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15. Juli 2017

Hilfreich oder Unsinn?

Beim Wanderführerschein gehen die Meinungen auseinander.

Ausgesetzte Pfade, rasche Wetterwechsel: Wanderer sollten die Gefahren in den Bergen kennen, tun sie aber oft nicht. Deshalb können Anfänger in den Alpen einen Wanderführerschein machen. Sinnvolle Fortbildung oder bloß ein Marketinggag?

Führerschein, das klingt bürokratisch. Doch die Idee ist recht simpel: Bei einer Tageswanderung lernen Einsteiger die Grundlagen des Wanderns. Sowohl Hotels als auch private Wanderführer bieten den Führerschein an. Die Kurse vermitteln Grundkenntnisse: Wie wird das Wetter? Wie lese ich eine Karte? Angehende Wanderer lernen zudem, wie man den Rucksack richtig packt oder welche Lebensmittel man am besten mitnimmt. Neben der Theorie gibt es auch Praxis: eine Wanderung, meist um die vier Stunden.

"Wir wollen unsere Gäste für Touren in den Bergen vorbereiten und die Sicherheit im alpinen Gelände erhöhen", sagt Tanja Miksch, Medienbeauftragte des Hotel Glemmtalerhof in Hinterglemm in Österreich. Dort wird der Wanderführerschein seit drei Jahren angeboten.

Mehr als eine Einführung bietet der Wanderführerschein nicht. Und das ist der Knackpunkt: "Bei der Menge an Wissensvermittlung in so kurzer Zeit ist kein nachhaltiges Lernen möglich", sagt Stefan Wierer, Bergführer aus dem Zillertal in Tirol. Das Wandern lernt man erst, wenn man es oft genug tut – wie beim Autofahren.

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Michael Lentrodt, Präsident des Verbands Deutscher Berg- und Skiführer (VDBS) stellt klar: "Wanderer müssen keinen Führerschein machen." Jeder bewege sich in der Natur frei und auf eigene Gefahr. Der Experte zieht die Bezeichnung Wanderkurs vor. Eine Einführung für Wandereinsteiger sei zwar grundsätzlich sinnvoll. Bloß das Wort Führerschein kann Touristen ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln, findet Stefan Wierer.

Wie bei jedem anderen Sport rät Wierer, den Anspruch langsam zu steigern und ein Gespür für das Wandern zu entwickeln, ob mit oder ohne Führerschein. Mit genug Erfahrung darf es dann irgendwann auch die Dreitausenderüberschreitung im Hochgebirge sein.

Autor: dpa