Zisch-Schreibwettbewerbgewinner Frühjahr 2018 I

Ein Internatgespenst

Do, 29. März 2018 um 11:31 Uhr

Schreibwettbewerb

Nikolas Völkel, Klasse 4b, Schurhammerschule, Glottertal

Es war Samstag, der letzte Fasnachtsferientag. Mia saß gerade am Tisch und frühstückte mit ihrer Familie. Ihr kleiner Bruder Charly zappelte in seinem Hochstuhl und hätte beinahe sein Müsli vom Tisch geworfen. Mias Vater las Zeitung und gab dabei manchmal Laute von sich wie "Ach, diese Ganoven!" oder "Mensch, die haben ja gar keine Ahnung!" Ach, wie gerne hätte Mia morgen noch einen Ferientag, dann könnte sie etwas mehr bei ihrer Familie sein! Denn Mia ging auf ein Mädcheninternat und sah ihre Familie nur in den Ferien.
Am Mittag begann Mia schon mal, ihre Sachen zu packen, schließlich war es nicht gerade wenig, was sie einpacken musste: eine Uniform, Klamotten, das Handy und die Bücher für dieses Schuljahr. Am Abend kontrollierte Mias Mutter noch einmal Mias Taschen, ob sie auch alles dabei hatte. Am nächsten Morgen stand Mia früh auf. Beim Frühstück aß Mia nicht besonders viel bei dem Gedanken, dass sie wieder bis zu den Osterferien von ihrer Familie getrennt sein würde.

Nach dem Frühstück ging es los, sie packten die Koffer ins Auto und fuhren los. Die Fahrt dauerte zwei Stunden. Am Mittag kamen sie an. Es herrschte schon ein richtiges Gewimmel auf dem Pausenhof, viele Schülerinnen waren schon da. Als Mia ausstieg, rannten ihr gleich Maja und Charlotte entgegen und umarmten sie. Maja und Charlotte waren Mias Freundinnen. Sie waren unzertrennlich!

Da kam schon Mias Vater mit den Koffern. Mia fand immer, dass das Internat der Hogwarts-Schule bei Harry Potter ähnelte. Aber das war nur so, wenn es regnete, sonst sah es immer wie ein völlig normales Gebäude aus.

Nach einer Weile ging schließlich die Eingangstür auf und Frau Meier, die Lehrerin für Geschichte, begrüßte die Schülerinnen. Und nach ungefähr einer Viertelstunde stand Mia mit ihren Koffern und den anderen Schülerinnen aus der dritten Klasse im Schlafsaal für die dritte Klasse. Nachdem jeder sich ein Bett ausgesucht und sein Gepäck abgestellt hatte, ging es runter in den Speisesaal zum Abendessen.

In der Halle standen fünf große lange Tische für die Schülerinnen. Als alle da waren, trat die Schulleiterin ein. Am Ende der Halle stand ein Lehrertisch, wo alle Lehrer und Lehrerinnen saßen. Nach ein paar Grußworten der Schulleiterin gingen die Türen an den Seiten der Halle auf und viele Kellner mit Essen und Trinken kamen herein und bedienten.

Nach einer Weile, als gerade alle beim Hauptgang waren, wurde eine der Türen so stark aufgerissen, dass alle, die in der Halle waren, aufschraken! Und wer dort in der Tür stand, war Celine. Sie war völlig außer Atem und ganz blass und stotterte die ganze Zeit vor sich hin. "Was ist los?", fragte Hannah voll Neugier. "Ge-, Gespenst!" Das war das Einzige, was Celine rausbekam. Plötzlich wurde es ganz still in der Halle bei dem Gedanken, dass es ein Gespenst im Internat gab. "Ich finde, wir sollten jetzt mal keinen großen Aufstand machen und erstmal ruhig bleiben! Schließlich kann sich Celine ja auch getäuscht haben", sagte die Schulleiterin.

In dieser Nacht konnte keiner schlafen. "Meinst du, dass die Geschichte mit dem Gespenst wahr ist?", fragte Charlotte Mia noch einmal, bevor sie ins Bett gingen. "Keine Ahnung, ich habe noch nie ein Gespenst gesehen. Also könnte es schon wahr sein."

