden führt.

Mehr zum Thema:

Autor: Martin Wendel


7 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Die veröffentlichten Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Roman Weingardt  

Roman Weingardt

Registriert seit: 02.12.2010

Kommentare: 3198

28. April 2012 - 20:31 Uhr

Arme Maikäfer!

Wir haben sie als kleine Jungs noch gefangen, im Schuhkarton verstaut (mit Blättern und Belüftung!), und vor dem heimgehen gezäht. Einer war immer der beste Maikäferfänger!
Am nächten Morgen haben wir sie wieder fliegen lassen!

Reinhard Mey wird auf kurz oder lang wohl doch rechtbehalten:

http://www.youtube.com/watch?v=oVE540PRsQU

Verstoß gegen Netiquette melden

Michael Kirschner  

Michael Kirschner

Registriert seit: 15.11.2011

Kommentare: 364

29. April 2012 - 13:23 Uhr

Jedes Jahr der gleiche Zirkus. Erst wird gewissenhaft geprüft, dann wird doch gesprüht. Ich stehe auf Insektizide in der Atemluft.

Verstoß gegen Netiquette melden

Jürgen Arnemann  

Jürgen Arnemann

Registriert seit: 05.11.2009

Kommentare: 325

01. Mai 2012 - 04:14 Uhr

Der größte Feind des Maikäfers war früher der Mensch.
Wenn es sehr viele Maikäfer gab, wurden sie früh morgens
von den Bäumen geschüttelt, eingesammelt und in Kartons gelegt.
Oft wurden sie dann an Hühner verfüttert.
Der Maikäfer hat aber auch natürliche Feinde: Fledermäuse, Maulwurf, Dachs, Wildschwein, Igel, Spitzmaus, Stare und Krähen. Gewisse Pilzstämme infizieren die Larven.
Heute fehlen die natürlichen Feinde schon in großer Zahl?

Verstoß gegen Netiquette melden

Rosmarie Zähringer  

Rosmarie Zähringer

Registriert seit: 13.09.2010

Kommentare: 13

01. Mai 2012 - 22:32 Uhr

Ein Ausflug an den Kaiserstuhl zu unternehmen oder dort gar an einer der angebotenen Kräuterwanderungen teilzunehmen ist mir gänzlich vergangen. Anstatt an einer Lösung im Einklang mit der Natur zu suchen ist dauernd von Bekämpfung der „Schädlinge“ die Rede. Die Ausbeutung der Erde nimmt immer größere Ausmaße an und wie wir es in vielen Bereichen schon erfahren haben, wird früher oder später die Rechnung dafür kommen. Einerseits beklagen sich die Menschen, dass alles vergiftet sei, andererseits sind sie selbst die Verursacher. Der Maikäfer selbst richtet gar nicht so viel Schaden an, denn die abgefressenen Blätter wachsen mit dem sogenannten Johannitrieb nach. Warum werden hier nicht die natürlichen Feinde, wie Fledermäuse, Eulen, Greifvögel, Krähen u. a. gefördert? Das gleiche gilt für die Engerlinge, oder haben wir deren natürliche Feinde wie Maulwurf, Spitzmaus, Igel u. a. schon geschafft auszurotten?

Verstoß gegen Netiquette melden

Michael Kirschner  

Michael Kirschner

Registriert seit: 15.11.2011

Kommentare: 364

02. Mai 2012 - 11:12 Uhr

@Frau Zähringer; Was erwarten Sie denn von diesen Menschen? Der Bezug zur Natur ist ge- wenn nich sogar zerstört. Jeden Tag bekommt man irgendwelche Meldungen von irgendwelchen selbsternannten Experten, die sich in der Regel wiedersprechen und leider ist nicht jedem das gesunde Gefühl für die Natur gegeben, was man mitunter an solch kurz gedachten Aussagen, wie wir brauchen den Wolf, den Bären, den Uhu etc., sieht. Rechnung getragen wird dabei nicht der Realität, dass alle diese Tiere in unserer Region schon fast oder ganz ausgerottet wurden. Es wird auch nicht ein zwei Generationen weitergedacht, sondern wir brauchen den Wolf,etc jetzt koste es was es wolle. Auch wenn in ein zwei Generationen, was an unserem Verhalten absehbar ist, die gesamte Population wieder ausgelöscht wird. Und so wird auch munter weitergespritzt auch wenn man wüßte, dass auch den Menschen ein Schaden entsteht. Das tut weh und frustriert, aber leider ist der Profit bei uns, zumindest bei den sogenannten Entscheidern, die oberste Prämisse.

Verstoß gegen Netiquette melden

Rosmarie Zähringer  

Rosmarie Zähringer

Registriert seit: 13.09.2010

Kommentare: 13

03. Mai 2012 - 13:15 Uhr

Warum schaut der Rest der Welt nur gleichgültig zu?

Verstoß gegen Netiquette melden

Michael Kirschner  

Michael Kirschner

Registriert seit: 15.11.2011

Kommentare: 364

03. Mai 2012 - 14:28 Uhr

@Frau Zähringer; wahrscheinlich, weil viele den bewußt falsch gesetzten Informationen der selbsternannten Experten Glauben schenken, sich durch wiedersprüchliche Aussagen verunsichern lassen, nicht aber Ihren ureigenen Instinkten oder Gefühlen trauen. Die "Experten" tun so als wären sie Autoritäten und wir, das Volk, sind darauf getrimmt, den Autoritäten zu gehorchen.

Verstoß gegen Netiquette melden



Weitere Artikel: Endingen