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06. Dezember 2017 04:07 Uhr

Zisch-Schreibwettbewerbgewinner Herbst 2017

Die geheimnisvollen Buchstabeninseln

Von Lena Werle, Klasse 4a, Wilhelm-Hildenbrand-Grundschule, Oberrotweil

  1. Foto: Ferdinando Terelle

B. Zetti und Betti Z. machen einen Tauchausflug zu einem versunkenen Ozeandampfer. Am Schiffswrack angekommen schaut B. Zetti neugierig durch eines der Bullaugen – und kann nicht fassen, was er da sieht ...

...auf der anderen Seite des Bootes ein riesiges goldenes und mit Korallen besetztes Tor! B. Zetti traute seinen Augen kaum. Schnell rief er Betti Z. zu: "Betti Z.! Komm schnell!" Er hatte ganz vergessen, dass sie unter Wasser waren. Also machte er Zeichen und lenkte so Bettis Aufmerksamkeit auf sich. Betti kam schnell angeschwommen, auch sie traute ihren Augen kaum, als sie das Tor sah!

Das Tor war jetzt natürlich viel spannender als das Wrack. B. Zetti und Betti Z. schwammen sofort zum Tor hin. Sie steuerten mutig durch das Tor und ihnen wurde schwarz vor Augen.

Sie waren ohnmächtig geworden! Als sie wieder aufwachten, wunderten sie sich sehr: Sie waren auf einer Insel gelandet. Die Insel hatte die Form eines A und es standen 26 Häuser darauf. B. Zetti und Betti Z. klopften an die nächste Tür. Ein A öffnete ihnen. Es hatte Beine, Arme, Füße, Hände, einen Kopf, Augen, einen Bauch – und eine Zeitung in der Hand. Das A war lieb und lud sie zu sich ein.

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Im Haus von A bekamen sie Apfelsaft und Apfelkrapfen – sie machten es sich auf einem Sofa in A-Form bequem, von dem sie allerdings, weil es ein auf die Seite gekipptes A war, ständig herunterrutschten. Sie mussten sich mit einer Hand an dem Mittelbalken des A-Sofas festhalten.

Während sie schmausten, erzählte ihnen das A von seinen Sorgen. Und von den Sorgen aller anderen Inselbewohner. Sie waren Teil einer Inselkette, die unter dem Namen "Buchstabeninseln" bekannt war. Auf der Insel von A lebten noch 25 weitere A-Buchstabenwesen in A-Häusern. Die benachbarte Insel hatte die Form eines B, erklärte A, und mit ihr auch alle ihre 26 Bewohner. Daneben lag Insel C, mit 26 C-Wesen als Bewohnern. Und dann gab es noch die Inseln D, E, F, G, H, I, J, K und so weiter bis zur Insel Z. B. Zetti und Betti Z. fühlten sogleich eine besondere Verbundenheit zu den B- und den Z-Buchstabenwesen. Aber das behielten sie bei A für sich.

A sagte weiter, dass alle Bewohner der ganzen Inselkette die Zeitungen der Satzzeichen liebten. Leider konnten die A-Wesen nur A-Wörter lesen, die B-Wesen nur B-Wörter, die C-Wesen nur C-Wörter, die D-Wesen nur D-Wörter und so weiter. Es mussten je 26 Alphabete mit je 26 Buchstaben zusammenkommen, um die Inselbewohner aus ihrem Ungemach zu holen, und endlich die Zeitungen ganz lesen zu können. Sie wussten keine Möglichkeit, mit den anderen Inselbewohnern zusammenzufinden, denn die Buchstaben konnten weder schwimmen noch fliegen. Schwimmen war ihnen dabei der größte Graus, denn sie bestanden aus Papier und Druckerschwärze, was sich im Salzwasser aufzulösen drohte. Bei diesem Gedanken durchfuhr das A ein regelrechter Schauer.