Am nächsten Morgen hatten sie gleich Mathematik bei Herrn Heidelberger. Als sich Mia, Charlotte und Maja setzen wollten, bekamen sie alle drei Papierknödel gegen die Köpfe. Als sie sich umdrehten, saßen hinter ihnen Christine, Maria und Emma. Diese Drei waren ihre verfeindeten Mitschülerinnen. "Oh nein, nicht die! Das wird eine schreckliche Stunde!", jammerte Mia. Plötzlich ging die Klassenzimmertür auf und Herr Heidelberger kam herein. Als er an den sechs Mädchen vorbeilief, blieb er stehen und betrachtete die Papierknödel und die verfeindeten Gesichter. "Gibt es ein Problem, meine Damen?", fragte er mit hochgezogener Augenbraue. "Nein, Sir", sagte Emma. "Na, dann ist ja alles gut", sagte er zufrieden und ging weiter.

Nach Mathe hatten sie Französisch. Auf dem Weg ins Französischklassenzimmer trafen sie auf einen Mann in weißem Kittel, mit dem sie beinahe zusammengestoßen wären. "Oh, Entschuldigung, Sir!", sagte Charlotte, als sie ihn beinahe aus dem Gleichgewicht gebracht hätte. "Ah! Hallo Kinder! Ich bin Professor Eulenstein! Ich recherchiere über Gespenster. Ich habe gehört, dass es hier eins gibt! Geister haben einen schlechten Ruf, und das finde ich besonders unfair!", sagte er. "Ähem, wir haben uns sehr über ihre Bekanntschaft gefreut, aber wir müssen jetzt weiter!", sagte Mia und zog Charlotte und Maja mit sich. "Dieser Gespensterforscher ist doch ganz schön durchgeknallt, findet ihr nicht auch?", sagte Mia, als sie am Französischklassenzimmer ankamen. "Na ja, wie auch immer, das kann uns ja egal sein."

Nach dem Unterricht gingen sie in die Bibliothek zum Hausaufgabenmachen. Als sie gerade anfangen wollten, standen plötzlich Christine, Maria und Emma vor ihnen. "Was wollt ihr?", fragten Maja, Charlotte und Mia wie aus einem Munde, ohne dabei aufzuschauen. "Wir wollen euch ein faires Angebot machen", sagte Emma. Nun schauten Mia, Maja und Charlotte auf. "Und was für ein Angebot wäre das?", fragte Charlotte. "Ihr wisst doch, dass Celine letztens von einem Gespenst angegriffen wurde?", sagte Emma. "Ja, und?", fragte Mia., "Nun ja, wie wäre es mit einem Wettkampf? Ihr drei gegen uns drei. Welche Gruppe das angebliche Gespenst fängt, hat gewonnen." "Okay!", sagte Mia. "Und was springt für die Gewinnergruppe raus?", fragte Charlotte. "Keine Ahnung. Was wollte ihr?", fragte Emma. "Die Verlierergruppe muss für die Gewinnergruppe die Hausaufgaben machen …, und zwar eine Woche lang!", sagte Mia. "Alles klar, machen wir!", sagte Christine. "Und stattfinden soll es diese Woche Samstag um Mitternacht!", meine Emma. "Wir sind dabei!", sagten Mia, Charlotte und Maja gleichzeitig.

Nach den Hausaufgaben gingen sie zurück in den Schlafsaal. "Hast du den Mund nicht ein bisschen zu voll genommen, Mia? Eine Woche lang zusätzliche Hausaufgaben! Stell dir vor, wir verlieren!", meinte Maja. "Ach was, wir gewinnen schon! Und überhaupt, ich glaube das mit Celine und dem Gespenst nicht so richtig. Kann ja sein, dass es auch etwas anderes war", sagte Mia.

Am Abend gingen sie zum Abendessen. Sie hatten gerade angefangen zu essen, da ging wieder eine Hallentür auf und Ilwie platzte herein. "Ge-, Gespenst! Mädchentoilette!", mehr brachte Ilwie nicht heraus, weil sie gleich darauf in Ohnmacht fiel. Drei Sekunden lang herrschte völlige Stille. Doch dann fingen alle Schülerinnen an zu schreien und liefen panisch durch die Halle. "RUHE!", schrie die Schulleiterin, "Dieses Theater ist völlig unnötig! Es werden nun alle Klassenlehrer mit ihren Klassen in die Schlafsäle gehen! Ich hole die Lehrerschlafsäcke, denn jeder Lehrer hat die Pflicht, bei seiner Klasse zu schlafen, nur für den Fall. Ach, ähem, und sie, Professor Eulenstein, sie wissen, wo … Professor Eulenstein? Wo ist Professor Eulenstein?" Wieder ging eine Hallentür auf und Professor Eulenstein stolzierte herein. "Ah, hallo! Habe ich was verpasst? Ich war nur mal schnell in meinem Zimmer", sagte er fröhlich. "Na ja, wie auch immer. Sie, Professor Eulenstein sind für das Gespenst verantwortlich! Ist das klar?", fragte die Schulleiterin. An diesem Abend herrschte noch lange Getuschel und Geflüster.

