Schoko-Wunderland in Kaufbeuren

Christian Schreiber

Von Christian Schreiber

Sa, 23. Dezember 2017

Reise

GERNE WIEDER:Wie man leckere Weihnachtspralinen macht.

ie unterschiedlich die Menschen doch ticken! Die einen sind immer auf der Suche nach dem Unbekannten, die anderen zieht es Jahr für Jahr an den gleichen Urlaubsort oder sie machen den gleichen Wochenendausflug. Und freuen sich immer wieder aufs Neue, Vertrautes neu zu entdecken. Autoren der BZ schreiben in unserer Serie "Gerne wieder", warum es sie immer wieder an den gleichen Ort zieht. Viel Vergnügen!

WZwei Weihnachtsüberraschungen gibt es im Städtchen Kaufbeuren im Allgäu: Besucher stoßen zunächst auf den vermeintlich größten Adventskranz der Welt mit acht Metern Durchmesser. Von dort ist es dann nur ein kurzer Spaziergang zum kleinen Laden der Trüffelfee, in dem Kursteilnehmer lernen, wie man Weihnachtspralinen herstellt. Die Seminare dauern mehrere Stunden und das schlechte Schokogewissen legt man am besten schon mit dem Wintermantel ab.

Der Anfang erinnert ein wenig an eine Weinverkostung: Man probiert sich quer durch Schokochips und -nibs, gibt Tipps zu den Inhaltsstoffen ab und futtert so lange, bis die persönliche Lieblingsschoki ermittelt ist. Danach packt Trüffelfee Stefanie Fernandez 45 Pralinen-Hohlkörper auf den Tisch und platziert die Ganache daneben.

Zuerst ist die zartweiche Füllung mit Tonkabohnen dran, später kommen noch Espresso-Kardamom und Weihnachtslebkuchen. Die Kunst besteht darin, die Hüllen mit dem Dressiersack, einer Art Spritztüte, vollständig zu füllen und sie anschließend tröpfchenweise mit Schokolade zu verschließen. Soweit der Pflichtteil, der erstaunlich gut klappt. Die wirkliche Kunst besteht darin, die Pralinen so verführerisch zu verzieren, dass man am liebsten gleich selbst reinbeißen würde. "Trüffel sind kleine Kunstwerke fürs Auge", sagt Stefanie Fernandez.

Leider ist vor dieser kreativen Arbeit noch ein Grundkurs Physik und Chemie nötig, schließlich muss die Edel-Kuvertüre bei bestimmten Temperaturen im Wasserbad schmelzen, anschließend runterkühlen und wieder erwärmt werden. Je nach Schokolade sind zwischen 27 und 31 Grad für die ideale Verarbeitung nötig. Selbst Außen- und Raumtemperaturen spielen dabei eine Rolle. Und wehe, die Masse kühlt während der Verarbeitung zu weit runter...

Wenn alles gut läuft, darf man sich zum Finale auf ein kindliches Vergnügen freuen, die Pralinen in Schokotöpfe werfen und wälzen, durchs Zuckerbad rollen oder mit Gold bepinseln. "Schokolade und Pralinen sind das Land der unbegrenzten Möglichkeiten", sagt die Trüffelfee zum Abschluss unserer Lehrstunde. Danach haben alle Teilnehmer ein eindringliches Verlangen, in etwas Herzhaftes zu beißen.

Zum Glück ist der Weihnachtsmarkt nicht weit entfernt ist. Dort gibt es eine "Feurige Wurst" mit viel Zwiebeln und Knoblauch. Sobald man die gegessen hat, kommen – natürlich – wieder Gelüste nach Süßem auf. Gut, dass man bei der Trüffelfee nicht mit leeren Händen, sondern mit 45 selbstgemachten Pralinen raus ist. Das Ganze ist wohl ein Teufelskreislauf. In jedem Fall ist klar, dass dies nicht unser letztes Seminar bei der Trüffelfee war.

Wir haben uns für einen Schokoladenkurs angemeldet.