Zisch-Schreibwettbewerbgewinner Herbst 2018

Eine außergewöhnliche Freundschaft

Di, 11. Dezember 2018 um 15:50 Uhr

Schreibwettbewerb

Von Iliana Kolano, Klasse 4b, Grundschule Vorderes Kandertal, Eimeldingen

Es ist Winter in einem kleinen Dorf in Schweden. Simon war ein schüchterner und zurückhaltender Junge, dessen Vater vor zwei Jahren plötzlich verschwand. Seitdem hat sich sein Leben und das seiner Mutter stark verändert. Seine Mutter musste sehr viel arbeiten, um ihr Essen, die Miete und alles andere zu bezahlen. In der Schule wurde Simon nur gehänselt und geärgert.
Als Simon eines Tages von der Schule nach Hause kam, baute er als Überraschung für seine Mutter in ihrem Garten einen Schneemann. Es wurde sehr spät und der Mond stand schon am Himmel, als Simon am Fenster stand und wartete. Als er in den Himmel schaute und die vielen Sterne sah, wünschte er sich sehnlichst einen Freund. Er bemerkte nicht, dass genau in diesem Augenblick eine Sternschnuppe vom Himmel fiel und dem Schneemann ihren Glitzerstaub in die Augen wehte. Als Simon sich vom Fenster wegdrehte, rieb der Schneemann sich die Augen.

Erst am nächsten Morgen merkte Simon, dass er auf dem Sofa eingeschlafen war. Jemand hatte ihn zugedeckt und auf dem Tisch lag ein Zettel. Auf diesem stand, dass seine Mutter spät nach Hause kam und heute Morgen gleich wieder zur Arbeit musste. Aber sie wollte versuchen heute Abend früher zu kommen. Simon war enttäuscht, als er den Zettel las. Er wollte seiner Mutter doch die tolle Überraschung zeigen. Der Junge packte seine Sachen und machte sich auf den Weg zur Schule. Als er das Haus verließ, formte er einen Schnellball und warf ihn dem Schneemann an den Kopf.
Er wollte gerade das Gartentor aufmachen, da traf ihn ebenfalls ein Schneeball am Kopf. Abrupt drehte Simon sich um. Doch da war niemand. Verdutzt legte er die Hand auf den Griff, als ihn schon wieder ein Schneeball am Kopf traf. Wütend drehte er sich um und schrie auf, als er sah, dass ein Schneemann mit einem weiteren Schneeball auf ihn zukam. Der Schneemann blieb stehen und sagte: "Was du kannst, kann ich schon lange." Simon starrte sprachlos den Schneemann vor sich an. Bevor er was sagen konnte, hatte er einen dritten Schnellball mitten im Gesicht. Langsam erkannte er die beiden Schneekugeln, seine alte Mütze, die Stöcke die dem Schneemann als Arme dienten, und seine durchlöcherten Handschuhe. "Du bist der Schneemann, den ich gebaut habe … ?", stotterte Simon. "Wie geht das ?" Frech antwortete der Schneemann: "Und du bist der Junge, der mich gebaut hat?" "Echt jetzt, findest du das lustig?", fragte Simon jetzt verwirrt. "Lustig ist lustig", rief der Schneemann und fing an, weitere Schneebälle zu werfen. Simon wehrte sich und es begann eine wilde Schneeballschlacht. Plötzlich fiel Simon die Schule wieder ein und er musste sich verabschieden.