Ein paar Tage vergingen. Mittlerweile war Samstag. Und die Vorfälle mit dem Gespenst hatten ein paar Sicherheitsvorkehrungen zur Folge. Keiner durfte mehr beim Abendessen ohne einen Lehrer irgendwo hingehen. Und die Klassenlehrer schliefen immer bei ihren Klassen. Man sah auch die Erstklässler nur noch in kleinen Grüppchen durch die Gänge laufen. "Kommt euch der komische Gespensterforscher nicht auch verdächtig vor? Immerhin hat er das letzte Mal, als ein Gespenst gesehen wurde, gefehlt", meinte Mia beim Mittagessen. "Na ja, spätestens heute Abend wissen wir es. Denn da haben wir die Verabredung mit Christine, Maria und Emma", sagte Charlotte. Den Rest des Tages grübelten Mia, Maja und Charlotte nur noch darüber nach, wie der kommende Abend werden würde. Die Stunden vergingen.

Schließlich gab es Abendessen. Danach gingen Mia, Maja und Charlotte mit Klamotten ins Bett, weil sie ja noch mal aufstehen mussten. Schlafen konnte allerdings keine von ihnen, dafür waren sie viel zu aufgeregt. Um Punkt Mitternacht standen sie auf, zogen sich ihre Schuhe an und packten Taschenlampen ein. Auf den dunklen Gängen herrschte Totenstille. Nur hier und da hörte man das Knarren alter Bretter oder das Rauschen der Bäume. "Der Treffpunkt ist in der Bücherei!", flüsterte Mia. Als sie dort ankamen, waren Christine, Maria und Emma schon da. Sie hatten auch alle drei Taschenlampen dabei und grinsten gemein. "Willkommen im Wettkampf!", begrüßte Emma Charlotte, Maja und Mia. "Also, jede Gruppe hat 30 Minuten Zeit, das Gespenst zu fangen. Wenn die 30 Minuten um sind, treffen wir uns wieder hier!", berichtete Emma. "Okay", sagte Mia, "Dann los!"

Sie marschierten durch dunkle Gänge und hörten hier und da immer wieder den Wind rauschen. Nach einer Weile, als sie gerade um eine Ecke bogen, sagte Mia: "Habt ihr nicht auch das dumpfe Gefühl, beobachtet zu werden?" "Nein", meinte Charlotte. Doch als sie weiterreden wollte, wurde sie unterbrochen. Ein Rauschen ging durch die Gänge, und eine gruselige Stimme sagte: "Ich bin hier!" Mia, Charlotte und Maja blieben wie angewurzelt stehen und starrten in die Dunkelheit.

Plötzlich kam etwas Weißes um die Ecke mit viel Buhuu! "Aahh! Ein Gespenst!", riefen Mia, Maja und Charlotte gleichzeitig. Doch während sie laut schrien, betrachtete Mia das Gespenst etwas genauer und sah unter dem Laken ein Paar schwarzer Schuhe hervorragen. "Hey, seid mal leise!", sagte Mia. Ganz überrascht verstummten Charlotte, Maja und das Gespenst! Langsam und vorsichtig ging Mia auf das Gespenst zu und zog an dem Laken. Und wer unter dem Laken stand, war Professor Eulenstein!

"Was, sie, Professor Eulenstein?", fragten Mia, Charlotte und Maja gleichzeitig. "Nun ja, ich werden von meinen Kollegen immer als schlechter Professor bezeichnet. Und da habe ich mir gedacht, wenn ich mich hier als Gespenst verkleide und Kinder erschrecke und mich dann als Gespensterforscher ausgebe, könnte das helfen. Denn, wenn ihr nicht dazwischen gekommen wärt, hätte ich so tun können, als hätte ich das Gespenst gefangen und hätte damit Aufsehen erregt!" "Was für ein gemeiner Betrug!", schimpfte Maja.

In dem Moment kam Frau Meier um die Ecke. Sie war im Nachthemd und sah ziemlich verschlafen aus.
Nachdem die Geschichte mit Professor Eulenstein raus war, hatte keiner mehr Angst, und Professor Eulenstein war weiter auf der Suche nach Ruhm und Anerkennung.