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25. Januar 2010
Warm duschen ist erlaubt
BZ-INTERVIEW mit Limnologe Nikolaus Geiler über Wasser und Energie
Vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wird Nikolaus Geiler als bundesweit anerkannter Fachmann der Nicht-Regierungsorganisationen in Wasserfragen bezeichnet. BZ-Redakteurin Manuela Müller sprach mit dem Freiburger Binnengewässerforscher über energieautarke Kläranlagen und virtuelles Wasser.
BZ: Was hat der Wasserverbrauch mit Energiesparen zu tun?Geiler: Da muss man ins Detail gehen: Beim Trinkwasser stellt sich beispielsweise in Freiburg schon die Frage, ob man östlich oder westlich der Güterbahnlinie wohnt. Die östlichen Stadtteile werden vom Wasserwerk Ebnet versorgt. Von dort braucht man eigentlich nur Strom, um das Wasser in die Aufbereitungsanlage zu pumpen. Dann fließt es im freien Gefälle nach Freiburg. Wer westlich der Güterbahnlinie wohnt, wird vom Wasserwerk Hausen versorgt. Von dort muss das Wasser bis zum Hochbehälter auf den Schönberg gepumpt werden, bevor es im freien Gefälle in die Häuser strömen kann.
BZ: Die Reinigung des Abwassers verbraucht aber auch Energie.
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BZ: Wie kann das funktionieren?
Geiler: Beim Klärprozess bleibt Klärschlamm übrig, den man in Biogas umwandeln kann. Das Biogas kann in Blockheizkraftwerken verbrannt werden, um Strom zu erzeugen. Wenn man Generatoren, Pumpstationen und Kompressoren so energieeffizient wie möglich baut, scheint es möglich, dass eine Kläranlage energieautark betrieben werden kann. Das könnte in fünf bis zehn Jahren Realität sein.
BZ: Wird nicht im Privathaushalt viel Energie durch Wasser verschwendet?
Geiler: Die direkteste Möglichkeit für den Verbraucher, mit Wasser Energie zu sparen, ist der sparsame Umgang mit warmem Wasser. Jetzt kann man nicht von jedem verlangen, dass er nur noch kalt duscht. Ich gehöre auch zu den Warmduschern. Aber das Mittel der Wahl ist, mit möglichst wenig Fremdenergie Warmwasser zu produzieren. Das einfachste ist da die solarthermische Warmwasserbereitung mit Solarkollektoren auf dem Dach.
BZ: Es gibt aber viele Mieter, die von ihrem Vermieter schlecht verlangen können, dass er eine solarthermische Anlage installieren soll. Wie können die Wasser sparen?
Geiler: Tropfende Wasserhähne müssen vermieden werden. Beim Kartoffeln- oder Eierkochen muss der Topf nicht randvoll mit Wasser sein. Ist das Gemüse nur zu drei Vierteln mit Wasser bedeckt, wird es trotzdem gar. Wer nicht täglich in der Badewanne liegen muss, spart mit Duschen Energie. In Neubauten werden mittlerweile standardmäßig Sparperlatoren eingebaut, die dem Wasserstrahl Luft beimischen. So sieht der Wasserstrahl zwar dick aus, man verbraucht aber deutlich weniger Wasser. Ein wichtiger Posten sind auch Waschmaschinen und Geschirrspülmaschinen. Die neuen Geräte verbrauchen weniger Wasser und haben somit einen deutlich geringeren Energieverbrauch zur Erhitzung des Wassers. Eine Neuanschaffung rechnet sich so schon nach wenigen Jahren.
BZ: Lohnt sich an den Waschbecken eine Mischbatterie mit Hebel?
Geiler: Die Einhebelmischer sind vorteilhafter gegenüber Zweihandmischern. Bis man mit letzteren die richtige Temperatur eingestellt hat, läuft schon viel Wasser in den Ausguss. Inzwischen gibt es Thermostatmischbatterien, bei denen man die gewünschte Temperatur einstellen kann. Wobei die noch sehr teuer sind. Für den Privathaushalt lohnt sich eher eine sparsame Duschbrause.
BZ: Was ist virtuelles Wasser?
Geiler: Darunter versteht man die Wassermenge, die zur Erzeugung eines Produkts nötig ist. Wenn Produkte stark bewässert werden müssen, und das Wasser aus dem Stausee kommt oder gepumpt werden muss, steckt viel Energie drin. Eine Tasse Kaffee benötigt etwa 140 Liter Wasser. Wer regional und saisonal einkauft, leistet einen Beitrag zur Verringerung dieses Wasserverbrauchs.
Autor: manu


