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03. Februar 2010 20:08 Uhr
Naturspektakel
Millionen von Finken locken Schaulustige in den Hotzenwald
Sie kommen jeden Abend in riesigen Schwärmen und fliegen jeden Morgen wieder davon. Im Lindauer Tal im Hotzenwald suchen derzeit mehr als vier Millionen Bergfinken ihr Nachtquartier.
GÖRWIHL. Das Naturereignis, das es in Deutschland nur alle paar Jahre zu sehen gibt, zieht zahlreiche Vogelfreunde, Biologen und Schaulustige an.
"Der Himmel ist voller Vögel", sagt Rudi Apel, Vorsitzender des Naturschutzbundes Görwihl, der sich das Spektakel Abend für Abend ansieht. An Alfred Hitchcocks Klassiker "Die Vögel" muss sich kein Zuschauer erinnern. "Das sind ganz kleine Vögelchen", beruhigt Apel. "Die fliegen nicht auf Menschen zu, sondern erschrecken schon, wenn eine Autotür aufgeht." Deshalb sollte man die Vögel in Ruhe beobachten und sie nicht stören.
Jeden Abend wird der schmale Weg im Lindauer Tal zur Bühne von Fotografen und Kameraleuten. "Am Wochenende sind schon mal 130 Menschen da. Die Leute kommen aus München, Braunschweig oder Heilbronn", berichtet Apel. "Manche hüpfen vor Freude. Wer das Schauspiel sieht, ist überwältigt."
RAUSCHEN EINES WASSERFALLS
Der Vogelbeobachter ist fast jeden Tag vor Ort. Für seine Beobachtungen wählt er stets einen anderen Platz aus: "Auf dem freien Feld sieht man bei gutem Wetter die Wolke schon aus einem halben Kilometer Entfernung anrauschen." Gegen 16 Uhr tauchen die ersten Schwärme am Himmel auf und suchen einen Schlafplatz. Es gibt Tage, da kommen die Finken in einem einzigen gewaltigen Schwarm angerauscht und schwirren erst eine Zeit lang in der Luft. "Das dauert 40 Minuten, weil die nicht alle auf einmal einen Platz finden", erklärt Apel. "Das hört sich an wie ein riesiger Wasserfall."
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Jeden Morgen gegen 7.30 Uhr, brechen die Finken zur Futtersuche Richtung Freiburg, Basel oder Konstanz auf. Die Schwärme wurden selbst schon in Emmendingen gesehen. Sie fressen Bucheckern und Fichtensamen. Dies schade dem Wald nicht, sagt Apel. Vielmehr lauern dort Gefahren für die Bergfinken. Mehrfach wurde schon beobachtet, wie ein kleiner Bergfink von einem Greifvogel gefressen wurde. "Das gehört dazu", sagt Apel.
Auch aus Sicherheitsgründen übernachten die Bergfinken gerne in Gesellschaft. "Sie sitzen ganz eng zusammen auf den Ästen." Die Nähe hat auch noch einen anderen Vorzug: In der Gemeinschaft ist es einfach wärmer.
Die Bergfinken sind in den skandinavischen Ländern, von Norwegen bis Kamtschatka beheimatet und fliegen derzeit zur Überwinterung Richtung Süden. Von März bis April kehren sie in ihre Heimat zurück.
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Autor: Katharina Wetzel


