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18. März 2017

Kult an der Nordsee

Ab in die Strandsauna

Feinsandiger Strand, sanft geschwungene Dünen und das scheinbar endlose Meer: Strandsaunen mit Aussicht an der Nordsee.

  1. Umgebaute Zirkuswagen: Strandsauna inklusive Ruheraum am Jadebusen in Niedersachsen Foto: dpa

  2. Schwitzen am Strand: Das geht in der Sauna am Meer auf Borkum. Foto: dpa-tmn

Der nackte ältere Herr trägt nur Sonnenbrille, Kappe, Golduhr und ein nettes Lächeln. Was fast überall sonst gewöhnungsbedürftig wäre, ist in der Schlange an der Café-Kasse der Strandsauna Borkum Normalität. Sonnenanbeter neben Saunafreunden, FKK-Urlauber neben Strandspaziergängern. Und über allem: Meeresbrise.

Ein Kaffee, zwei Sanddornsekt, eine Suppe und ein Eis gehen über die Theke. Am Strand kommen drei Reiter auf Pferden vorbei. Dann ist der Freikörperkultler an der Reihe und möchte Bestellzettel fürs nächste Jahr. Ein Stammgast. "Wir kommen seit 35 Jahren nach Borkum, und in die Sauna hier auch schon jahrelang. Es ist schön, in der freien Natur zu sein, von der Sauna direkt ans Meer gehen zu können", sagt Paul Schulze, 69. "Außerdem: Aus der Sauna aufs Meer zu blicken, das ist ganz besonders."

Dieses Erlebnis kostet einigen Aufwand. "Die Strandsauna wird jedes Jahr um den 15. September ab- und zum 1. Mai wieder aufgebaut", sagt Dino Tetzlaff, 40, Lebensgefährte der Inhaberin. Wellness im Container, sozusagen. "Entworfen und umgesetzt hat das mein Schwiegervater vor 27 Jahren", sagt Tetzlaff. Mit Erfolg. Bei "Schietwetter" sei zwar nicht viel los, die Sauna aber werde meist sehr gut genutzt.

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Wie sieht so eine Strandsauna aus? Zuerst geht es durch ein Fußbad, damit der Sand draußen bleibt. Die weiße Tür links: Umkleide. Ein Außenbereich mit Duschen und Liegen, eine Ruhezone innen, Decken zum Einkuscheln. Rechts geht es zur eigentlichen Sauna, 80 Grad Temperatur hat sie, Aufguss gibt es zu jeder vollen Stunde. "Es kann auch mal etwas später werden, wenn der Dino im Restaurant viel zu tun hat", sagt eine Saunabesucherin. Gelächter. Man kennt sich, man mag sich. Gemeinsam schwitzen eint.

Kurz vor einer möglichen Schnappatmung erscheint Dino in der Saunatür, mit Handtuch und Orange-Menthol-Aufguss, dreifach. So muss Urlaub riechen. Zum Meer gehen wollen gleich alle, auch wenn es ein gutes Stück weit weg ist. "Das macht es ja aus, im Kontrast zu den Wellnesstempeln", sagt Saunagast Joachim Eickhoff, 54. "Bei steifer Brise, bei richtig Wind, kriegste noch ein Naturpeeling gratis dazu", fügt der charmante, grauhaarige Holzbanknachbar an.

Heute ist eher Flipflop-Wetter, die Sonne lacht. Am Strand vor der Wasserkante steht ein Pfahl mit Holzhaken für die Handtücher. Salzwasser prickelt auf der Haut. Dazu feinsandiger Strand, sanft geschwungene Dünen und das scheinbar endlose Meer. Die anwesende Saunagemeinde schwört auf Borkum, die Nordseeinsel mit Hochseeklima. Doch die Atempause vom Alltag gibt es natürlich nicht nur auf Borkum.

Auch Niedersachsens Festlandküste beispielsweise hat eine Strandsauna, in Hooksiel am Jadebusen. Mitten auf dem Strand steht ein umgebauter Zirkuswagen mit freiem Blick aufs Meer. Dort können gäste "im Holzwagen schwitzen, während draußen die Wellen rauschen". Bei Flut können sie sich nach der Sauna im wohl größten Tauchbecken der Welt abkühlen – der Nordsee. Einen gesonderten Ruhewagen gibt es ebenfalls.

Norderney, sagen Borkum-Fans, sei nicht so entspannend. Wegen einer "Bar voller Ballermanntouris" an der Strandsauna. Die Stammgäste der Thalasso-Insel Norderney, mitten im Unesco-Welterbe Wattenmeer, sehen das anders. Jedenfalls ist auch die Strandsauna der ostfriesischen Insel beliebt. "Oase" heißt der feine, weiße Strand mit FKK-Abschnitt, an dem im Frühjahr ein kuscheliges, kleines Saunadorf entsteht. Über den Winter muss es weg: Bei Sturmfluten könnten mitgerissene Containerteile die Strandbefestigungsanlagen beschädigen.

Wie Norderney ist auch Sylt eine Frage der persönlichen Passion. Wer es mag, findet im breiten Angebot der größten nordfriesischen Insel etliche Strandsaunen. Eine erreicht man nach einem kurzen Weg durch die Dünen am Campingplatz Rantum. Auch am Weststrand mit Strandkorb-, Himmel- und Nordseeblick ist eine Strandsauna. Und nur einen Spaziergang entfernt liegt die nächste Strandsauna: Samoa am gleichnamigen Strandabschnitt, einem FKK-Strand. Drei weitere Wellnessoasen gibt es in Hörnum, Kampen und Listland.

Strandsaunen

Strandsauna Borkum: am
FKK-Strand, Tageskarte 17,50 Euro
für Erwachsene, für Kinder zwischen vier und zehn Jahren 7,50 Euro
Internet: http://www.strandsauna-borkum.de
Strandsauna Norderney: Oasestrand, Tageskarte 17 Euro, Kinderkarte 6 Euro, http://www.norderney.de
Strandsauna Hooksiel: Strand-Freizeitgelände Hooksiel, an der
Bäderstraße, Eintritt 13,50 Euro,
Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren 50 Prozent Ermäßigung, Kinder frei, http://www.strandsauna-hooksiel.de
Strandsauna Rantum auf Sylt:
Dünenübergang am Campingplatz
Rantum, Tageskarte 18,50 Euro,
Kinder bis 12 Jahre halber Preis,
Internet: http://www.strandsauna.de  

Autor: dpa

Autor: Larissa Loges (dpa)