Regeln machen, Regeln befolgen

Jule E. Maier, Klasse 8, Paula-Fürst Schule Freiburg

Von Jule E. Maier, Klasse 8 & Paula-Fürst Schule Freiburg

Di, 19. Juni 2018

Schreibwettbewerb Zischup

In unserem Alltag gibt es viele Vorgaben / Wer aber entscheidet darüber, was getan werden muss und was nicht?.

Wenn man über Regeln nachdenkt, dann fallen einem zuerst Sätze wie "Spreche nicht mit vollem Mund" oder "Nehme im Klassenzimmer die Mütze ab" oder "Kaugummikauen in der Schule ist verboten" ein. Das Interessante an solchen Regel ist, dass sie einem als Erstes in den Sinn kommen. Das sind aber längt nicht alle Regeln. Regeln, die nerven, bleiben vermutlich eher bei einem hängen.

Wenn man weiter durch die Regeln, die einen im Alltag umgeben, gräbt, wird einem nämlich ziemlich schnell klar, wie viel von dem, was wir tun und uns beeinflusst, von Regeln abhängt. Dabei wird auch klar, dass nicht alle Regeln prinzipiell schlecht sind. Doch meistens fallen uns diese "schlechten" Regeln zuerst ein. Das heißt natürlich nicht, dass alle anderen Regeln gute, gerechte oder schöne Regeln sind. Es sind einfach nicht die Regeln, die man im Moment im Kopf hat, oder aktuell sind. Darüber, was gut, gerecht, schön oder schlecht ist, lässt sich natürlich diskutieren.

Ich kann zum Beispiel nicht wissen, ob mein Gegenüber die Regel, "dass Kaugummi kauen in der Schule verboten ist", genauso bescheuert findet wie ich. Vielleicht mag mein Gegenüber ja überhaupt kein Kaugummi oder fühlt sich davon gestört, weil ihn das Schmatzen ablenkt oder ihn die fertig gekauten Kaugummireste ekeln, die anschließend unter seinem Tisch kleben. Für so eine Person wäre dann die Regel, dass in der Schule kein Kaugummi gekaut werden darf, absolut sinnvoll und erleichternd. Nicht so für mich, denn mir schmeckt Kaugummi, und vielleicht kann ich mich beim Kauen auch besser konzentrieren.

Man sieht also, dass Regeln aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden müssen. Aber wer hat das Recht dazu, eine Regel festzulegen? Und ist es gerecht, wenn nur einer das Sagen hat? Denn die Regel, die nur von einer Person aufgestellt wird, vertritt unter Umständen nur seine Interessen! Im Großen und Ganzen sind Regeln dazu da, die Kontrolle und die Macht über bestimmte Dinge zu erlangen, die davor unkontrolliert oder nicht zufriedenstellend erschienen. Weil es also die Regel gibt, dass im Unterricht kein Kaugummi gekaut wird, können meine Lehrer mir das Kaugummikauen verbieten. Aber welche Regel gibt meinen Lehrern oder insgesamt allen Regelschreibern (mich mit eingeschlossen) das Recht, Regeln zu machen? Irgendeine muss es ja schließlich geben, denn sonst könnte ich mir ja einfach meine eigenen Regeln für meine Umwelt überlegen.

Man merkt also, dass unsere Welt wortwörtlich "durchgeregelt" ist. Für alles gibt es eine Regel. Die Welt würde ohne Regeln wahrscheinlich im Chaos versinken. Zumindest nehmen wir das an. Denn eine Welt ohne Regeln kennen wir nicht. Aber stimmt das so? Oder haben wir uns einfach schon so sehr an dieses ganze strukturierte und vorgeschriebene Leben gewöhnt? Und wie wäre die Menschheit ohne Regeln? Die meisten werden sich jetzt eine unzivilisierte, grobe, asoziale, wilde, unkontrollierbare Menschenmasse vorstellen. Aber was wäre, wenn es genau gegenteilig wäre? Was, wenn wir eben genau das nicht wären? Vielleicht würden wir uns einfach so benehmen, wie sich die meisten Leute soziale Menschen vorstellen: freundlich, hilfsbereit und liebenswürdig.

Auf alle Fälle könnten wir nicht mehr gegen Regeln verstoßen. Dinge, gegen die wir in der Regelwelt verstoßen würden, würden wir in der Nicht-Regelwelt vielleicht ganz von alleine unterlassen, einfach weil wir keinen Gefallen mehr daran finden würden. Oder wir würden alles viel lockerer sehen. Was weder gut noch schlecht wäre. Letztendlich aber würde eine Welt ganz ohne Regeln nicht funktionieren. Denn dann müsste man ja das Aufstellen von Regeln verbieten, was wiederum eine Regel wäre.

Im Großen und Ganzen sind Regeln ein wirklich sehr interessantes Thema über welches man lange und aus vielen verschiedenen Perspektiven nachdenken kann. Ich persönlich denke, dass man bei Regeln immer mehrere Perspektiven sehen muss, um sie auch wirklich zu verstehen. Und zwar die des Regel-Vorschreibers und die der Menschen, die sich an die Regeln zu halten haben. An sich sind Regeln ja wirklich nichts Schlechtes, denn sie regeln das Miteinander. Allerdings sind manche Regeln auch einfach nur überflüssig und nervig!