Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. August 2017 10:20 Uhr

Zwischen Berg und Tal

Grauer Fels, tiefe Schluchten und eisige Gletscher – gemütlich klingt das erst einmal nicht. Trotzdem leben in den Alpen, Europas größtem Gebirge, rund 30 000 Tierarten. Und das gut und gerne. Sie haben sich den etwas rauen Bedingungen ihres Lebensraumes perfekt angepasst.



Ohne Seil am Abgrund

Wenn einer gut klettern kann, dann der Steinbock. Er kraxelt auch noch dort, wo sich kein Mensch ohne Helm und Seil mehr hintraut. Dass er so ein geschickter Kletterkünstler ist, hängt nicht zuletzt mit seinen Hufsohlen zusammen, deren Kanten aus hartem Horn sind. Der Ballen zwischen den Kanten ist hingegen weich. Mit den harten Hufkanten kann er sich an kleinen Felszacken festhaken, während sich der weiche Ballen dem Gesteinsbrocken unter ihm anpasst. So rutscht er nicht weg. Die Hinterbeine des Steinbocks sind übrigens etwas länger als die Vorderbeine. Auch das hilft dabei, an steilen Hängen sicher zu gehen. Sehr auffällig sind die Hörner des Tieres: Beim Männchen können sie bis zu einem Meter lang und bis zu 15 Kilogramm schwer werden.

Werbung


Ein fedriger Riese kehrt zurück

Manchmal fallen in den Alpen Knochen vom Himmel. Schuld daran ist der Bartgeier, der gerne mal mit Knochen im Schnabel aufsteigt und sie oben wieder ausspuckt. Warum? Landen die Knochen auf dem felsigen Untergrund, brechen sie auseinander. So zerlegt der Vogel seine Nahrung in Portionen, die er auch schlucken kann. Vor hundert Jahren gab es keinen einzigen Bartgeier mehr in den Alpen. Der Mensch hatte ihn ausgerottet, weil er vor dem fedrigen Ungetüm Angst hatte. Immerhin bringt es der Bartgeier auf eine Flügelspannweite von knapp drei Metern. In erfundenen Geschichten tauchte der Bartgeier darum häufig als Lämmertöter und Kindsräuber auf. Das ist natürlich Quatsch! Heute fliegt der Riesenvogel zum Glück wieder in den Alpen.

Klein, aber ganz schön pfiffig

Die meiste Zeit verbringen Murmeltiere in selbst gebuddelten Höhlen unter der Erde. Bis zu neun Monate kann ihr Winterschlaf dauern. Unter der Erde gibt es Fluchtwege und sogenannte tote Gänge, die die Murmeltiere als Toilette nutzen. Im Sommer kommen die Tierchen gerne auch mal aus ihrem Bau heraus und legen sich in die wärmende Sonne. Mitunter wird tüchtig gekuschelt, denn Murmeltiere sind sehr gesellig und haben ein hohes Berührungsbedürfnis. Sie leben darum in großen Gruppen, sogenannten Kolonien, zusammen. Droht Gefahr, stoßen Murmeltiere schrille Pfiffe aus, um ihre Mitbewohner zu warnen. Pfiff ist allerdings nicht gleich Pfiff. Denn manche Murmeltiere der Kolonie sind wichtiger als andere. Pfeift ein ranghohes Tier, wird pariert. Dann verschwinden – zack – alle Murmeltiere im Bau und bleiben erst einmal dort, bis die Luft wieder rein ist.

Gut getarnt im Schnee

Im Sommer hat der Schneehase ein braunes Fell. Sobald es im Herbst aber kälter wird, wachsen dem langohrigen Hoppler ganz viel weiße Haare, die das braune Fell überdecken. Und schwupps, schon ist der Schneehase weiß. Das ist praktisch, denn feindliche Tiere wie Luchse, Füchse oder Steinadler müssen schon sehr genau hinschauen, um den Hasen in der verschneiten Berglandschaft zu entdecken. Das Fell des Schneehasen ist im Winter also viel, viel dichter – weil in zwei Lagen gewachsen – als im Sommer. Ein echter Vorteil, denn in der kalten Jahreszeit kann es in den Alpen so richtig knackig kalt werden.

Autor: Stephanie Streif