B. Zetti und Betti Z. hatten großes Mitleid. Doch was konnte man tun? Wie sollten sie die Buchstaben verbinden und die Alphabete vervollständigen?
Unsere Abenteurer waren sich sicher: Sie würden den Buchstaben helfen, sie mussten einfach eine Möglichkeit finden!

Betti Z.s Blick fiel auf die Zeitung in der Hand von A. Auf der Titelseite war ein großes Bild von einer Riesenwelle, auch Tsunami genannt, die gerade im Begriff war, ein kleines Buchstabenboot zu verschlingen. Das Bild war in Schwarz-Weiß gehalten und wirkte auf B. Zetti wie aus dem letzten Jahrhundert. Die Bildunterschrift lautete: Tsunami verhindert Reisewelle. Das A konnte den Artikel ja nicht lesen, aber von Betti Z. dazu aufgefordert erinnerte es sich an Erzählungen seiner GroßmAmA, deren Tante unter den Waghalsigen gewesen war, die sich nicht länger hatten abhalten lassen wollen, die anderen Inseln zu besuchen.

B. Zetti kombinierte die Indizien zu einem spannenden Verdacht: Der Dampfer, von dem nurmehr das Wrack übrig war, könnte einst gegen das goldene Tor gefahren sein, und könnte damit die Riesenwelle ausgelöst haben. Klar, dass die Buchstaben nach so einem Unglück keine weiteren Reisen mehr unternommen hatten.

Die Rubrik "Aktuelles" hatte es dem A angetan. Leider kam es nicht weiter als bis zum ersten Wort: "Aufgrund ..." B. Zetti las vor: "Aufgrund des andauernden Lesermangels erwägt die Satzzeichengruppe die Buchstäbische Zeitung einzustellen." Das A war fassungslos – ihr geliebtes Tageblatt einfach dichtmachen?! Wofür sollten sich die Buchstaben dann in Zukunft verbinden? Was sollte ihre Lieblingsbeschäftigung sein?

Für Betti Z. war klar: Sie mussten die Macher der Zeitung dafür gewinnen, den Buchstaben einen Verbindungsweg aufzuzeigen. Apropos Verbindungsweg: Hatte eigentlich schon einmal jemand an eine Brücke gedacht? B. Zetti und Betti Z. machten sich sogleich daran, einen Leserbrief zu formulieren. Hier war das Engagement aller Zeitungsbegeisterten gefragt, um die Leserschaft und damit die Existenz der Buchstäbischen Zeitung zu erhalten!

Die Antwort folgte prompt in der nächsten Ausgabe der Lokalzeitung. Die Satzzeichen spendierten Rollbänder, die einst für die Produktion der Zeitung verwendet worden waren.

Alle Buchstaben fingen sofort damit an, aus den 25 Rollbändern Brücken mit T-Trägern zu errichten. Auf den Rollbändern mussten die Buchstaben nicht einmal hinüberlaufen, sondern konnten auf spaßige Weise zu der jeweils benachbarten Insel hinüberrollen. Sie ordneten sich umgehend zu 26 Alphabeten und der Satzzeichenverlag spendierte zur Feier des Tages eine extra dicke Sonderausgabe der Buchstäbischen Zeitung, die nun endlich von allen gelesen werden konnte. Was für ein rauschendes Lesefest!

B. Zetti und Betti Z. feierten noch bis in den Abend hinein mit allen Buchstaben, dann fiel ihnen allerdings ein, dass sie ja noch das Wrack besichtigen wollten. Sie verabschiedeten sich von allen, nachdem ein junger Satzzeichenreporter sie zuvor kurz interviewt hatte, gingen zurück zum Tor und wagten sich hindurch. Ihnen wurde schwarz vor Augen und sie wachten wieder im Meer, in Tauchermontur, vor dem goldenen Tor auf. Hatten sie alles nur geträumt? Betti Z. hielt ein tropfnasses Zeitungsblatt in der Hand – also war die Geschichte vielleicht doch wahr?!

Autor: Lena Werle, Klasse 4a, Wilhelm-Hildenbrand-Grundschule, Oberrotweil