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12. August 2017

Prunk und Luxus der Pfeffersäcke

Zeitreise in die Blüte der Hanse: Lübeck feiert 30 Jahre Welterbe.

  1. Abendstimmung am Rathausmarkt: Die Stadtverwaltung ist das prunkvollste Gebäude, das die Herren von Lübeck während der Hansezeit bauten. Foto: dpa

Heringe aus der Ost- und Nordsee, Salz aus Lüneburg, Pelze aus Russland, Getreide aus dem Baltikum und Dorsch aus Norwegen: Mit diesen Waren dominierten die Lübecker Kaufleute vom 12. bis zum 17. Jahrhundert den Handel in Europa. Wohl nirgendwo sonst in Deutschland lässt sich so authentisch in die Hansezeit eintauchen. 2017 feiert Lübeck 30 Jahre Unesco-Weltkulturerbe.

Die Auszeichnung der Lübecker Altstadt verdankte die Ostseestadt 1987 ihrer Geschichte als "Königin der Hanse". Die Zahl 30 ist in der Stadt in diesem Sommer allgegenwärtig. Zum Beispiel haben 30-Jährige freien Eintritt in die städtischen Museen. Mit dem Motto "Plötzlich 30!" wirbt die Stadt für das Wiederentdecken der eigenen Geschichte, auch Touristen sind eingeladen. Ein guter Ort dafür ist das Europäische Hansemuseum. Man erfährt, wie Kaufleute und Seefahrer dem Adel, Seeräubern, der Pest und den Naturgewalten trotzten.

Das Holstentor von 1478 ist das Wahrzeichen der Stadt. Es beherbergt ein kleines Museum. "Concordia domi foris pax" – Eintracht nach innen, Friede nach außen. Diese Maxime brachte Lübeck Ruhm und Reichtum. Die Ausstellung klärt darüber auf, dass die Lübecker nicht immer diesem Leitspruch folgten. So griffen sie beispielsweise Stralsund an, als sich die dortigen Kaufleute zu ernsthaften Konkurrenten im Heringshandel entwickelten.

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Die imposanten Salzspeicher neben dem Holstentor lassen erahnen, wie geschäftig es zur Hansezeit auf der Obertrave zuging. Hunderte Schiffe wurden täglich be- und entladen. Salz, Holz und Tuche mussten zwischengelagert werden. Das zog viele Arbeitskräfte an. Vom 12. bis ins 16. Jahrhundert boomte die Stadt. Lübeck wurde zur zweitgrößten Stadt Deutschlands.

Dem Prunk und Luxus, in dem die Pfeffersäcke genannten Kaufleute lebten, begegnet man in der Kunsthalle St. Annen. Stilvolles, mit Intarsien verziertes Mobiliar, feinstes Tafelgeschirr, kostbare Gewänder und edler Schmuck. Der Reichtum der Stadt zog auch begabte Künstler aus Flandern, Italien und Frankreich an.

Das markanteste Monument ihres Strebens nach Reichtum und Macht hinterließen die Hanseaten im Zentrum. Dort errichteten sie das prunkvolle Rathaus und die Marienkirche, die selbst den Dom des Bischofs überragt. Wie Könige ließen sich die Ratsherren porträtieren, wie Heilige tauchen sie auf Kunstwerken auf. Die Demut kam mit der Pest, die ein Drittel der Kaufmänner auslöschte.

Der letzte Hansetag in Lübeck fand 1669 statt. Nach der Entdeckung Amerikas und der Erschließung neuer Seewege nach Asien gewann der Überseehandel an Bedeutung. Die altehrwürdige Lübecker Schiffergesellschaft musste ihre Räume an eine Gastwirtschaft verpachten. Für Besucher in Lübeck eine glückliche Fügung: Sie können seitdem die leckeren Hering-, Dorsch- und Flundergerichte in authentischem Hanseambiente genießen.

Info: Lübeck und Travemünde Marketing GmbH, Holstentorplatz 1, 23552 Lübeck, Tel. 0451/4091953, E-Mail:
stadtmarketing@ luebeck-tourismus.de, Internet: http://www.luebeck-tourismus.de

Autor: Michael Juhran (dpa)