Als er im Klassenzimmer ankam, traute er seinen Augen nicht, denn genau neben seinem Platz am Fenster schaute ihn ein sehr bekanntes Schneegesicht mit Knopfaugen an. Simon gab ihm wilde Zeichen mit den Händen, dass er sich verstecken sollte. Doch es war zu spät, alle Schüler starrten den Schneemann schon an. "Wer hat denn den tollen Schneemann da gebaut?", rief ein Mädchen. Als Simon sich vorsichtig zurückdrehte, stand da nur ein starrer Schneemann, und er war erleichtert darüber, dass es keiner von seinen Mitschülern bemerkt hatte. In der großen Pause lief Simon unauffällig zu seinem Schneemann. "Bist du verrückt, man hätte dich sehen können!", flüsterte er. "Hat man ja auch", grinste der Schneemann zurück. "Boah", kam plötzlich eine Stimme von hinten. "Hast du diesen wunderschönen Schneemann gebaut?" Erschrocken drehte Simon sich um und entdeckte Mailin, die erst kürzlich hierher gezogen war. "Ehm, ja, danke", murmelte Simon verlegen. "Wie heißt er denn ?", fragte Mailin. "Simon", antwortete Simon. Mailin lachte und erwiderte: " Ich meinte eigentlich den Schneemann." Hüpfend lief sie zum Pausenhof zurück. "Also die gefällt mir", grinste der Schneemann. Simon rollte mit den Augen und fragte ganz neugierig: "Wie bist du eigentlich entstanden?" "Na ja, ein leuchtender Knopf fiel vom Himmel und hat mir was in die Augen gespritzt", sagte der Schneemann nachdenklich. Simon rollte wieder mit den Augen und machte sich auf den Weg zur Schulbibliothek. Er wollte dort recherchieren, wie es sein konnte, dass normaler Sternenstaub einen Schneemann zum Leben erwecken konnte. Aber auch nach langem Suchen fand er nichts und gab sich mit dem Gedanken zufrieden, dass diese bestimmte Sternschnuppe Superkräfte hatte.

Nachdem er die restliche Schulzeit in der Bibliothek herumgestöbert hatte, ging er, verfolgt vom Schneemann, nach Hause. Dort wartete Mailin auf ihn. "Hey," begrüßte sie ihn lässig, "und weißt du jetzt, wie er heißt?" Simon fragte verwirrt: "Wer?" "Na der Schneemann!", erwiderte Mailin lachend. Simon antwortete, ohne nachzudenken "Oh, das habe ich ihn vergessen zu fragen." Jetzt guckte Mailin verwirrt, wie Simon soeben noch. Simon wechselte schnell das Thema und fragte Mailin nach dem Mathetest. Den ganzen Nachmittag quatschten und spielten sie zusammen.

Am Abend war Simon noch lange im Garten bei seinem neuen Freund, dem Schneemann. "Darf Mailin dich kennenlernen?", fragte Simon. Der Schneemann überlegte und sagte schließlich: "Wenn andere Menschen kommen, dann erstarre ich automatisch. Ich glaube, das sollte lieber ein Geheimnis bleiben." " Oh", murmelte Simon.

Ein paar Tage später, an einem Samstag, wurde Simon von Vogelgezwitscher geweckt. Er stand auf und blickte durch sein Fenster, dann sah er den Schneemann stolz im Garten stehen. Weiter hinten am Zaun erspähte er eine Gestalt. Simon lachte und rannte freudig die Treppe runter. Er schnappte sich Jacke und Schuhe, riss die Tür auf und lief winkend an seinem Schneemann vorbei. Mailin fragte verwundert: "Wie ist denn der Schneemann von der Schule in deinen Garten gekommen?""Das ist eine lange Geschichte", antwortete er und sie liefen zusammen die Allee hinunter.

Was Simon nicht bemerkte, war, dass die ersten Strahlen der Frühlingssonne das linke Knopfauge des Schneemannes langsam zum Runterrutschen brachten. Als Simon gegen Abend glücklich nach Hause kam und vergeblich nach seinem Freund suchte, fiel ihm plötzlich etwas Schreckliches auf. Es waren schon die ersten Grasbüschel zu sehen. Panisch suchte er nach seinem Freund und blieb vor einem kleinen Schneehaufen stehen. Er sank auf die Knie und Tränen rollten ihm übers Gesicht. "Wie konnte ich dich nur deinem Schicksal überlassen?", schluchzte Simon. Plötzlich hörte er einen zarten Windhauch und die leise Stimme seines Freundes flüsterte ihm zu: "Egal was passiert, ich werde in deinem Herzen bleiben."
Da wurde Simon bewusst, dass die Superkraft nicht in der Sternschnuppe steckte, sondern einzig und allein in seinem Wunsch.